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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-08 · Heft 46 (8.11.1847) · p. Seite 682

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 46 (8.11.1847)
Date
1847-11-08
Page
Seite 682 (sequence 10)
Language
German
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682 mediateingabe zu Gunsten der totalen Unwissenheit der Rabbincn ist aber um so nothwendiger, als bereits mehre Komitate, wie Zirla, Raab, Weßprim und andere auf philosophisch gebildete Rabbinen angetragen haben, und gegründete Aussicht vorhanden ist, daß die Regierung eine Maßregel, die in Böhmen, Mähren und Gallizien in Wirksamkeit ist, auch auf Ungarn ausdehnen werde. Geschieht aber dies, so können wir's noch erleben, daß ein ungarischer Rabbiner unter dem Deckmantel des Konservatismus die Worte der Poskim willkürlich verwerfen, die Redaktion des Talmuds verunglückt nennen, oder gar mit dem konservativen Rapoport die hochwichtigen, heiligen Verhandlungen Abaja's und Raba's als Spitzfindigkeiten bezeichnen werde! Rapoport hat seit einigen Jahren Manches geschrieben und gethan, um seine „altneuschüler" Orthodoxen zu gewinnen; er weigerte sich, die Trauungen in der Synagoge vorzunehmen, Reis und Hülsenfrüchte am Pesach zu gestatten, einen Dispens zu einer Trauung in den „drei Wochen" zu ertheilen; auch hat dies viel dazu beigetragen, ihn den Präger Orthodoxen näher zu bringen: unsere ungarische Orthodoxie läßt sich jedoch durch derlei Demonstrationen nicht irre machen. Ihr rechtgläubiger Instinkt sagt unseren „Frommen" ganz richtig, wer Vertrauen und wer Mißtrauen verdiene. Als daher einige kleinere Rabbinen, die auf ihren Bettelreisen Prag zu berühren pflegen, den Vorschlag machten, Rapoport zu dem Beitritte zu den 77 (?":•) aufzufordern, wurden sie von unserm Beth-Din und den übrigen Wortführern mit Indignation zurückgewiesen. Und welcher Unbefangene könnte ihnen hierin Unrecht geben? — Schon der Umstand, daß Rapoport mit Keinem von den Häuptern der Orthodoxie in Berührung gekommen, und daß er dagegen mit den entschiedensten Antirabbaniten: Jost, Zunz, Reggio, Luzatto, Krachmal fraternisirte, ist verdächtigend genug, um ihm jedes talmudisch fühlende Herz zu entfremden. Und ein tieferer Blick in Rapoports literärische Arbeiten ist durchaus nicht geeignet, diesen Verdacht zu entkräften. Zunächst ist die Tendenz der Biographien, durch welche Rapoport seinen literärischen Ruhm begründete, eine antirabbinische. Denn ob es auch der scharfsinnige Kritiker, der den Fleiß und die Kombinationen, aber auch die Hypothesenjagd des Pilpulism auf das Gebiet der Literaturgeschichte und Alterthumskunde übertragen, ausspricht, und so wenig es seine Umschreiber hervorheben, so kann es doch keinem aufmerksamen Leser entgehen, daß Rapoport durch seine Forschungen den Chassidism in seiner Provinz von wissenschaftlichem Standpunkte bekämpfen, und so zu sagen mit der Wurzel ausrotten wollte. Darum betont er es mit besonderm Nachdrucke, daß die Geonim vor S ch eri ra (965—998) die Kabbala gar nicht kannten, und daß selbst Scherira und seinem Sohne Hai (987—1038) der Mystizism fremd war, welcher seit 1293 durch den unterschobenen Sohar und die späteren Kabbalisten „mit den Schlacken des orien- „talischen und spanischen Aberglaubens vermischt" so sehr entartet ist, daß daran die ersten, einfachen Elemente nicht mehr zu erkennen sind. Schon durch diese Auseinandersetzung, welche R. in allen seinen Biographien verfolgt und mit kritischer Genauigkeit begründet, kommt er mit dem Rabbinism in bedeutende Kollision. Und was würden erst unsere Rabbiner sagen, wenn sie R.'s Schriften läsen, und finden würden, wie er den Rationalism preist, die Kritik der Gebete behandelt, die talmudischen Wundergeschichten leugnet, das Tekufa-Verfahren und das Dasein der Schedim im Widerspruche mit dem Talmud und dem Schulchan-Aruch als Aberglauben verwirft, die gefährliche Lehre von dem Fortschritte der Zeiten und Geschlechter sogar in der Mischna zu finden glaubt, und Mendelssohn, den von Soser mit Recht so sehr verpönten Mendelssohn, einen göttlichen Forscher nennt! Machen wir uns also keine Illusionen von einem herzustellenden Frieden zwischen Talmud und europäischer Bildung und geben wir vielmehr der Einsicht unsers tiefblickenden sel. Rabbiners die Ehre, daß er die drohenden Gefahren richtig erkannte, und daß er daher bei Verfolgung der deutsch lesenden Bachurim in seinem vollen Rechte war. Ihm war es klar, daß man der modernen Bildung nicht einmal den kleinen Finger bieten dürfe, weil sie sonst die Hand, den Arm, ja den ganzen Leib ergreift! Auch ist es nicht in Abrede zu stellen, daß der Selige schwer zu vertilgende Spuren seiner dreißigjährigen Wirksamkeit in unsrer Mitte zurückgelassen. Einige Tausend Schüler, darunter mindestens dreihundert Rabbinen, Letztere durchaus des Lesens und Schreibens unkundig, sind unablässig bemüht, jede Aussaat von Bildung im Keime zu unterdrücken; und

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