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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-08 · Heft 46 (8.11.1847) · p. Seite 680

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 46 (8.11.1847)
Date
1847-11-08
Page
Seite 680 (sequence 8)
Language
German
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680 bleibt. — Die Reformgenossenschaft hat abermals den Beweis erlangt, daß — sie keinen Boden in der Judenheit zu gewinnen verstanden hat. Sie hat abermals, wie vor zwei Jahren, eine Synode ausgeschrieben, und siehe da — es ist abermals Niemand gekommen. Doch nein! daß ich der Wahrheit treu bleibe: aus allen Gauen Deutschlands sind — sechs gekommen. Diese sechs sind: Hellwitz aus Soest, Berliner aus Züly, vr. Salomon, Dr. Heß, zwei Abgeordnete der Gemeinde zu Köslin und noch Einer, den ich im Augenblick nicht kenne. Sie sehen also, daß von „Genossenschaften" keine Spur, wenn man nicht die Kösliner ausnehmen will. Denn alle diese anderen Herren stehen nur für ihre eigene Person ein. Salomon vertritt gerade die Hamburger, wie Heß die Eisenacher. Zu diesen 6 Herren traten 9 Deputirte der Berliner, und diese 15 wollen „die jüdische Religion der Zukunft" machen. Nun, daran könnte sie Niemand hindern. Aber sie halten ihre Sitzungen öffentlich. Auch das konnten sie mit gutem Recht. Aber sie haben Jedermann das Recht gegeben mitzusprechen — und wenn die Berliner hören, es giebt etwas zu sprechen und zu hören: so laufen sie hin. Da saßen nun 15 Richter, welche über das Sein oder Nichtsein des Judenthums, über Sein oder Nichtsein der Offenbarung, der Torat Mosche, des Sabbats, der Beschneidung, der Speisegesetze, des Jom Kippur rc. rc. abstimmen und entscheiden sollten. Zu ihren Füßen saß eine Menge, die zum Disputiren gekommen, und wo namentlich Bruno Bauer stark vertreten war; doch fanden sich auch einige Missionäre ein. So wurde mehrere Tage über „Offenbarung" disputirt, und reise und unreife Ansichten aus einem großen Korbe über den Haufen geschüttet. Einige 20 Amendements wurden eingercicht, und nun werden die 15 Richter zu Stuhle sitzen, welches Amendement am Meisten, d. h. — gar Nichts sagt. Man wird dann in den Zeitungen großen Lärm schlagen, aber der Erfolg muß sein, daß die Genossenschaft bei allen wahrhaft Religiösen durch diese Thorheit ihren letzten Kredit verliert. Oesterreich. Aus Mähren, 22. Oktober. (Privatmitth.) lieber die mährischen Zustände und die Thätigkeit Hirsch's werde ich Ihnen bald einen Detailbericht zukommen lassen. Allgemein wird es getadelt, daß Herr Hirsch in seinem Schreiben an die mährischen Gemeinden eine so hierarchische und diktatorische Sprache führt, die wol für die Duodezgemeinden im Hannöverschen am rechten Orte sein konnte, aber für große und gebildete Gemeinden wie Proßnitz, Boskowitz, Leipnik, Eibenschitz u. s. w., von denen die kleinste gegen 200 Familien zählt, sehr unpassend ist. Bei solchen Gemeinden ist die Frage, ob die Mikwa rc. in Ordnung ist, höchst lächerlich, da an deren Spitze Rabbiner wie Fasse! u. s. w. stehen! — Die armen Orthodoxen werden häufig so betrogen; sie klammern sich an Namen, deren wirkliche Bedeutung sie kaum kennen, ihr Weihrauch steigt dann dem Herrn zu Kopfe, und der Pfaffe ist da, ehe sie es sich versahen. Preßburg, Anfang Oktober. (Ungarische Briefe. V.) Wenn schon Hirsch's Schriften zeigen, daß er mit dem Talmud und den Rabbinen ebenso gut zerfallen, wie jeder gebildete, denkende Mann; so ist dies bei dem Lieblinge der frankfurter Orthodoxie, bei Frankel in Dresden, in noch höherem Maße der Fall. Hirsch will cs wenigstens nicht Wort haben, daß er dem Rabbinism untreu geworden; er nennet den Talmud neben der Bibel als Religionsquelle, und giebt sich das Ansehen, als stellte er Beide auf gleiche Linie. Auch ist es nicht zu leugnen, daß sein Choreb, auch abgesehen von den Auszügen aus den Kasuisten, wahrhaft rabbinische Elemente enthalte. Warum läßt er — um nur ein Beispiel anzuführen — bei Aufzahlung der göttlichen Eigenschaften (Kap. 8) die Geistigkeit Gottes unerwähnt? Offenbar deshalb, weil er fühlte, daß die Auffassung Gottes als eines geistigen Wesens dem Rabbinerthum Abbruch thun, und die Zeremonien-Heiligkeit untergraben müsse. Die Gegner des Maimonides haben dies schon im dreizehnten Jahrhunderte gefühlt, und darum so verzweifelt gegen die Spiritualität Gottes angekämpft. Auch hätte diese Lehre auf die Synagoge einen wirksamem Einfluß ausgeübt, wenn dieselbe nicht von Maimuni scholastisch-dogmatisch, sondern prophetisch-ethisch geltend gemacht worden wäre. Nicht minder bezeichnend ist es für Hirsch's Standpunkt, daß er seinen Jünglingen und Jungfrauen kein Wort über die Duldung, Schonung und Achtung andersdenkender Glaubensbrüder zu sagen weiß. Ganz recht! Der Rabbnism kennt keine Duldung. Er würde seine Bannflüche

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