Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1847)
- Date
- 1847-10-18
- Page
- Seite 642 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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642 sassung desselben obliegt?" Als vor einigen Jahren der Adel auf dem Provinziallandtage eine Beschränkung des Gewerbebetriebes und um ein Verbot des Güterankaufs durch Juden in den Kreisen Paderborn, Höxter und Marburg einbrachte, sah sich Friedrich Harkort zu der Aeußerung veranlaßt, es seien nicht die mosaischen Juden, welche den Bauer ruinirten, sondern die Juden mit den Sporen am Stiefel. Lübbecke, im Oktober. (Privatmitth.) In einer dem Materialismus so sehr huldigenden Zeit wie die unsrige ist es wahrlich nicht zu verwundern, wenn dieses Kontagium auch die Lehrer Israels ergreift und oft so stark afsizirt, daß sie gleich den treuesten und würdigsten Jüngern Merkurs jenem Tagesgötzen bedeutungsvoll und liebäugelnd zurufen: Nb ‘pvbsi ib:n dki rr nt* tr*i\ Daher die unverantwortliche Vernachlässigung der nöthigen wissenschaftlichen Fortbildung; daher das kalte Zurückweisen aller und jeder Theilnahme an höheren Bestrebungen; daher denn auch das geringe Jntereffe an den seit einigen Jahren bestehenden jüdischen Lehrerkonferenzen Seitens so vieler Lehrer. Freilich wird mancher der Herren Schulmonarchen einwenden: die Gemeinde, deren geistige und sittliche Entwickelung ich fördern soll, muß mir auch meine Bibliothek unterhalten; die Gemeinde, zu deren Wohlfahrt ich Konferenzreisen (auch Vergnügungsreisen?) unternehme, ist zur Deckung der Kosten verpflichtet. Das sind aber Sophismen, hinter welche der eine Lehrer seinen Geiz, der zweite seinen Egoismus, der dritte seine Bornirtheit verschanzt, auf daß an ihnen Allen erfüllt werde, was geschrieben steht: „Und sie wurden zu Holzhauern im Hause des Herrn." Wünschenswerth und der Billigkeit angemessen bleibt es allerdings, daß die Gemeinden ihren Lehrer für kostspielige Reisen im Interesse der Schule irgend ein Aequivalent bewilligen; soll aber nicht der Lehrer seiner Gemeinde überall als Muster dienen? Muß er also nicht vor allen Dingen seiner Gemeinde zeigen, daß er dem Erblühen seiner oder seiner Kollegen Schule gern ein Opfer bringt? Würde er nicht dadurch mehr als durch schöne Floskeln und hohle Phrasen bethätigen, daß ihm sein Beruf über Alles heilig und theuer sei? Wenn nun eine in einer Gegend Westphalens durch einen sehr tüchtigen Lehrer angeregte Konferenz im Keime schon erstickt ist; wenn eine unter Bodenheimers Auspizien stehende Konferenz über Mangel an Theilnahme klagt; wenn die, von denen man mit Recht erwarten mußte, daß sie sich mit Begeisterung um den eben so gelehrten als lehrerfreundlichen und trefflichen Mann scharen würden, es dennoch vorziehen, vornehm und selbstzufrieden daheim zu bleiben; was sollen dann die Gemeinden thun?? — Für die Mitglieder der Konferenz des Fürstenthums Minden, deren Lauheit bereits früher gerügt worden, nehme ich Veranlassung nachstehende Zuschrift hochlöblicher Regierung zur Beachtung zu empfehlen: „Von der nach Ihrem Berichte vom 29. v. M. zu Stande gekommenen Vereinigung einer Anzahl jüdischer Lehrer des Regierungsbezirks zu einem auf gemeinschaftliche und gegenseitige Fortbildung berechneten religiös-wissenschaftlichen und pädagogischen Lesezirkels und damit in Verbindung stehenden periodischen Konferenzen haben wir gern Kenntniß genommen, und wünschen wir dem zweckmäßigen Institute immer allgemeinere und regere Theilnahme und einen recht glücklichen Fortgang. Minden, am 13. August 1847. Königl. Regierung, Abtheilung des Innern, gez. Rüdiger." An Herrn Lehrer Wolff in Lübbecke. Gestützt auf dieses höchst ermunternde Schreiben der königl. Regierung lade ich zur Theilnahme an der am 4. und5. November zu Petershagen stattsindenden sechsten Konferenz mit dem Bemerken ein, daß bis dahin Leesers Elementarbüch vollendet sein und der Konferenz vorgelegt werden wird. Wff. Bielefeld, 22. September. (Eingesandt.) sWir stehen nicht an, folgendes ^Schreiben abdrucken zu lassen. Red.j In der Zeitung des Judenthums No. 38 haben Sie sich über die Agenten des rhein. westphäl. Missionsvereins mißliebig geäußert, was Sie nicht gethan haben würden, wenn Sie den Mann kennen.*) Ich liebe die Wahrheit. Vor Kurzem war der Agent Herr Pr. Kalthoff *) Nicht wir, sondern der Vers, der in No. 38 gegebenen Miszellen. R $&.