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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-11-01 · Heft 45 (1.11.1847) · p. Seite 663

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 45 (1.11.1847)
Date
1847-11-01
Page
Seite 663 (sequence 3)
Language
German
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663 beschlossen, in dem alle Gemeinden jährlich Deputirte zu gemeinsamer Feststellung und Gestaltung des Kultus senden, an deren Beschlüsse die verbundenen Gemeinden gebunden sein sollen. Alle anderweitigen Einrichtungen sollen durch den Vorstand und die Repräsentanten gemeinschaftlich beschlossen werden. Ein jeder Bezirk soll sich einen Rabbiner oder Prediger anstellen, oder einem Rabbinate sich anschließen. Jeder Religionslehrer soll außer der staatsgesetzlichen Prüfung noch eine Solche bei dem Bezirksrabbinen und der Schulkommission zu bestehen haben. Die Lehrer werden zuerst auf 2 Jahre, dann auf zweimal 4 Jahre, dann auf Lebenszeit angestcllt. — Die letzte Abtheilung handelte von den Grundsätzen der Besteuerung, die als eine Vermögenssteuer durch mehre Abschätzungsinstanzen in bestimmten Steuerklassen sich bewegen soll. — Zum Schlüsse wurde noch eine gemeinschaftliche Vorstellung an das Ministerium des Innern gegen die Verordnung, daß, wenn inländische Juden ausländische Jüdinnen heirathen wollen, die Genehmigung des Ministers eingeholt werden müsse, beschlossen. Die Versammlung trennte sich, nachdem sie einen Dank an den Vorstand der Gemeinde zu Magdeburg und den Dr. Philippson für deren Bemühungen votirt hatte, im Gefühle der Eintracht und im Bewußtsein, daß die Berathung ihren Zweck erreicht, und insonders den Geist der Vereinigung gestärkt habe. Neukirchen bei Rietberg, im Oktober. (Privatmitth.) Seit einem Jahre ist hier der dreijährige Zyklus in der Vorlesung der Tora eingeführt. Die wohlthätigen Folgen dieser Institution sind augenfällig, wenn man bedenkt, daß ein Kapitel der heiligen Schrift mit Aufmerksamkeit durchlesen und durchdacht wirkungsreicher ist, als eine umfangreiche Sidra mit Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit überlesen und alsdann dem Reiche der Vergessenheit übergeben. Indessen mußte durch diese Einführung die bisherige Bedeutung des min nnnö — alljährlich mit Freude das Lesen des Beschlusses und Anfangs der Tora zu begehen — wenigstens für zwei Jahre ausfallen, und nur dreijährig als begründet erscheinen, wenn nicht dem Feste ein ähnliches entsprechendes Motiv zu Grunde gelegt werden konnte, und dennoch wollten wir, um Inkonsequenzen zu vermeiden, vor Aufhebung aller zweiten Feiertage nicht gerne den ri'ia wegfallen lassen. Wir wandten uns daher an den Rabbiner Herrn Dr. Philippson mit der Frage, was hier zu machen und welcher Weg einzuschlagen sei, um jedem Verstoß vorzubeugen. Dieser hatte die Güte, uns dahin zu bescheiden, daß entweder der fragliche Festtag als zweiter mss» 'wv zu betrachten, und ihm somit seine ursprüngliche Bedeutung wieder unterzulegen, oder aber unter seinen bisherigen Formen beizubehalten sei, in welchem Falle er in abstracto als ein Tag zu feiern sei, an dem wir die Verpflichtung, die Tora zu lesen und in deren Lesung nie stille zu stehen, freudig begehen. Diesen letzten Rath befolgten wir; doch mit der Modifikation, daß in Bezug auf das Vorlesen der Tora der Status quo beibehalten wurde; weil das Anreihen des Anfangs an den Schluß uns dem Vorgesetzten Zwecke eben so sehr zu entsprechen schien, als das Anreihen des Schlusses an den Anfang. Vor dem Vorlesen der Tora wurde in einer kurzen Betrachtung dargethan, wie durch die Verbindung des Anfangs mit dem Ende unser Wunsch und -Willen sich manifestiren sollte, in der Lesung der Tora nie stille zu stehen, und wie dieses fromme Beginnen uns begeistern müsse, nicht blos mit immer neuem Eifer darin zu forschen, sondern auch ihre Lehren im Leben anzuwenden und zu motiviren. Am verwichenen Sukkotfeste stand unsre Gemeinde auf dem Punkte, die Erfahrung zu machen, was, wie man zu sagen pflegt, bnp ohne Esrog beginne. Schon war der erste Tag des Festes gekommen, und noch immer war in unsrer fast 30 Familien zählenden Gemeinde kein Esrog zu finden. Während die Konservativen dadurch in die höchste Mißstimmung versetzt wurden, und vielleicht im Stillen glauben mochten, es sei ein rrun in der fehlte es nicht an Progressisten, die sich der herzlichsten Freude Hingaben; weil sie — nnn y? — Frucht von einem schönen Baume übersetzend, gerne eine inländische Baumfrucht als Acquivalent für das Esrog in der Synagoge gesehen hätten. Dieser Wunsch war schon der Ausführung nahe und der Entschluß schon zur Reife gekommen, als plötzlich — zur Freude der Einen und zum Schrecken der Anderen noch zur rechten Zeit ein Esrog ankam, und dadurch für diesmal jeder Reform begegnet war. — Anerkennung verdient jedoch die Friedliebe, durch welche sich unsre Gemeinde vor vielen anderen, trotz der verschiedenartigen oft strikte ein-

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