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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-08 · Heft 46 (8.11.1847) · p. Seite 674

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 46 (8.11.1847)
Date
1847-11-08
Page
Seite 674 (sequence 2)
Language
German
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674 rückkehren ließ, welche den Kampf zwischen Orient und Okzident beginnen sollte — die persische. Du siehst, auf welche Höhe der geschichtlichen Anschauung wir durch diese wenigen Sätze gehoben werden. Es sind nicht die Juden, die um ihre kleine Existenz kämpfen, nicht die Römer, die eine kleine Volksexistenz mehr zertreten wollen — es sind die großen Strömungen der Geschichte, in welchen die Kraft des Geistes mit der Kraft des Armes und des Eisens kämpft, und in welchem der Geist zwar eine Zeit lang unterliegt, um — von seinen materiellen Banden gelöst zu werden, aber nur um später seine Siegesfahne auf den Trümmern der Waffengewalt desto höher flattern zu lassen. Eine gleiche höhere Anschauung entwickelt Salvador, wo er das Ehristenthum in seine Betrachtung verflicht. Er isolirt es durchaus nicht vom Judenthume, es ist ihm ein Sendling der jüdischen Lehre und des jüdischen Geistes unter die Heiden, der, wenn er seine Mission vollendet haben wird, in den Schooß des jüdischen Geistes zurückkehren muß. Er zeigt, wie sich in Rom durch die Vergötterung der Kaiser der Boden für das Christenthum ebnete, und welche Konzessionen es dem Heidenthume machen mußte, um seinen höhern Endzweck zu erreichen, die heidnischen Götter zu zertrümmern. Im Gegensatz aber verfluchtet uns Salvador die großen religiösen Erscheinungen in einige allgemeine Sätze, wodurch er nicht in den Stand gesetzt ist, den geschichtlichen Moment in seiner Individualität zu fassen, und die kompakte Wirklichkeit in ihrer Verkettung anschaulich zu machen. So hätten wir es auch für den Zweck des Gegenstandes nothwendig gehalten, daß Salvador, da er die Kämpfe der Juden bis in die letzten Stöße, unter Barcochba, verfolgt, auch die Momente geprüft und bärgestellt hätte, durch welche ihr Bestand im großen römischen Reiche gesichert war. Das Werk Salvador's kann nicht umhin, außer seiner Bedeutung für die geschichtliche Epoche, die es behandelt, das jüdische Bewußtsein über den gewöhnlichen individuellen Standpunkt zu erheben, und ihm durch die Einsicht in den allgemeinen Gang der Geschichte der Menschheit eine sichere Stärkung, eine feste Basis auch seinerseits zu geben — ein Gewinn, den wir sehr hoch anschlagen, und der alle jüdische Geschichtsschreiber beleben müßte. — Aus diametral entgegengesetzten Verhältnissen ging das zweite geschichtliche Werk hervor, von welchem ich Dir hier schreiben wollte: „Geschichte des Volkes Jisrael von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur Einsetzung des Makkabäers Schimeon zum hohen Priester und Fürsten. Von Dr. L. Herzfeld, braunschw. Landesrabb." (Auf dem Titel fehlt die Bezeichnung: Erster Band, von der Zerstörung des ersten Tempels bis Esra — bis wohin der vorliegende Theil nur geht.) Wir haben es hier mit dem gründlichen Werke eines deutschen Gelehrten zu thun, dem die kritische Behandlung des Details die Hauptsache ist, der eine bis jetzt ganz dunkele Zeitperiode durch mühsam zusammengesuchte Notizen zu erhellen ringt, und dabei so Vieles wie möglich in das Gebiet seiner Betrachtung zieht. Hier fließen die Quellen nicht reich, sondern sehr spärlich, und die vorhandenen behandeln nur Augenblicke, aber nicht Epochen; hier sind sie nicht von Parteileidenschaften getrübt, aber zerstreuten speziellen Notizen will der darin schlummernde Gedanke abgewonnen sein. Du erlaubst, daß ich Dir zuvor den Gang des Werkes skizzire. Im ersten Abschnitt giebt Herzfeld eine skizzirte Geographie Palästinas, eine Geschichte der letzten Dezennien vor dem Exil und einen Abriß der religiösen Zustände. Im zweiten Abschnitt behandelt er Egypten und die dahin gelangten Juden, Babylonien und die babylonischen Exulanten. Der dritte bringt die Perser zur Obherrschaft in Vorderasten; der vierte führt die Juden unter dieser Herrschaft nach Judäa zurück. Dies ist der geschichtliche Stoff, der in diesem Bande auf 260 Seiten behandelt wird. Zu diesem gesellen sich noch als Beilagen und größere Anmerkungen 230 Seiten kleinsten Drucks, welche die Quellen und Hilfsbücher im ersten „Exkurs" angeben, im zweiten eine Kritik der biblischen Bücher, welche bei diesem Bande in Betracht kamen, aufstellen, im dritten und vierten über Chronologie, im fünften über die Religion vorderasiatischer Stamme, im sechsten über die Wohnsitze der assyrischen Exulanten, im siebenten über die Geschichte des Cyrus, im achten über die Abkömmlinge Davids, im neunten über die Abtheilungen der Priester und Leviten, handeln, wozu sich noch die „Anmerkungen" gesellen. Du siehst, des Stoffes in Ueberfülle. Aber nicht blos im Gegenstände, und dessen Beschaffenheit: auch in der ganzen Behandlungsweise stehen sich Salvador und Herzfeld gegenüber. Der Letztere arbeitet nur im Detail; mit glücklichem Scharfsinn, mit umfassendem Wissen, mit unermüdlichem Fleiße arbeitet er die Details aus. Dafür fehlt ihm alle allgemeine Anschauung, alles tiefere

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