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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-08 · Heft 46 (8.11.1847) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 46 (8.11.1847)
Date
1847-11-08
Page
Seite 683 (sequence 11)
Language
German
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683 wenn der neue Rabbine zu Calassa-Gyarmath (neograder Komitat) vor einigen Monaten in seiner Antritts-Derascha seine Gemeinde dringend ermahnte und beschwor, das „Deffau-Chumesch" aus den Häusern zu verbannen, so hat er dies im Geiste der überwiegenden Mehrheit der ungarischen Rabbinen gethan. Und wenn unser Rabbiner vor Kurzem dem in Palosa (weßprimer Komitat) aufgenommenen Rabbinatskandidaten Peter Singer das Rabbinatsdiplom verweigerte, so hatte er zwar nicht deshalb Recht, weil dieser Singer als Student am Sabbate das Licht geputzt haben soll, — denn das dürfte schwer zu begreifen sein, — aber er hatte aus dem einfachen Grunde Recht, den Aspiranten zurückzuweisen, weil ja dieser studirt hat, und daher mit Talmud und Rabbinen unmöglich auf gutem Fuße stehen kann; ob er auch hundertmal betheuert, daß er gegen Löw in den Zionswächter geschrieben! Ja, selbst Leopold Schick, der ja niemals öffentlich studirte, besitzt noch immer Bildung genug, um von dem palosaer Rabbinate zurückgcdrängt zu werden.... Und nun ist es wol Zeit meine lange Epistel zu schließen. Ich glaube meinem Versprechen Genüge geleistet, und die Tendenzen unsrer Mützenpartei als ihr treuer Anwalt nach Gebühr gewürdigt zu haben. Schriebe ich meinen Namen unter diesen Brief, — dem ich nächstens einige nothwendige Ergänzungen nachzusenden beabsichtige, — so würde unser Beth-Din mein Haupt sicherlich mit einer Morenu bekränzen. Aber ich bilde mir sogar ein, mit meinen Briefen selbst Ihren deutschen Lesern keinen unwillkommenen Dienst zu leisten. Denn in einer Zeit, wo die geistigen Richtungen so bunt durcheinander gehen, und in Folge der vielfachsten Kreuzung der Racen beinahe keine Art mehr existirt, muß es ja einen guten Eindruck machen, einmal wieder einer unvermischten Farbe, einer entschiedenen Richtung, wie eine Solche von unseren Orthodoxen verfolgt wird, zu begegnen. Die Gutgesinnten in Ungarn endlich mögen aus dem Gesagten lernen, daß die Rabbinen nicht den „Kultus", sondern die Kultur unterdrücken wollen, und daß mithin bei uns jeder Freund menschlicher Zivilisation sich mit ganzer Seele der Reformpartei anschließen müsse, um eine bessere Erziehung, eine vernünftige Gemeinde- Verfassung, eine zeitgemäßes Rabbinatwesm herbeizusühren. Korrespondenzen. New-York, 14. Mai 1847. Russisch-jüdische Skizzen. (Fortsetzung.) Aus dieser Angabe der Erwerbszweige und Beschäftigungen der russischen Juden ersieht man leicht, daß die Juden kein so sehr dem Müßiggänge ergebenes Volk sind, als die ihnen feindlichen Anklagen lauten, und daß Letztere sich beim Regierungsantritte Nikolai's vorzüglich nur auf zwei Punkte beschränken konnten: a) Warum die Juden nicht den Ackerbau treiben? b) warum sie sich nicht auch den Studien ergeben, und Alles nur dem Handel sich ergiebt? Um die Uebersicht der Erwerbszweige hier vollständig zu geben, antlzipiren wir die Ordnung, in der die jüdisch-russischen Gesetze erschienen, und behandeln die genannten Anklagen. Es sind dieselben, die man in Deutschland gegen die Juden vorbrachte, nur mit dem Unterschiede, daß man in Rußland den Juden die Vernachlässigung der Handwerke nicht vorwersen konnte. Den Ackerbau hatten sie aber nicht betrieben, weil sie als der eigentliche Mittelstand auf den Handel angewiesen waren, und ferner weit sie sich fürchteten, denselben zu betreiben, damit sie nicht in die Klaffe der Sklaven kämen. Das Gesetz vom Jahre 1835 wies die Juden auf den Ackerbau hin, und versprach allen denen, die denselben ergreifen würden, fünfundzwanzigjährige Befreiung von der Militärpflichtigkeit; den reichen Juden, die jüdische Ackerbaukolonien begründen würden, das persönliche oder erbliche Ehrenbürgerrecht. Es ist bekannt, daß ganze Schaaren von Juden nach Sibirien sich aufmachten, um dort Kolonieen zu gründen; daß der alte Finanzministec GrafCancrin das Vorhaben aus allen Kräften unterstützte und es auf's Dringendste dem Kaiser empfahl; daß der Kaiser aber dennoch im Jahre 1837 anbefahl, das Unternehmen aufzugeben; denn sogar jüdische Verbrecher, die in Sibirien ihre Strafzeit erstanden haben, müssen nach Ablauf derselben dasselbe wieder verlassen und in ihre Heimath zurückkehren, wenn sie ihr Unglück auch dort vor Augen sähen und in Sibirien, das im Süden ein reiches, herrliches Land ist, sich auch ganz glücklich fühlen. Es war Letzteres der Fall, als der Thronfolger Sibirien besuchte, und alle diejenigen Verwiesenen pardonirte, deren Strafzeit bald

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