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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-25 · Heft 44 (25.10.1847) · p. Seite 655

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 44 (25.10.1847)
Date
1847-10-25
Page
Seite 655 (sequence 7)
Language
German
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655 nvssen auch noch als „Gesetz" ansehen, bis die Juden sie auch nicht mehr wollen; wenn aber ein Genosse dieses „Gesetz" schon jetzt nicht erfüllen will, schadet es auch nicht, denn den Genossen ist die Beschneidung ohne Bedeutung! Welches Betteln um eine jüdische Institution, welch ein armseliges Handhaben eines viertausendjährigen Zeichens des Judenthums! Und das soll eine prinzipielle Lösung sein? Damit rühmt sich Herr Rebenstein die Reform endlich begründet zu haben? Wenn sie Sabbat und Beschneidung wollen, so muß man sie festhalten; will sie der größere Th eil nicht mehr, nun so muß man sie fahren lassendas wäre Prinzip, das wäre Folgerung, das wäre Konsequenz? Das ist Willkür und Zusammenhangslosigkeit. Allerdings stellt der Entwurf auch positive Sätze auf, Grundlehren über Gott, Geist, Pflicht u. s. w. (S.!)). Herr Rebenstein wird aber wissen, daß er darin nur gicbt, was in jedem Katechismus und in jeder Predigt gesagt, und als die Grundlehren des Judenthums bekannt worden. Diese herauszustellen, bedürfen wir keiner Reform. Gerade aber da, wo es gilt, ein schwieriges Wort klar zu machen — da finden wir wieder dasselbe Schwankende, Hin- und Hergezerrte. Z. B. über Offenbarung (S. v). Er leugnet die direkte Offenbarung Gottes, wie die Schrift sie ausspricht — aber nimmt an: „die Offenbarung Gottes durch den Geist unserer Vorfahren." Da weiß man wieder nicht, was daraus zu machen. Doch nein, er sagt auch, diese ist „das in den jüdischen Vorvätern offenbargewordeneGottesbewußtsein." Die Lehre Israels ist also weiter Nichis, als was die Vater über Gott gedacht haben — denn weiter ist doch das vornehme „Gottesbewußtsein" nicht. Wozu also nun das Wort Offenbarung? Warum nicht einfach: unsere Vorväter dachten das Rechte von Gott, und weil es das Rechte und Wahre ist, nehmen wir cs noch heute an. Freilich kommt daher sofort das Dilemma herein: dieselben Väter glaubten fest und steif an die Offenbarung Gottes, und von Abraham bis Maleachi streiten sie mit Händen und Füßen gegen alle anderen Lehren, weil sie nicht von Gott offenbart seien. Also glaubten doch dieselben, von denen ihr saget, sie dachten von Gott das Rechte, auch das Unrechte, nämlich daß Gott direkt sich ihnen offenbare! Freilich kommt da die schwere Frage, warum und wieso haben unsere Väter allein unter allen Menschengeschlechtern das Rechte erkannt und gelehrt? — Und nun heißt es wieder S. 11: Gott har begeisterte Männerunter ihnen erstehen lassen, ferner: Gott hat seine besondere Vorsehung Israel dargethan rc. rc. Wer an eine „besondere" Vorsehung für Israel glaubt, wer die „begeisterten" Männer durch Gott erwecken läßt — wie unterscheidet sich der von dem, welcher eine direkte Offenbarung Gottes annimmt? Wir haben diese kurzen Bemerkungen, die wir noch weit ausdehnen könnten, gemacht, nicht um zu schmähen, sondern nur um die Schwäche der Sache und der Schrift, die uns vorliegen, zu zeigen. Die Prinzipien einer Religion durch eine Zahl zufällig zusammengekommener Männer und deren Abstimmung feststellen zu wollen, und, ohne Zusammenhang, die Institutionen der Religion vom Willen von mehr oder weniger Individuen abhängig zu machen, ist keine prinzipielle Lösung, ist keine Reform, sondern scheint uns nur ein gefährliches und zweideutiges Spiel. Auch Maimonides, auch Aldo und Andere forschten über die Prinzipien der Religion; aber sie förderten diese in gründlichen Werken an's Licht, und stellten es der Mit- und Nachwelt anheim, was sie davon halten und weiter fördern wollten. Aber es siel ihnen nicht im Entferntesten ein, eine Anzahl Personen zusammenzurufen und abstimmen zu lassen, um das Abgestimmte als die Basis der Religion anzusehcn. Die Religion in ihrer kompakten Erscheinung blieb ihnen unversehrt daneben stehen. Unna, 15. Oktober. (Privatmitth.) In mehreren Provinzen unsers Vaterlandes hat die Proklamation des neuen Judengesetzes Zusammenkünfte von Deputaten zur gemeinschaftlichen Berathung in's Leben gerufen, die, Falls man mit gehöriger Umsicht zu Werke geht, von den segenreichstcn Erfolgen sein werden. Nur unser Westphalcn scheint bis jetzt thcilnahmlos dem Leben ringsumher zuzuschaucn, ohne selbstthätig für die Gestaltung seiner Zukunft mitzuwirken. Erwägt man aber, wie erfolgreich eine vorberathende Konferenz sein muß, die eine zweckmäßige Eintheilung in Synagogenbezirke, möglichst große Einheit in Abfassung der Statuten (besonders hinsichtlich der Kultuseinrichtungen rc.) erzielt, so ist dieser Jndiffercntismus in einer so wichtigen Angelegenheit um so weniger zu entschuldigen. — Höchst erfreulich

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