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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-29 · Heft 49 (29.11.1847) · p. Seite 719

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 49 (29.11.1847)
Date
1847-11-29
Page
Seite 719 (sequence 7)
Language
German
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719 eingeschmuggelt wurden, die den Traualtar nür als Nachfolger des Leichenwagens gelten lassen, man sprach von Zulassung der Juden zur Advokatur, man sprach — kurz man sprach noch von verschiedenen Dingen. Daß dieses lauter Bermuthungen und unverbürgte Gerüchte waren, versteht sich wol von selbst, denn wie konnte man über das „welche" etwas wissen, da sogar das „ob" noch in Frage stand? In dieses „ob" wenigstens einiges Licht geworfen zu haben, dieses Verdienst gebührt der israelitischen Kultusgemeinde zu München, welche den Advokaten Ney, der schon beim vorjährigen Landtag ihre Sache sich angeeignet hatte, veranlaßte, bei dem Ministerium eine Erläuterung darüber hervorzurufen, ob vielleicht der Zweifel auch bei gegenwärtiger Verwaltung bestehe, ob überhaupt eine Aenderung in dieser Beziehung noththue? Es wurden nun von mehreren Abgeordneten treffliche Worte gesprochen, in deren Detail ich um so weniger einzugehen brauche, als Sie und Ihre Leser es gewiß schon in bairischen Blättern gefunden haben, ich bemerke blos, daß ein Redner, der Abgeordnete Freiherr v. Schätzler aus Augsburg, daraus hinwies, daß in dem Lande des Fortschritts, in England, Rothschild *) indeß zur höchsten dort erreichbaren Ehre gelangt sei. Wahrhaft erfreulich war es, bei *) Eine der jüngsten Nummern Ihres geschätzten Blattes brachte einige Bemerkungen über die Wahl Rothschilds kn das englische Parlament, die den Erwartungen wenig schmeichelten, die ich (in No. 35 d. Bl.) auf diese Wahl für die jüdischen Bewohner Englands sowol, als auch für unsere deutschen Glaubensgenossen gründete. Jener Artikel laßt, erschreckt durch das Geschrei einiger englischen Parteidlätter, die Emanzipation der englischen Israeliten noch weit im Felde sein; aber lassen wir uns von diesem Geschrei nicht beirren. Lord John Ruffel wird, Falls er am Ruder bleibt, und daß er bleibt, darüber sind die Blatter aller Farben einig, sein begonnenes Werk auch zu vollenden wissen, treulich unterstützt von den Whigs, welche die überwiegende Majorität bilden, unbeirrt weder durch das Geschrei des Hochtoristischen Standard und seiner geifernden Kollegen, noch durch das Zeter der ullramontanen Presse. Uebrigens muß man die Urtheile der englischen Journalistik nicht so schlimm nehmen; in einem freien Staate wie England, wo jeder Farbe, jeder Partei in ihren Organen der breiteste Tummelplatz gegönnt ist, ist es natürlich, daß die Meinungen herber und schärfer sich aussprechen und schroffer sich gegenübertreten, als da, wo die Zensur der freien Besprechung den Zügel anlegt und schon dadurch zu gemäßigteren Ausdrücken zwingt. Korresp. dieser Harmonie humaner Stimmen nicht einen Mißton zu vernehmen, sogar Pfefsinger that, was er eigentlich immer thut — er schwieg; seine Beredtsamkeit hat er nämlich nur ein einziges Mal entwickelt, beim vorigen Landtag bei Gelegenheit der Judenfrage und, der Wahrheit ihr Recht, ein tiefes und gründliches Studium Eisenmengers et Konsorten ließ sich ihm da nicht absprechen. Am Schluffe der Debatte, wenn Einstimmigkeit der Aussprüche anders so genannt werden kann, stellte Dekan Bauer die freundliche Bitte an die königliche Regierung, mitzutheilen, wie weit sie in der am vorigen Landtag zugesicherten Erwägung dieser Angelegenheit vorangeschritten sei? Ihm wurde durch den königl. Kommissär, Oberstudienrath Neumeyer, die Erklärung: „Im Vollzug des letzten Landtagsabschiedes sind die sämmtlichen königl. Regierungen zum Gutachten aufgesordert worden über die vorliegende Frage. Wenn diese eingebracht sind und dadurch das erforderliche Material hergestellt ist, so wird auch dieser Angelegenheit jene besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, die sie als Zeitfrage in Anspruch nimmt." Und gewiß von der anerkannten Humanität und Liberalität unseres gegenwärtigen erleuchteten Ministeriums läßt sich nur die befriedigendste Lösung dieser Frage hoffen. Auch sind, Referent hat es aus guter Quelle, von den betreffenden königl. Regierungen bereits Anstalten zur Beantwortung jener Frage getroffen. Hoffen wir das Beste vom nächsten Landtag. — H. H. Oesterreich. Pesth, 16. November. (Privatmitth.) Ich übersende Eurer Ehrwürden hiermit die Kopie eines Schreibens des papaer israelitischen Vorstandes an das hiesige israelitische Verwaltungskomite, woraus die geehrten Leser Ihres vielverbreiteten Blattes die Bestrebungen der Vorstände zweier ersten Gemeinden Ungarns ersehen — und Wege und Mittel kennen lernen werden, welche man in Ungarn benützt — und zu benützen sich bemüssiget sieht.— Was das pesther Zirkularschreiben betrifft, nennen es Viele darum ein verunglücktes, weil daraus erstens ein Sich selb stausgeben hervorleuchtet, welches als Bescheidenheit gelten sollte. Das Verzichten auf Emanzipation, das

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