Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 49 (29.11.1847)
- Date
- 1847-11-29
- Page
- Seite 721 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225547--09013-3239860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
721 wie man hört, größtentheils bereits überstanden haben — ihren Muth und Eifer nicht sinken lassen mögen. Wenn die unterfertigten Vorsteher des folgenden papaer Briefes, beim Beginne ihrer schwierigen Fahrt, auch plumpen und unwürdigen Händen sich daran zu betheiligen gestatteten; mögen sie zur Lenkung ihres bereits im schönen Gange sich befindenden Fahrzeuges ja nicht dasRuder ausHänden geben. Sie können mit Zuversicht die Achtung erwarten, die ihnen geziemet, wenn sie ferner als Männer sich bewähren — und ohne vom Oppositionsgeiste aufgestachelt zu sein, gleich begeistert und thätig Gott im Herzen und das gesunkene Israel im Auge haben werden! *** An ein ehrsames Verwaltungskomit« in Pesth. Hochzuverehrende Herren! Mit vielem Vergnügen haben wir aus ihrem Zirkularschreiben vom 27. v. M. ersehen, daß Se. kais. Hoheit der Erzherzog Statthalter Ihre Deputation huldreich aufzunehmen, und mit trostvollen Worten zu entlassen geruhte. Auch wir hatten das Glück, Sr. kais. Hoheit am 29. September in Zala-Egerszeg vereint mit der dortigen Gemeinde aufwarten zu dürfen und aus den öffentlichen Blättern werden Sie ersehen haben, daß der hochherzige Prinz unter Anderm die Worte zu uns sprach: „Ich stehe gut dafür, daß Se. Majestät Ihre Unterthanen jüdischen Glaubens nicht vergessen werde." Wir dürfen, indem wir Ihnen dies mittheilen, nicht unerwähnt lassen, daß die löbl. Stände des zalader Komitats gegenwärtig waren, als wir die hohe Ehre genossen, dem erlauchten Statthalter unsere Gefühle und Wünsche vorzutragen, und hochdemselben für sein zweimaliges Handschreiben an uns unfern tiefgefühlten Dank auszudrücken. Und es war wirklich herzerhebend zu sehen, wie die Elite des zalader Adels nicht nur die goldenen Worte des Erzherzog-Statthalters, sondern auch unsre bescheidene Anrede mit stürmischem eljea begleitete. Nicht minder haben wir Ihnen rücksichtlich Ihres frühem Rundschreibens vom 21. September Erfreuliches mitzutheilen. Gleich nach Empfang desselben haben wir uns beeilt, das Gesuch mit einem Begleitungsschreiben an die zur Ausarbeitung der Instruktionen niedergesetzte löbliche Kommission gelangen zu lassen, und die betreffenden Herren über unsere Verhältnisse und Wünsche nach Kräften aufzuklären. Unsere Bemühungen waren auch Gott sei Dank nicht ohne Erfolg; denn das veszprimer Komitat hat, wie Sie aus den Diarien der zwei letztverflossenen Landtage ersehen können, in Betreff unsrer Angelegenheit noch nie so günstige Instruktionen gegeben, wie diesmal. Grundbesitz und Ausübung von Gewerben sollen gestattet werden und der Staat soll die Erziehung der Israeliten nachdrücklich befördern und überwachen, um sie zum Genüsse erweiterter bürgerlicher Rechte zu befähigen. Ausdrücklich wurden übrigens der Instruktion folgende Schlußworte hinzugefügt: Das die Einbürgerung der Juden betreffende, gedruckte Gesuch des pesther israelitischen Komite's, welches vom papaer Jsraelitenvorstande eingereicht wurde, wird sammt der dazu gehörigen Beilage den Herren Ablegaten mitgegeben, damit sie es seiner Zeit benützen sollen. Auch dürfen wir es Ihnen nicht verschweigen, daß in dem zweiten Punkte der Instruktion unsres löblichen Komitats darauf angetragen wird, daß die Rabbinen in der Folge an einer öffentlichen Lehranstalt die philosophischen Studien beendet haben müssen. Wir leugnen auch nicht, daß wir in unseren mündlichen Informationen bemüht waren, die Heilsamkeit einer solchen Maßregel, welche schon vor mehreren Jahren von dem Statistiker Fenyes vorgeschlagen wurde, in das klarste Licht zu stellen. Wir haben bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen auf das Beispiel der ehrenwerthen pesther Gemeinde hinzuweisen, welche in ihren Statuten schon vor fünfzehn Jahren die unerläßliche Forderung aussprach, daß ihr Rabbiner philosophische Bildung besitzen müssen. Zwar können wir uns nicht verhehlen, daß erwähnte Maßregel, Falls dieselbe wirklich zum Gesetze erhoben würde, der Mehrzahl unserer Glaubensgenossen als ein Gewissenszwang erscheinen müßte, und daß es mithin heilsamer sein dürfte, derlei innere Verbesserungen der langsamen, allmäligen Entwickelung zu überlassen. Allein bei reiflicher Erwägung haben wir gefunden, daß alle wesentlichen Verbesserungen, deren sich unsere Brüder im Auslande und zum Theil auch wir zu erfreuen haben, ursprünglich für Gewissenszwang galten, und von vielen Rabbaniten als Eingriffe in unsere heilige Religion betrachtet wurden. Sie, verehrteste Herren und Brüder, brauchen wir daran sicherlich nicht zu erinnern. Denn ihnen ist ja ohne Zweifel bekannt, daß die gelehrtesten und berühm- 49*