Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1847)
- Date
- 1847-10-25
- Page
- Seite 653 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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653 hebt. Daß alle Hochtory's, daß alle Anhänger der anglikanischen Kirche dagegen wüthen, ist natürlich. Aber auch diejenigen Dissenters, die in ihrer Konfession fanatisch sind, schlagen den Wirbel. Sie vergessen, daß derselbe Geist cs war, der sie Jahrhunderte lang aus Amt und Würde ausschloß, und fangen an zu meinen, cs wäre doch ein Unterschied zwischen ihnen und — den Juden. Sie bedenken nicht, daß, wenn es einmal bevorrechtete Kirchen giebt, welche den Staat als ihr alleiniges Eigcnthum betrachten und beanspruchen, auch sich bald wieder Eine unter ihnen als die allein bevorrechtete ansehen wird, und die anderen auch ausgeschlossen haben will. Sondern so recht wie Menschen, die sich gesättigt haben, und sei's auch nach langem Hunger, und dann verachtend auf die Hungernden herabsehen; oder wie Menschen, die zur Gewalt gekommen find, und nun sofort die lang gegen sie gebrauchten Waffen auf die richten, welche noch nicht zur Gewalt gelangten — wollen sie, die lang Ausgeschlossenen, jetzt die Juden ausschließen, und wenden dieselben Argumente gegen diese an, die so oft gegen sie selbst geltend gemacht worden. Rechnet man nun noch hinzu, daß der Haß gegen Juden auch in der Brust der der Kirchlichkeit so sehr ergebenen Engländer noch lange nicht ganz erloschen ist — was Wunder? Hier ist es das Eine, was uns schützt, der volle Klang, den das Wort „Freiheit" bei den Engländern hat, und welcher alles andere Geschrei zuletzt immer übertönt — dieser allein vermag unsere Gegner, die sich jetzt mit allen möglichen Mitteln wider uns regen, zu überwinden. Der Kampf ist nicht allein noch nicht zu Ende, sondern sein Ausgang noch nicht entschieden. Preußen. Magdeburg, 15. Oktober. (Privatmitth.) Durch den hiesigen Vorstand veranlaßt, wird am 20. Oktober allhier eine Zusammenkunft der Vorstände der Provinz Sachsen stattsinden. Es werden, mit sehr geringer Ausnahme, die sämmtlichen Gemeinden der Provinz — circa 40 — vertreten sein. Als Gegenstände der Berathung geben die hiesigen Herren Vorsteher in ihrem Zirkulärschreiben an: 1) inwiefern die vom Gesetze intentirte Bildung von „Synagogenbezirken" eine Vereinigung mehrer Lokalgemeinden zu einem Solchen bewirken könne? 2) Die Hauptbestimmungen des, von den Gemeinden zu entwerfenden, vom Herrn Oberpräsidenten Exzell, zu genehmigenden Statuts. 3) Ob eine Vereinigung aller oder vieler Gemeinden der Provinz zu zukünftigen, in Fristen wiedcrkehrenden, durch Deputate zu veranstaltenden Berathungen über gleichmäßige Gestaltung des Kultus zu bewirken und in das Statut aufzunehmen sei? Berlin, 29. September. Die „Börsenhalle" meldet von hier aus: „Das neue Judengesetz hat unsre Negierung in eine unerwartete Verlegenheit gebracht. Es haben sich nämlich viele jüdische Studirende an sie mit der Frage gewendet, ob es ihnen wol frei stände, Advokaten zu werden, in welcher Stellung sie weder aus die Emanation neuer, noch auch auf die Anwendung schon bestehender Gesetze einen Einfluß hätten. Würde gegen dies Gesuch eingewendet, daß schon der Dienst als Auskultator und Referendarius in jene von dem Gesetze nicht zugestandencn Beziehungen zu dem christlichen Publikum brächte, so würden die Juden mit Recht fordern, daß man ihnen den Weg zur Advokatur, als der einzigen ihnen offen stehenden staatsbürgerlichen Thätigkeit, erleichtern und jenes Hinderniß beseitigen möge. Andererseits würde sich aber der christliche Advokatenstand mit Recht darüber beschweren, daß man ihm allein einen so furchbaren Konkurrenten erweckt. Denn furchtbar würde er sein, wenn sich der von der Natur so ausgestaltete Scharfsinn der Juden plötzlich auf die Advokatur werfen würde. Die besten Anwälte bei dem Prozesse gegen die Polen sind zum Theil jüdischer Abkunft. Die Frage wird wol nach des Königs Rückkehr entschieden werden." Magdeburg, 17. Oktober. (Privatmitth.) Der Dr. Philippson hat die Erlaubniß erhalten, auch in diesem Winterhalbjahre öffentliche Vorlesungen zu halten. Er wird hierzu ein Lokal von der Stadt erhalten. Der Gegenstand derselben ist ein sehr umfassender und bedeutender: „die Entwickelung der Gesellschaft von religiösem Standpunkte." Berlin, 15. Oktober. (Privatmitth.) Ist das Judenthum verloren gegangen? Ist es ein vergrabener Schatz, der wieder ausgesucht werden muß, mit Wünschelruthe und Spaten? Mit Lämpchen und