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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-01 · Heft 45 (1.11.1847) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 45 (1.11.1847)
Date
1847-11-01
Page
Seite 666 (sequence 6)
Language
German
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666 unterlassen, Namens unserer Glaubensbrüder vor Sie, löbliches Komitat, hinzutreten und Hochdieselben ehrfurchtsvoll zu bitten: bei den Instruktionen, welche Dieselben zum allgemeinen Landeswohl für ihre Ablcgaten zum nächsten Reichstag vorbereiten lassen, auch unsers Zustandes mit Liebe, Wohlwollen und Dero bekanntem Eifer für das Beste der Gesammthcit eingedenk zu sein und für unsre förmliche Aufnahme im Staatsverbande ihre kräftigen Stimmen zu erheben. — In diesem unferm theuern Vaterlande, welchem wir mit ungeheuchelter Anhänglichkeit ergeben sind, geboren und erzogen, werden wir noch immer vor dem Gesetze als Fremdlinge erachtet und während der wirkliche Fremde, er mag kommen woher er wolle, gastliche Aufnahme und Schutz in demselben findet und sich darin einbürgern kann, wird uns Landeseingeborenen dieseWohlthat versagt. Ungarn zu sein, ist unser Streben, unser Stolz geworden, und doch werden wir jeden Augenblick daran erinnert, daß wir noch nicht berechtigt sind uns als Solche zu betrachten; — und nicht etwa den Verbrecher, den Schuldigen allein trifft diese harte Strafe — fremd im eigenen Vaterlande bleiben zu müssen — nein! sie trifft alle jene, welche durch den Willen der göttlichen Vorsehung als Israeliten geboren wurden, sie trifft unsere unschuldigen neugeborenen Kinder und drückt ihnen schon alsogleich bei ihrer Geburt den Stempel der Zurücksetzung auf, während ihnen noch Nichts zur Last gelegt werden kann, als blos daß sie in der mosaischen Religion zur Welt kamen — eine Religion, deren Grundsätze die Anlage •/• beleuchtet, welche, da sie nicht allein von einer ausgezeichnet rabbinischen Notabilität aus unseren heiligen Schriften geschöpft und abgcsaßt, sondern auch in einer Generalversammlung sämmtlicher Gemeinderepräsentantcn der Israeliten Ungarns und seiner Nebcnländer einstimmig gleichsam kanonisirt wurde — wol als unsre eigentliche confessio fidei betrachtet werden kann. Diesen Zustand — wir leben in dieser zuversichtlichen Hoffnung — wird die hochherzige ungarische Nation nicht weiter fortbestehen lassen, — sie, welche 1791 zuerst Europa mit dem Beispiele der Humanität in dieser Angelegenheit voranlcuchtcte, wird 1847 nicht hinter Europa zurückbleiben, wird uns nicht ferner, die Guten mit den Bösen, die Würdigen mit den Unwürdigen solidarisch zusammenhalten und uns dadurch allesammt, den rechtlichen Kaufmann und Fabrikanten sowol, der die Landesindustrie fördert, als den Gelehrten unter uns, welcher Kunst und Wissenschaft im Lande verbreitet, dem Handwerks- und Ackersmann, welcher trotz aller Hindernisse doch beharrlich diese Bahn verfolgt — endlich an Besserung verzweifelnd, verkümmern lassen. — Wol können wir es uns nicht verhehlen, löbliches Komitat, daß manche Antipathieen gegen uns im Lande bestehen und man uns vieler Gebrechen anklagt; — ob jedoch diese Fehler und Eigenthümlichkeiten auch wirklich alle in der That vorhanden sind, ob sie bei uns Allen vorhanden sind und Niemand davon frei ist, — ob der Schuldlose mit dem Schuldigen leiden soll, — endlich ob denn diese Gebrechen an uns kleben oder vielmehr aus den gegebenen Verhältnissen, aus der uns angewiesenen beengten Stellung entstehen müssen, und ob, wenn die bisberige Behandlung der Israeliten ein so trauriges, keinem Theile zusagendes Resultat hervorbrachte, dies nicht eben den stärksten Beweis dafür liefert, daß der Statusquo geändert und durch einen geeignetem ersetzt werden müsse — wird wol ein löbliches Komitat in seiner Weisheit und Unparteilichkeit zu entscheiden und gleichzeitig zu beurtheilen wissen: a) Ob der Separatismus je aufhören wird, so lange es uns nicht gegönnt ist uns mit der übrigen Landesbevölkerung vereint zu sehen, und wir Alle ohne Rücksicht auf Stand und Gewerbe, denen wir uns geweiht, oder auf Moralitäts- und Bildungsstufe, welche wir einnehmen, blos unter dem Kollektivnamen Juden separat gehalten und dadurch gezwungen werden, einen Staat im Staate zu bilden; — b) ob der zur Last gelegte Wucher aufhören wird, so lange der natürliche Abfluß der Kapitalien, nämlich Erwerb und Besitz von Grund und Boden, dem Israeliten verwehrt ist; — c) ob die Entfernung vom Schacher und Handel zu erzielen ist, so lange der Besitz von Ackerfeldern nicht gestattet und die freie Ausübung von Handwerken in Freistädten sowol wie auf dem Lande dem Israeliten nicht unter gleichen Bedingungen und Vorschriften wie anderen Glaubensbekennern bewilligt werden wird; — d) ob ein allgemeines Bestreben zur Veredelung und Versittlichung unter den Ungarn israelitischer Konfession eintrcten wird können, insolange die Massen sehen, daß selbst jene namhafte Anzahl ihrer Glaubensbrüder, von welcher anerkannt werden muß, daß sie sich treuer Vaterlandsliebe, An-

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