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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-08 · Heft 46 (8.11.1847) · p. Seite 675

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 46 (8.11.1847)
Date
1847-11-08
Page
Seite 675 (sequence 3)
Language
German
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675 Eindringen in den Geist, in die Bedeutung der Details, in ihr Verhältniß zum Ganzen; dafür mangelt ihm aller Reiz und Glanz der Darstellung. Wo er uns von dem Falle Juda's erzählt, berichtet er uns, was an Thatsache darüber zusammenzuraffen ist, aber die tieferen Ursachen dieses Falles, den Gang der Begebenheiten, der hierhin führen mußte, zeichnet er uns nicht. Ebenso wenig die Wiederherstellung und ihre Bedeutung. Die Geschichtschreibung erscheint hier als die treue Verifrkantin der uns überlieferten Fakten, als die unermüdliche Wiederherstellerin der Erscheinungen, die gewesen, aber nur in ihrem Aeußern. Die Rathsel der Vorwelt aber sucht sie nicht zu lösen, den Geist nicht zu belauschen, der darin gewaltet, und der uns einige seiner innersten Klange zuführen will. — Du weißt, daß ich hiermit nicht gerade einen Tadel über Herzfeld's Werk ausgesprochen. Ein Jeder gebe und schaffe, was seine Individualität vermag. Ist diese sonst tüchtig, so ist es besser, sie giebt sich wie sie ist, als sie schwingt sich auf einen ihr fremden Kothurn, und sucht durch Phrasen und Grimassen den innern Mangel zu decken. Herzfeld bemüht sich um eine Periode, die man immer in Halbdunkel verschwimmen ließ. Was sich nun für diese heranbringen laßt, das schafft er treu, fleißig und umsichtig heran. Verdienst genug, für das ihm Anerkennung sei. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Frankreich. Aix, 21. Oktober. Die Juden zu Aix haben in Anerkennung dessen, was zu Rom für ihre Glaubensgenossen geschehen ist, in ihrer Synagoge Gebete für Pius IX. gehalten. Marseille, 20. Oktober. Der in vor. Nr. erwähnte Fall ist in den Details folgender: Ein römischer Unterthan, der Katholik C. A. Vecchi, ließ sich 1842 in Marseille mit Fräulein Victoria della Ripa, einer Jüdin, bürgerlich trauen. Die katholische Kirche wollte seither eine gemischte Ehe dieser Art nicht anerkennen oder einsegnen, da das Konzilium von Trient sie verwarf und mit schweren Strafen belegte. Aber am 8. Oktober sollte, den letzten pariser Blättern zufolge, auf ausdrücklichen Befehl des Papstes, diese Ehe in der Loretokirche eingesegnet werden, und, was gleichfalls von Interesse ist, ohne Dispensationskosten; nur zehn Franks Einschreibegebühren hat Herr Vecchi entrichten müssen. Paris. L’Univ. israel. enthält folgenden Artikel, den wir mitzutheilen nicht verfehlen wollen: Die immer wachsende Zahl junger Deutscher israelitischen Glaubens, die nach Paris kommen, um sich längere oder kürzere Zeit hier aufzuhalten, legt uns die Pflicht aus, alle die, welche ihrem Beispiele folgen wollen, von den Gefahren zu unterrichten, die ihrer hier harren. Ohne Zweifel ist Paris ein Ort, der viele Hilfsquellen darbietet, der insbesondere den Fremden jene Freiheit der Thätigkeit bietet, die sie anderswo nicht wieder finden. Aber man muß Mittel besitzen, um warten zu können, gute und nützliche Bekanntschaften zu machen, und sich dem Leben und den Gewohnheiten dieser rauschenden Stadt anzupassen, von der der Reisende von jenseits des Rheins nur eine schwache Vorstellung hat. Nun sehen wir aber allzuoft junge Leute hierherkommen, welche weder Kenntniß unsrer Sprache, noch Geldmittel besitzen, um irgend eine Beschäftigung suchen zu können, und die bei ihrer Ankunft schon gezwungen sind, zu der Wohlthätigkeit einiger Glaubensgenossen ihre Zuflucht zu nehmen. Ihre Lage wird dann die unglückseligste. Hoffend in Paris Schüler zu finden, denen sie die deutsche Sprache lehren könnten, und große Vortheile aus zahlreichen Empfehlungsbriefen zu ziehen, mit denen sie versehen sind, bemerken sie, aber zu spät, daß Paris schon unendlich viele, zu viele Lehrer für diesen Unterrichtszweig hat, der überdies wenig gesucht ist, und daß die Empfehlungsbriefe gewöhnlich höchstens eine schwache Gcldhilfe verschaffen. Mögen daher unsere jungen Glaubensgenossen in Deutschland sich solchen traurigen und bitteren Enttäuschungen nicht aussetzen! Italien. Rom, im Oktober. In den meisten jüdischen Gemeinden des Kirchenstaates werden jetzt bedeutende Sammlungen veranstaltet, um dieselben zur Bewaffnung der Bürgergarde dem Papste als Zeichen des Patriotismus darzubringen. So hat die israelitische Gemeinde in Cento, die nur 120 Mitglieder zählt, 350 Scudi zur Verfügung der Behörde gestellt.

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