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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-22 · Heft 48 (22.11.1847) · p. Seite 710

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 48 (22.11.1847)
Date
1847-11-22
Page
Seite 710 (sequence 10)
Language
German
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710 tes ist jeder noch so kleine Fund ein Goldkörnchen, eine Perle, die bei richtiger Behandlung werthvoll, ja unschätzbar wird. — Für den Bibliograph, Alterthumsforscher, Geschichtsschreiber und Kritiker enthalt der Katalog neue Quellen, die noch nicht erschöpft und ausgebeutet sind. Allein nicht blos dem Fachgelehrten sind darin reiche Hilfsmittel gegeben, kein Freund jüdischer Wissenschaft wird ihn unbefriedigt aus der Hand legen, da er, ungerechnet des Interessanten mancher Auszüge und neuer Resultate, die Ueberzeugung gewährt, daß unsere Altvodern keinen Zweig menschlichen Wissens unbebaut ließen und daß wir überall schöne Denkmäler aufzuweisen haben, die sich den gepriesenen Geistesprodukten jener Zeit würdig anreihen. „Auch die Bücher haben ihr eigenes Schicksal", sagt ein körniges Sprichwort*) und wahrlich nicht immer sind es die Werthvollsten, die im Drucke erscheinen oder die meisten Ausgaben erlebten. Groß ist die Zahl der Werke, deren Namen sich blos erhalten und im Drange der Zeiten verloren gingen; nicht minder groß ist aber auch die Zahl derjenigen, die noch nicht das Tageslicht erblickten und in Bibliotheken verschollen liegen. Es ist darum gewiß was in dieser Hinsicht geschieht höchst dankenswerth und verdient die größte Aufmunterung und Unterstützung, denn es ist wahres: w-'nni DTittn 02 ‘pwia non. — Es war eben darum ein solcher Katalog vorzüglich für die Gelehrten in Oesterreich ein längst gefühltes Bedürfniß, da die Schätze der Hosbibliothek aus Mangel an Bekanntschaft ihres Inhalts bisher sehr wenig noch benutzt wurden, selbst wo sie so reiche Hilfsmittel an die Hand gab, z. B. bei den neuen oft veranstaltete Ausgaben nachfolgender Werke: der Targumkm, Machsorim, der Tofephta, des Aruch, Jad Hachasaka, Raschi u. s. w., wovon sich alles seltene und alte Handschriften vorfinden. Es ist dies eine nicht genug zu beachtende Pflicht aller hebräischen Druckereien, besonders der thatigen Schmidsch en Verlagshandlung, die genannten Werke mehrmals edirte, ohne gar je von den Manuskripten Notiz zu nehmen, da ihr hierin der gelehrte Heidenhenheim durch seine kritische Ausgabe der Machsorim, Mendelssohn in seinem Netibot Ha-Schalom, hauptsächlich für Raschi und Raschbam (viile Vorrede), die Alle die ihnen nur zugänglichen Handschriften benützten, mit dem lobenswer- *) Et sua fata habent libelli. Man vergleiche hierzu den rabbinischen Spruch: noo ib^oa bwo *nbn boN .bona« min then Beispiel vorangingen, und wobei sie nicht hätte sollen stehen bleiben. Doch wieder zu unserm Katologe zurückkehrend will ich nur noch, um dem geehrten Leser von dessen Reichhaltigkeit Etwas zu bieten, auf einige der kostbarsten und seltensten Manuskripte Hinweisen und daran einige Bemerkungen knüpfen. Was die reiche Sammlung der heiligen Schrift betrifft, die schon längst hinlänglich von De Rosst und Kennicott besprochen und für die Textkritik und Variantensammlung benützt wurde, so ist besonders No. 3, die Propheten und Hagiographen enthaltend, merkwürdig, die zu den ältesten Bibelkodizes gehören und aus dem 10. Jahrhundert, der Periode der Gaonim, herstammen soll. — Aus den Bibelkommentaren heben wir als höchst beachtenswerth hervor, außer den Genannten von Raschi, in mehreren Exemplaren, und Jbn Esra, die sogenannten nninin b2 moom und an n»s von R. Jizchak Hatewi, Glossensammlungen von verschiedenen Autoren aus dem 12. Jahrhundert, der Epoche der Tosaphisten, und endlich min nno, den berühmten, zum Theil von Kosegarten, libri corona legis, herausgegebenen karattischen Kommentar von Ahron ben Eliahu aus Nikodemien. Für Talmud und Midrasch ist nichts Wichtiges als ein Fragment aus dem Seder Olam, ein vollständiges Exemplar der Tofephta und moa “’pno. Die Bemerkungen über Abot und die Tosephta tragen offenbar das Gepräge der größten Flüchtigkeit an sich. Schon der Anfang lautet ganz unrichtig: „Die Sprüche bilden den 10. Traktat der 4. Ordnung, Nesikim, des babylonischen Talmuds." (sie!) — „Die Autorschaft," heißt es weiter, „wird öfters (von wem??) dem R. Nathan aus Babylonien zugeschrieben," u. s. w.—Warum verwirren sich die Verfasser in solche Jrrgänge, da doch allbekannt die Redaktion der Mischna und somit auch des Traktats Abot, dem R. Jehuda Hanasst und seiner Schute zugehört, blos der 6. Abschnitt ist eine Boraita und führt auch den entsprechenden Namen : nmn •ppn ,moan amno. Ferner heißt es: „Das 6. Kapitel ist aber von R. Mett, dem berühmten Nebenbuhler des Nasi R. Simon ben Gamliel u. s. w."?? — Ebenso werden S. 44 die rrnaiö» nnop na bw mb*™ mit der Tofephta verwechselt, die zwar gleicher Tendenz aber nicht identisch und längst schon verloren sind. Auch die Worte: Groß sind die Werke R. Chia's, haben auf einen ganz andern Gegenstand Bezug als auf die Redaktion der Boraita! (stehe Zunz g. V. d. I. S. 50 und 106.) — Bei den tal-

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