Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 45 (1.11.1847)
- Date
- 1847-11-01
- Page
- Seite 667 (sequence 7)
- Language
- German
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667 hänglichkeit an Sprache, Sitten und Gebräuche der übrigen Landesbevölkerung und eines redlich moralischen Lebenswandels befleißigt, dennoch in politischer und bürgerlicher Beziehung mit dem Rohesten unter ihnen gleichgehalten wird; — e) ob nicht vielmehr zu erwarten steht, daß selbst dieser besiere Eheil der Israeliten durch solche Verhältnisse endlich entmuthigt werden muß, und daß er den höhern Aufschwung und die nationale Erziehung, zu welcher er bisher seine Glaubensgenossen ermunterte, weil er für die Kinder eine freundlichere Zukunft erwartete, nunmehr, wenn er sich wieder in seiner Hoffnung getauscht sehen sollte, gänzlich einstellen und sie lieber in Unwissenheit erhalten wird, um sie gegen eine solche Stellung, welche von ihm schon schmerzlich genug empfunden wird, für die national erzogenen Kinder aber ganz unerträglich und demoralisirend wäre, mit Unempfindlichkeit zu panzern; — f) ob endlich mit einzelnen Konzessionen diesem traurigen Zustande von nahe an 300,000 Einwohnern abgeholfen werden könne — oder ob es nicht auch zum Wohle der übrigen Landesbevölkerung erforderlich sei ein festbasirtes System aufzustellen und die innere Entwickelung der bereits imLande ansässigen israelitischen Bevölkerung zu unterstützen, selbe der Gesammtheit einzuverleiben, und sie nach und nach mit ihr gleichzustellen; — den bessern Lheil der ungarischen Israeliten aber zu benützen, um eben durch ihn auf seine tiefer stehenden Glaubensgenossen erfolgreich einwirken zu können. Möge ein löbliches Komitat sich gnädigst bewogen fühlen, unsere vorstehenden Bemerkungen einer gründlichen Untersuchung zu würdigen; mögen im wahren Interesse des Landes alle Kräfte benützt werden, welche zu seinem Flor beitragen können und möge Niemand daran gehindert werden, die ihm von Gott verliehenen Eigenschaften auszubilden und zum allgemeinen Nutzen auszuüben. Wir verharren mit aller Hochachtung und Unterthänigkeit. Im Namen sammtlicher Israeliten Ungarns und seiner Nebenländer. Die hierzu aktivisirte pesther israelitische Gemeinde, Vorstand nnd das Verwaltungskomitö." Belletristisches. Was jüdische Herz. (Fortsetzung aus No. 37. 39. 42.) 4. Welche waren denn die Entwürfe, die der achtzehnjährige Jüngling hegte, und um deren Ausgang er die schlafende Schwester befragt hatte? Ich kenne sie: — er wollte studiren, das war sein Plan, und Jakob — sollte studiren, und Moritz — wenn er weiter einschlüge, sollte studiren.... Nun, was ist dabei so Großes, fragst Du mich, mein Leser, daß die drei Brüder, Söhne eines Gelehrten, studiren sollten, daß Du, werthec Autor, den Raumaufwand von drei Gedankenstrichen und drei Punkten darauf verwendest? Nein, mein Muttersöhnchen, allerdings nichts Großes, wenn Du die Universität beziehest, in der Tasche einen Wechsel vom Vater, der Dir freilich nicht groß genug, diesem allzugroß erscheinet, und mit einer bedeutenden Zahl Gepacke von der Mutter versehen, die das Haus ausraumen möchte, um es in die ferne Stadt zu versetzen, wo das Söhnchen den ernsten Musen obliegen soll. Du setzt Dich auf den Wagen, fährst dahin, läßt Dich immatrikuliren, miethest Dir eine Wohnung, richtest Dich ein, machst Bekanntschaften, uno studirst, ohne Gedankenstriche und Punkte. Aber ein Anderes war es doch um die drei Waisenknaben, die studiren wollten. Woher Honorare, Miethe, Tisch, Kleidung rc. rc., ja, woher nur die Reisekosten nehmen?... Da wirst Du mir drei Punkte erlauben. Und von was soll unterdeß die Mutter mit den Kindern leben, wenn selbst die einzige sichere Geldquelle, die Stundengelder Abrahams, zu fließen aufhört, und auch diese Tropfen versiegen?-Du mußt mir schon drei Gedankenstriche gestatten. Nun war es damals auch noch eine Zeit, wo jüdische Jünglinge auf der Universität noch zu den Seltenheiten gehörten, insbesondere arme jüdische Jünglinge; das Studiren war noch das, selten benutzte Privilegium reicher Juden für einen und den andern Sohn. Man sah auch dies nicht gern, es kostete viel, und das Geschäft brachte mehr ein, aber man that es um die Ehre, den Glanz des Hauses, und eine reiche Heirath glich das Defizit wieder aus. Daß aber ein armer, jüdischer, achtzehnjähriger Jüngling studiren wolle, ja sogar seine Brüder dahin nach sich ziehen wollte ... das war fast