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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-25 · Heft 44 (25.10.1847) · p. Seite 656

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 44 (25.10.1847)
Date
1847-10-25
Page
Seite 656 (sequence 8)
Language
German
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656 würde es daher sein, wenn einige für Jsrael's Wohl begeisterte Männer sich angeregt fühlten, das Nöthige in dieser Sache zu fördern, bevor uns die bindenden Maßregeln der Regierung überraschen. (Wir verweisen auf den Art. aus Magdeburg über die Konferenz der Vorstande unsrer Provinz, die am 20ftcn stattsinden wird. Redakt.) Berlin, 17. Oktober. Vor einigen Tagen hat sich der erste jüdische Privatdozent, prakt. Arzt Dr. Remak in der medizinischen Fakultät der Universität habilitirt. Soest, 10. Oktober. Auf der hier abgehaltenen 5ten westphälischen Provinzialsynode (aus evangelischen Pfarrern bestehend) wurde in der Sitzung vom 8. d. folgender Antrag mit 37 Stimmen zum Beschluß erhoben: „Die Synode spricht ihre Freude und ihren Dank aus, daß des Königs Majestät der Proposition des vereinigten Landtags, betreffend die Zulässigkeit der Ehe zwischen Christen unv Juden, kein Gehör gegeben habe; auch lebe sie der Zuversicht, daß derlei Anträgen fernerweit von dem christlichen Staatsregiment eben so wenig werde Gehör gegeben werden." Gegen diesen Beschluß meldeten indeß sofort mehrere Synodalen ein Separatvotum an. (Niemand, selbst die Freunde von betheiligtcn Individuen nicht, kann die Mischehen günstig ansehcn, da die verschiedene Religion stets ein trennendes Moment ist. Es handelt sich aber nur darum, ob, wenn eine unüberwindliche Hcrzcnsneigung die Verbindung zweier Menschen fordert, die Verschiedenheit deS Religionsbekenntnisses durchaus die Ehe unmöglich machen soll. Man hat von jüdischer Seite oster die Furcht geäußert, daß durch solche Mischehen Individuen dem Judenthume abgewendct würden — obgleich eine solche Mischehe doch nur aus dem Beharren im Judenthume beruht. Man sieht, diese Furcht ist noch viel größer auf der andern Seite; diese Furchl, welche auf den Konzilien zuerst das Verbot der Ehe mit Juden bewirkt hat. Aber wahrlich! wenn es je gelten sollte, daß Judenthum und Christcnthum mir einander einen Kampf um den Sieg kämpfen sollten, so ist die Mischehe das kleinste Gebiet, auf welchem dieser Kampf ausgekämpft würde! Anmerk. d. Redakt. d. Zeit. d. Jud.) Oesterreich. Preßburg, Ende August. (Ungarische Briefe. IV.) Ob es nützlich und heilsam sei, die Unverträglichkeit talmudischer Orthodoxie mit wissenschaftlicher Bildung nachzuweisen? — Darüber erlauben Sie mir vorläufig zu schweigen; es liegt mir zunächst nur daran, die Thatsachen zu konstatiren, was, wie der verstorbene Führer der Regierungspartei, Graf Aurel Dessewffy (Deschösi) zu sagen pflegte, in allen Fragen, in denen eine Meinungsverschiedenheit obwaltet, die erste Aufgabe, das unerläßlichste Erforderniß ist. Lassen Sie uns also vorerst die Thatsachen konstatiren. Daß die eigentlichen Koryphäen des Rabbinism zu allen Zeiten weltliche Bildung verschmäht und verachtet, die Beschäftigung mit Wissenschaft und Künsten für etwas Gottloses betrachtet haben, ist bekannt genug. Daß unsere orthodoxen Rabbinen und Talmudisten aller und jeder Bildung mit eiserner Beharrlichkeit den Eingang in ihre Gemeinden zu versperren bemüht sind, ist nicht minder bekannt. Allein, so könnte man einwerfen, hat sich dies heut' zu Tage nicht geändert? Giebt es nicht gebildete, studirte, gelehrte Rabbinen, die sich als konservative Rabbanitcn bewähren? Hat nicht Prag seinen Oberjuristen Rapoport, Dresden seinen Oberrabbinen Frankel, Nikolsburg seinen Oberlandesrabbinen Hirsch? Sind diese Männer weltlichem Wissen fremd geblieben, und sind sie trotz ihrer externen Kenntnisse nicht eifrige Gegner der deutschen Rabbinerversammlung und ihrer reformistischen Tendenzen? Diese Einwürfe scheinen allerdings gegen meine Behauptung zu sprechen; aber sie scheinen es nur. Betrachten wir diese Männer genauer, so überzeugen wir uns bald, daß unsere ungarischen Tiarenträger, von einem richtigen Gefühle geleitet, ganz recht thun, wenn sie das genannte Triumvirat mit Herz und Mund desavouiren. Gestatten Sie mir, dies näher zu beleuchten; fürchten Sie aber nicht, daß ich mich in Persönlichkeiten verlieren werde. Ich werde mich lediglich an die wissenschaftliche Seite der erwähnten Theologen halten, was ja diese selbst, da sie sich als Schriftsteller dem öffentlichen Urthcile unterziehen, durchaus nicht übclnehmen können. Ich werde mit dem Letztgenannten, mit Hirsch, den Anfang machen, da er die geringste wissenschaftliche Bedeutung hat, und wir mit ihm am Leichtesten fertig werden.

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