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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-01 · Heft 45 (1.11.1847) · p. Seite 665

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 45 (1.11.1847)
Date
1847-11-01
Page
Seite 665 (sequence 5)
Language
German
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665 wir die reinsten Gefühle, die edelsten Gesinnungen, die in die Augen springendsten Wahrheiten hinopfern; es ist jene tyrannische Macht, die ihren Hauptsitz in der großen Weltstadt Paris, ihre Propaganden aber in allen großen und kleinen Städten hat, es ist — daß ich es mit einem Worte sage — es ist die — Mode. Ja es ist Mode, nicht in den Tempel zu gehen, und gegen die Mode und gegen die Dummheit kämpfen auch Götter vergebens; und so werde ich armer Mensch es gewiß bleiben lassen. Dafür will ich Ihnen aber nächstens etwas ausführlich über zwei nicht minder wichtige Gegenstände, über hiesige Erziehung und hiesigen Unterricht berichten. Für heute nur noch die Notiz, daß in Bälde schon das 12. Heft der "prisf ms-d” erscheint. Ich würde Ihnen gern Manches über diese periodische Schrift sagen; da ich aber selber zu den Mitarbeitern zähle, so habe durchaus keine Lust die ohnehin schon übergroße Zahl der Kukuk-Literaten, die von Anderen unbeachtet, ohne Unterlaß aller Welt ihren Namen in die Ohren schreien, zu vergrößern. K... 11. Triest, 12. Oktober. (A. A. Z.) Ein Gesuch der hiesigen israelitischen Gemeinde wegen Wiedereinräumung des Rechtes der Juden, in Istrien wohnen und Grundbesitz erwerben zu dürfen, ist vom Kaiser willfährig ausgenommen worden. Pesth, 1. Oktober. (Privatmitth.) Das israel. Verwaltungskomitö der Toleranzzahlungcn hat gedruckte Eingaben an sämmtliche Komitate Ungarns versendet, welche Abhilfe der mannigfachen Beschränkungen der Israeliten Ungarns ansprechen und hiefür um Berücksichtigung bei der gegenwärtigen Ausarbeitung der Landtagsinstruktionen bitten; als das vielseitig abverlangte Glaubensbekenntniß legte das Komitö das Schwab'sche Religionsbüchlein bei. — Jeder Gutdenkcnde muß diesen Schritt als einen zweckmäßigen anerkennen und sich freuen, daß das Schwab'¬ sche Buch, welches auf der Höhe der reinsten Gottesvcrehrung und geläuterten Sittlichkeit stehet, als Glaubensbckenntniß der ungarischen Israeliten manifestirt wird. Vorzüglich geläutert ist darin der Messiasglaube — und keine Spur von einem Verlangen je nach Palästina zurückzukchren und blutigen Opfcrdienst üben zu wollen. Das etwaige in der Konsequenz gerechtfertigte Verlangen, in Folge dieser Erklärung, alle jene häufigen Stellen aus dem Gebetbuche zu streichen, welche den heißen Wunsch um Rückkehr nach Jerusalem, um daselbst Widder und Böcke opfern zu können, kann freilich vorläufig noch nicht befriedigt werden, wird aber mit der Zeit seine Geltendmachung behaupten. *** —. Dieses Zirkulärschreiben lautet: „Löbliches Komitat! Seit dem Ablauf des jüngsten Reichstages vom Jahre 1844 haben seine Majestät unser erhabener Monarch die Gnade gehabt, nicht allein unsere Toleranztaxrückstände unter der Hälfte ihres Betrages zu ermäßigen, sondern auch mittelst allerhöchster Resolution dd. 24. Juni 1846, Nr. 5188/pp. die sogenannte Judensteuer für die Folge gänzlich aufzuheben — wodurch der Grundsatz huldreichst ratifizirt wurde: daß die ungarischen Israeliten nie mehr mit einer Sondersteuer belastet werden können, welche nicht auch gleichzeitig und gleichmäßig die übrige steuerpflichtige Landesbevölkerung treffen wird. — Dieser allerhöchste Gnadenakt, so wie der Umstand, daß Se. Maj. unsre kniefälligste Bitte wegen Untersuchung des Bildungsgrades, der Beschästigungsweise und des Sinnes der Israeliten Ungarns und seiner Nebenländer, um sie der übrigen Landesbevölkerung anzureihen, huldreichst aufzunehmen und an die hohe k. ung. Statthalterei anzuweisen geruht haben, lassen uns die erfreuliche Hoffnung schöpfen, daß die hohe Regierung ernstlich Hand an's Werk legen will, um den anomalen Zustand, in welchem sich gegenwärtig nahe an 300,000 Ungarn israelitischer Konfession befinden, auf legislativem Wege zu ändern und sie aus der bisherigen, jedem Theile schädlichen, Sonderstellung zu bringen. — Die Hochherzigkeit, womit die löbl. Reichsstande bereits auf den Reichstagen 1840 und 1844 für diese Sache der Humanität, Gerechtigkeit und des allgemeinen Nutzens für das Vaterland sich so edelmüthig aussprachen und ihre Vorstellungen an Se. geheiligte Majestät gelangen ließen, ist weltbekannt und mit unauslöschlichen Zügen der Dankbarkeit tief in unserm Herzen eingegraben. — So fest indeß auch unser Vertrauen auf den guten Willen unsrer väterlichen Regierung und unsrer weisen Landeslegislatur begründet bleibt; — so sehr auch inzwischen in ganz Europa diese Frage dem Bildungsgrade der Zeit, des Jahrhunderts gemäß behandelt und entschieden worden ist; und so überflüssig es daher auch erscheinen mag, neuere Bitten zu erheben: so können wir es dennoch nicht

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