Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 45 (1.11.1847)
- Date
- 1847-11-01
- Page
- Seite 664 (sequence 4)
- Language
- German
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664 ander gegenübcrstehenden Ansichten und Gesinnungen, die in dieser Zeit des geistigen Ringkampfes wol nirgends als eine auffallende Erscheinung gelten können, auszeichnct. Um aber auf unser Tin yy ts — zurückzukommen, so wäre es sehr zu wünschen, daß eine wohllöbliche Rabbinerversammlung gelegentlich diesen Gegenstand zur Diskussion brächte. Wenn der Talmud die Idee festhält, daß für -inn zu lesen sei nnn und nur eine solche Frucht darunter zu verstehen sei nva rntn iss», so läßt sich kein vernünftiger Grund dafür aufsinden, warum wir nicht wieder zu der ursprünglichen Bedeutung des Wortes zurückkehren, und nnn als Adjektivum betrachtend, die Frucht eines schönen Baumes wählen sollen, eines Baumes, der durch seine reichen Gaben uns dankbar stimmt. Außerdem sind schon unsere Alten verschiedener Ansicht hierüber; denn während die Einen unbedingt das Esrog darin bezeichnet finden, schlagen die Anderen vor, ybvbv — zu wählen (viele Traktat Sukka, Abschnitt 3, Mischna 102). Die Nothwendigkeit tritt gebieterisch uns entgegen und fordert eine Versöhnung der Synagoge mit dem Leben. Ist es aber nicht ein greller Widerspruch, wenn wir zur Erntcfeier mit ausländischen Früchten unsre Freude vor Gott bezeugen, mit Früchten über deren Gedeihen wir uns nicht freuen können? — I^mw nsn —!'nb niwyb ny Schn... Oesterreich. Wien, 11. Oktober. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen schon so viel Schönes, so viel Liebes von unseren Wienern gesagt, daß Sie gewiß glauben, es sind pure Engel diese Wiener. Doch was sage ich da? Ein Mann wie Sie glaubt das so leicht nicht; er weiß es nur zu gut, daß die Bewohner unsers Planeten, mögen Sie in Wien oder in Berlin, in Peters¬ oder in Karlsburg leben, wie der Planet selbst nicht ganz licht sind. Hat doch selbst die Sonne ihre Flecken, warum sollten wiener Israeliten keine haben? Um nicht als schaler Panegyrikus zu gelten, der vom verächtlichen Schmeichler nicht weit ab steht, werde ich nothwendigerweise auch die Flecken berühren, müssen. Sie sind zum Glück nickt gar so wund, daß schon die bloße Berührung tief schmerzen sollte. Bei allen Dingen soll man mit Gott anfangen. Unser Gotteshaus, der wahrhaft grandiose, herrliche Tempel, mit seinem Licht von oben, feinem genialen, energischen Mannheimer, seinem hochbegabten Sulzer rc. rc. ist Jahr aus Jahr ein so verlassen, so öde, — eine etwaige Ausnahme machen nur die Feiertage, — daß man selbst jeden nass ein ”rn nmw über ihn «»stimmen könnte, wenn nicht einige Herren und einige Diener, die ex oflicio hinein müssen, sich seiner erbarmten. Woher kommt das? Leben die Wiener vielleicht nach jener talmudischen Interpretation, die den Bibelspruch: ba« yias •nsia 't wis” ”apy m:a-on also verstanden wissen will: ’i amas .nvaTia Tai nroaa •'na ban nabna yn-nLan tr-iyta Sitzen die wiener Israeliten also lieber in ihren zwölf Thoren und lernen? Schön getroffen! die Wiener und lernen! „Grau ist alle Theorie, grün und frisch der Baum des Lebens." Sie können es noch heute dem Altvater Adam nicht verzeihen, daß er vom nyin yy gegessen, und sich dadurch um die Frucht des Lebensbaumes gebracht hat. „Domage reml sage sie lassen den Baum der Kenntnisse fein stehen, und genießen die Frucht des Lebensbaumes. So halten sie's wol mit Salomon Maimsn, der behauptet, spekulirende Köpfe brauchen nicht zu beten? Das hat Etwas für sich; die wiener Israeliten spckuliren allerdings; nur ist das Objekt ihrer Spekulation von dem Maimonischcn etwas verschieden; bei ihm ist es der Weltgott, bei ihnen der Geldgott, bei ihm die Tugendbahn, bei ihnen Nordbahn, bei ihm die Religionen, bei ihnen die Obligation u. s. f. u. s. f. Das ist es also auch nicht. So fühlen sie in Wien gar nicht das Bedürfniß nach Ergießung, Erbauung und Erhebung? Das anzunehmen wäre schändliche Kalomnie. Der Wiener ist sehr gemüthlich, und Gemüth ist bekanntlich der beste Boden für religiöse Andacht, für das Reden mit Gott, für das Aufgehcn in Gott. Also auch das nicht, so „Erkläret ihr mir Graf Oerindur „Dieses Rathsel der Natur." Ja so leichten Kaufes geht das nicht. Es hat mir die Lösung viele schlaflose Nächte, viel Kopfzerbrechens gekostet; aber Gottlob ich hab's, und das •'nyv" ”inNs:n ist kein leerer Wahn. Nun man muß sein Licht nicht unterm Scheffel halten, und so will ich Ihnen doch die wahre Ursache sagen. Es ist die allergrößte, die unumschränkteste Weltmacht, der wir Alle unterworfen sind, der wir Gut und Blut, der