Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 48 (22.11.1847)
- Date
- 1847-11-22
- Page
- Seite 706 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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706 Stütze hatte. Doch in Einem, was nicht Noth that, sondern eine Noth für den Charaktervollen war, herrschte und herrscht noch Progression: im vielen Lärmmachen um Nichts. Wenn in einer kaum außerhalb ihres Kreises bekannten Gemeinde ein Rabbiner eingesetzt wurde und ein Landgerichtskommissär vorschriftsmäßig den Geistlichen verpflichtete, da wurde diese Installation in politischen Blättern ein Ereigniß (!) genannt und Alles was bei diesem Akte stattfand zum Ekel gelobhudelt, wie dies in dem durch seine bestechlichen Wahlmänner berüchtigten Welbhausen im Kreise Mittelsranken geschehen. So ferner starb unlängst in Beiersdorf der 80jährige Rabbiner Dispecker; der dortige Rabbinatskandidat und Vorsänger Kohn hielt eine Trauerrede in der Synagoge, welche fast 28 Minuten währte und welcher außer dem würdigen Landgerichtsvorstande vielleicht noch sechs Neugierige aus der christlichen Gemeinde anwohnten, und siehe da! der Kultusvorstand (d. h. das erste Mitglied, denn die übrigen wußten Nichts davon) macht in dem Korrespondenten von und für Deutschland über diese Feierlichkeit beinahe mehr Worte, als der Prediger und hebt die Theilnahme der christlichen Einwohner rühmend hervor! Wozu solche Schmeicheleien und Kriechereien? Setzen sie den Israeliten nicht herab in den Augen des christlichen Publikums? Jst's nicht Schade für die Znsertionsgebühren? — Indessen es wird auch Hierlands wieder besser und lichter werden, obwol der gewaltige Druck, welcher jeden Aufschwung niederhielt, die frühere Strebsamkeit nach Aufklärung bei und in Vielen zurückgedrängt hat. — Man giebt sich mit Recht der Hoffnung hin, daß in zwei Punkten unsere Verhältnisse sich schönergestaltenwerden: im bürgerlichen und religiösen Leben, daß dort Erleichterung, hier Erleuchtung erfolgen werde. Zwar ist die Erwartung, daß einige jüdische Juristen die Ausübung der Advokatur erhalten werden, getäuscht worden. Denn obwol kein Gesetz dem entgegensteht, obwol der Justizminister die Petition einiger jüdischen Rechtskandidaten günstig begutachtet haben soll: so ist doch die Erfüllung dieses Wunsches, die Gewährung dieses Rechtes an einem höhern Willen gescheitert. Dagegen können wir die freudige Nachricht bringen, daß ein Jude, Di-. Herz aus Baireuth, an der Universität Erlangen zum Prosektor ernannt wurde. Die dortige medizinische Fakultät und der Senat haben einstimmig Herz, welcher sich eines ausgezeichneten Rufes als gelehrter und praktischer Arzt erfreuet, für die Stelle vorgeschlagen. Es fehlte nicht an einer Opposition, welche aus christlicher Frömmigkeit einen Mann dieses Bekenntnisses aus diese Stelle bringen wollte; doch der Kultusminister und der Referent, ein Oberstudienrath, ließen sich nicht irre machen. Zwar ist diese Stelle kein Staatsdienst, denn einen Solchen kann zur Zeit bei uns der Jude verfassungsmäßig nicht bekleiden; aber es ist doch das Recht eines Privatdozenten damit verbunden und so haben wir denn in Do. Herz auch den ersten jüdischen Dozenten an einer baierschen Universität zu begrüßen. Unter dem Ministerium Abel wäre uns diese Freude nicht zu Theil geworden; aber Zu-Rhein ist ein humaner, erleuchteter und kräftiger Minister. — Während bei dem vorigen Landtage aus allen Kreisen von den Israeliten Petitionen an die Kammer der Abgeordneten eingereicht wurden, hat diesmal nur die Münchner Gemeinde sich bittend an die Kammer gewendet. Diese Bittschrift wurde bereits von mehreren Rednern der Kammer dem Ministerium empfohlen. Der Ministerialkommissär erwiderte, daß vorerst die Berichte der Kreisregierungen abzuwarten seien, bis ein neues Judengesetz vorgelegt werden könne. Wir hoffen, daß das jetzige Ministerium dem gerechten Wunsche der Israeliten und dem Gutachten der Kammer nicht mehr so feindlich entgegentreten werde, als das abgetretene, wennschon die Verbesserung unsrer Lage sich auf das Aufheben der schmählichsten Exzeptionsgesetze in dem bürgerlichen Leben beschränken wird. — Von den Juden in Unterfranken wurden zur Förderung der jüdischen Angelegenheiten Rabbiner Dr. Adler zuKissingen und Dr. zur. Meiersohn nach München geschickt. Der Rabbiner Bamberger zu Würzburg erklärte, er und seine Partei würden an dieser Gesandtschaft sich bethciligen, d. h. zur Aufbringung der Kosten beitragen, wenn Adler nicht nach München geschickt würde. Man ließ sich jedoch nicht irre machen. — Wenn neuerdings im Zionswächter oei Aufzählung der Siegcstrophäen auf Seiten der Ultraorthodoxie pm ■’.'in V>«) auch darüber triumphirt wird, daß bis dato den baierschen Rabbinen keine Erlaubniß zum Besuche der Rabbinerversammlung ertheilt wurde: so finden wir das sehr natürlich, da wir versichern können, daß bis heute kein Rabbiner noch darum nachgesucht hat. Wol hat Rabbiner Dr. Aub zu Baircuth unter dem vorigen Ministerium zweimal um