Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-15 · Heft 47 (15.11.1847) · p. Seite 695

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 47 (15.11.1847)
Date
1847-11-15
Page
Seite 695 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225545--08985-3239830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

695 tatton*), um Sr. k. Hoheit ihre ergebenste Aufwartung zu machen. Diese wurde von Sr. k. Hoheit — die auch das überreichte Exemplar der allerhöchsten Orts genehmigten Vereinsstatuten anzunehmen gerührten — sehr freundlich empfangen und mit den schönsten Versprechungen entlassen, nachdem der k. Statthalter sich die Deputationsmitglieder einzeln vorstellen lassen und über die innere Einrichtung und äußere Wirksamkeit des Vereins mehrere Fragen an diese gerichtet hatte.... Eine bedeutende Erscheinung jedoch — auf die wir die ungarische Judenheit im Voraus aufmerksam machen wollen — ist der auf 1848 erscheinende: Elsö magyar-zsidö naptar cs Evkönyo zsidök cs zsidö-baratok szamära. (Erster ungarisch-jüdischer Kalender und Jahrbuch für Juden und Judenfrcunde). Herausgeber ist der obgenannte Verein. Redaktion ein von diesem hierzu ernanntes Komitö. Abgesehen davon, daß dieses Jahrbuch gewissermaßen die erste größere Repräsentation des Juden in der ungarischen Literatur ist, verspricht es auch an und für sich recht interessant zu werden. Es enthält z. SB.: Rückblick (die Verhältnisse der ungarischen Juden seit 1840) von Rabbinatskandidat Einhorn; zur Statistik der Juden Ungarns (ein sehr gründlich gearbeiteter Artikel) von Dr. Pollak; über jüdische Erziehung in Ungarn von Dr. Rosenfeld; der „israelitisch-ungarische Verein" von Di osy; SBiographie Chorin's von Reich; Novelle und Gedichte von Szegfy; die Judensrage und die Presse in Ungarn von mir; der „Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den Israeliten von Dr. Schlesinger u. s. w. u. s. w. Ich glaube, daß dieses Jahrbuch — da es viel Faktisches enthält — auch am Landtag gute Dienste leisten und vortrefflich dazu geeignet sein dürste, viele Einwürfe, die noch immer gegen die Emanzipation vorgebracht werden, thatsächlich zu widerlegen. So heißt es z. SB. noch immer: der Jude wolle keine Handwerke betreiben. Wie grundfalsch diese Anklage, zeigt wol am SBesten der letztgenannte Artikel unseres Jahrbuches. Der dort beschriebene Verein hat es sich nämlich zur Aufgabe gestellt: jüdische Kinder dem Handwerke zuzuführen, andererseits ihnen die noch *) Diese bestand aus den HH. DD. Jakobovits, R osenfeld, Finaly und P ollak, Großhändler Boskovitz, Blas und Jetinger, ferner Diosy, Literat, Rosenzweig, öffentlicher Lehrer und Einhorn, Rabbinatskandidat. immer sehr schwierige Aufnahme bei christlichen Meistern als Lehrlinge, die Freisprechung als Gesellen, die Erwerbung des Meisterrechts u. s. w. zu erleichtern. Der Verein besteht erst seit 4 Jahren und sind bereits von seinen Schützlingen als Gesellen freigesprochen: 2 Faßbinder, 4 SBäcker, 1 SBildhauer, 3 Schlosser, 2 Schmiede, 2 Sattler, 1 Schuster, 3 Schuhmacher,!> Tischler, 4 Wagenschmiede, 2 Maschinisten, 1 Seifensieder, 1 Töpfer und 2 Riemer. Lehrlinge sind gegenwärtig: 3 Faßbinder, 5 SBäcker, 1 SBildhauer, 1 Töpfer, 2 Riemer, 7 Sattler, 8 Schlosser, 2 Schuster, 12 Schuhmacher, 3 Schmiede, 14 Tischler, 6 Wagenschmiede, 2 Grobschmiede, 1 Drechsler, 1 Maschinist, 1 Seifensieder, 1 Goldschmied, 1 Seidenweber, 1 Uhrmacher und 2 Glaser. Und hiebei muß noch in Betracht gezogen werden, daß die Geldmittel des Vereins bisher sehr schwach und er darum seine Wirksamkeit auf Pesth beschränkt.... Zum Schluß noch eine erfreuliche Nachricht. Sie wissen wol wie oft schon Ihre ungarischen Korrespondenten, unter diesen auch meine Wenigkeit, bittere Klage führen über die Zwistigkeiten, die in so vielen Gemeinden wegen der kleinsten Kultusreformen entstehen und alle Bildung und allen Fortschritt im Keime erdrücken. Um so erfreulicher und lobenswerther ist das Beispiel der Gemeinde, welche die von der Zeit gebotene Reform friedlich und in schönster Eintracht vollführte: es ist die ofener. Vergangene Woche nämlich vereinigte sich die Gemeinde mit dem Kultusverein dahin, daß Erstere den Choralgesang so wie andere damit verbundene moderne Einrichtungen in die alte Gemeindesynagoge aufnimmt und sämmtliche Gemeindemitglieder durch Unterschrift sich verpflichten, den Chor u. s. w. fernerhin auf Gemeindekosten zu erhalten. Ein Schritt, um so auffallender, da man hier in Pesth schon jahrelang sich bemühet und auch vorgestern eine Generalsitzung abgehalten wurde, um diese Vereinigung zu Wege zu bringen, und — fruchtlos. Gebe Gott, daß das edle Beispiel Ofens zahlreiche Nachahmung finde in den ungarischen Gemeinden und die spärlichen Geisteskräfte nicht ewig in Zank und Hader sich aufreiben. Vorgestern am Sabbat (23. d. M.) wurde bereits in der alten Synagoge der erste Gottesdienst mit Choralbegleitung abgehalten und — auf die schmeichelhafte Aufforderung der ehrsamen Gemeinde — mit einer Predigt feierlich eingeleitet von Ihrem ergebensten J. Ehn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.