Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1847)
- Date
- 1847-11-15
- Page
- Seite 693 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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693 ten. Dieser Paragraph wird nun mit äußerster Strenge jetzt in Vollzug gebracht; Kommis, Lehrlinge rc. werden peremtorisch aus dem Lande verwiesen. Wer nur die doppelte Eigenschaft hat, Jude zu sein und Deutscher zugleich, wird, wenn er nicht auch Preuße ist, abgeschafft. Ja, noch mehr, selbst eine Kategorie, die bis jetzt niemals dahin gezählt worden ist, die im Gesetze, wo Me aufgezählt werden, nicht vorkommt, die Schüler, zieht man hinein, und ich habe den Befehl an eine Erziehungsanstalt gesehen, die „ausländischen, jüdischen Schüler" fortzusenden — das Ausland beginnt aber nicht an der französischen, sondern an der anhalt-bernburgischen Grenze. Preußen und Bernburg leben im tiefsten Frieden, aber bernburgische Kinder sollen das Gymnasium in Preußen nicht besuchen, weil sie zugleich Juden sind. Wer weiß, ob dies nicht auch auf Universitäten ausgedehnt wird, und die bernburger Juden müssen dann auf der bernburgischen Universität studiren. Allerdings haben die inländischen Juden die größte Beschwerde davon, denn wer in den Grenzdistrikten wohnt, kann des Verkehrs mit den Nachbaren gar nicht entbehren, und sieht sich in tausend Dingen gehemmt. Diese erste Frucht unsrer neuen Emanzipation ist daher etwas bitter.- Was die eben erwähnte Freizügigkeit betrifft, so erwartet man viele, daraus hervorgehende Veränderungen. Die Gestalt der Gemeinden wird sich dadurch sehr verändern. Wir Juden haben bekanntlich die Wanderlust im Ganzen noch nicht abgelegt, und bestimmen uns zur Veränderung des Wohnortes leichter. Insbesondere werden die kleineren Gemeinden überall sehr leiden, da in unsrer Zeit das Drängen, nach den größeren Städten zu ziehen, vorherrschend ist. So wie nun die Provinzialhauptstädte ihr Kontingent jährlich nach Berlin abgeben, so werden jene ihren Sukkurs aus den kleinen Gemeinden holen. Viele dieser Letzteren werden mit der Zeit dadurch in die übelste Lage kommen. Denn es kommt hierzu, daß es nicht allein die ganz armen Familien, sondern noch vielmehr die begüterten sind und sein werden, die nach den größeren Orten ziehen — da sich jetzt Kapitalien in großen Orten besser umsetzen, als in kleineren, in welcher Art es sei. Aus Westphalen, 4. Nov. (Eingesandt.)*) *) Hierbei habe die Sache ihr Bewenden. Red. In No. 43 der Allg. Zeit, des Jud. eifert Herr B. Ising aus Bielefeld gegen den Verfasser der in No. 38 gegebenen Miszellen, indem er den Missionar Kalthoff in Schutz nimmt, den er in der Kirche (nicht Synagoge) gehört hat, Liebe predigend zu Israel. Wir, die wir Herrn Kalthoff nicht kennen, kennen übrigens das Treiben der Herren Missionäre und glauben, daß es hier wol mit Recht heißt: «bi '‘jJtpwa Nb Daß Herr I. übrigens den Herrn Kalthoff in der Kirche und nicht in der Synagoge gehört hat, liegt wol darin, daß Letzterer wol nicht darin als Prediger zugelassen wird, und endlich, daß Ersterer die Synagoge gar nicht besucht, sonst würde er auch wol dort Liebe gegen alle Menschen predigen hören. Gottlob ist Herr Ising bis jetzt der einzige Jude in Westphalen, der durch das Bearbeiten der Missionsreisenden dahin gebracht ist, daß er bis auf einen Einzigen seine sämmtlichen Kinder hat taufen lassen und hoffentlich wird er der Einzige bleiben. ... v. Oesterreich. Zirlu—Ggerszeft, 29. September. (Privatmitth.) Warum in Ihrem geschätzten Blatte unsrer Gemeinde noch nicht Erwähnung geschah? — Ich weiß es nicht. Jedenfalls ist es von den Korrespondenten, welche Sie in unsrer Nachbarschaft haben, unbillig, unsere bescheidenen Bestrebungen mit Stillschweigen zu übergehen. Unsre Gemeinde zählt ungefähr 400 Seelen. Vor einigen Monaten haben wir den Bau einer netten Synagoge vollendet, und in dieselbe den Choralgottesdienst eingeführt, was hier zu Lande als ein sehr bedeutender, zu den Seltenheiten gehörender Fortschritt zu betrachten ist. Unsre Jugend ist von dem besten Geiste beseelt, und der Vorstand voll Eifers, die gute Sache zu fördern. — Gestern war der Erzherzog-Statthalter in unsrer Mitte. Unsre Gemeinde vereinigte sich mit der Schwestergcmeinde zu P:>pa, um Sr. kaiserl. Hoheit die Gefühle der Huldigung und Ergebenheit auszudrücken, und ihm unsere bürgerlichen Angelegenheiten zu empfehlen. Auf die wohlgesetzte, in Gegenwart der Stande unsres löblichen Komitates gehaltene Rede unsres Wortführers (Rabbiner Löw) antwortete der edle Statthalter unter Anderm: Er stehe gut dafür, daß Se. Majestät seine jüdischen Unterthanen nicht vergessen werde.