Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1847)
- Date
- 1847-10-18
- Page
- Seite 640 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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640 stellung der Inden — d. h. für eine Verfassungs- Veränderung — gewinnen lassen werde. Hamburg, Eingangs Oktober. (Privatmitth.) In diesem Augenblick wird an der Ueberlieferung der Hcymann Michelschen Bibliothek an das British Museum gearbeitet, zu welchem Zweck die Herren Dr. Steinschneider und Buchhändler Ascher hier befindlich find. Prediger Br. Frankfurter geht nächstens als Gesandter des hiesigen Mäßigkeitsvereins zur Generalversammlung nach Braunschweig und wird daselbst die Predigt jüdischer Seits (es wird nämlich an drei Tagen katholischer, protestantischer und jüdischer Gottesdienst für diese Gelegenheit stattsinden) halten. Während der Feiertage waren unsere sämmtlichen öffentlichen und Privat-Betversammlungen überfüllt. Im Tempel wurden einige wiener Melodieen, nämlich ein M. Sch. lejom hasch, und ein Misni. ledav Habu l’ad. gesungen, fanden jedoch nur getheilten Beifall, weil sie als gar zu künstlich zu sehr dem Umwerfen ausgesetzt und im Ganzen zu pathetisch sind. Auch ist es die Tempelgemeinde nicht gewohnt, so lange aller Mitwirkung beraubt zu sein. Wo keine Orgel ist, und wo man einen Sänger besitzt wie den berühmten Sulzer, da mag dieser Styl wol angemessener sein, der freilich im günstigen Fall bald allem patriarchalischen Hausgottesdienst ein Ende zu machen droht. Die Frage wegen des Aussaugcns (Meziza) ist jetzt, nachdem die Instruktion derselben über ein Jahr gedauert hat, so weit, daß nächstens entweder ein ausdrückliches Verbot, oder wenigstens die Anordnung erfolgen muß, daß der Mohel sich hierin nach Verlangen der Eltern (also des Hausarztes) zu richten habe. Bisher war hier, wie früher einmal berichtet, nur ein Mohel, nämlich der Chasan am neuen Tempel, der das Aussaugen unterließ, derselbe hat seit mehr als 20 Jahren fast alle Knaben aus dem Tempelverein sowol als aus der portugiesischen Gemeinde auf diese Weise beschnittm. Während nun dies vorgeht, kommt indeß die ganze Beschneidung sehr in Frage, indem hier ein Vater seinen erstgeborenen Sohn dieser Operation nicht unterziehen will. Die Eintragung in das jüdische Geburtsregister (das übrigens keine Rubrik für die Angabe der Beschneidungen hat) ist nun zwar beanstandet und der neue Fall der obern Behörde zur Kenntniß gebracht, aber über die endliche Entscheidung kann kein Zweifel vorhanden sein, und so wird es allmälich mit der Beschneidung gehen, wie mit den übrigen jüdischen Ritualien. Das wäre nun so weit schon recht, daß nämlich in solchen Dingen keinerlei Zwang herrschen darf; aber wie stehts denn mit dem Kern des Judenthums? Ist es unsere, täglich mehr erkannte Aufgabe, die jüdische Idee hinzutragen bis zu jenem bajom hahu, an welchem nicht allein Gott als Eins erkannt, sondern auch sein Name Eins ist, so müssen wir uns fragen, kann dies geschehen ohne alles und jedes äußerliches ^Symbol? Und, ist diese jüdische Idee, ist die gemeinschaftliche Thätigkeit für jenen weltbeglückenden Zweck nicht des Opfers werth, sich durch ein anerkanntes und unvertilgbares Zeichen dem Bunde der Kämpfer mit Göttern und Menschen einzuverleiben? Im Sinne Aller, die jene Güter zu schätzen wissen, sage ich unbedingt: ja! Und zwiefach ja! wenn wir die negationären Bestrebungen eines großen Theils unsererZeitgenossen berücksichtigen. Denn das Judenthum hat nicht allein die zu vielen Götter, sondern auch den „Einen Gott zu wenig" zu bekämpfen. Der Naturgott, der Vernunftgott, der unpersönliche Gott ist unbedingt ein Gott der Starken, er war auch immer du cote des gros Bataillons, aber der Gott, den Israel verkündet, ist vor allen Dingen ein Gott der Schwachen, wie es auch der Eingang zu seinem Dekalog ausdrückt. In dieser Hinsicht stehen wir auf einem ganz andern Boden als die Christen: unserm Geiste hat unser Gottesbewußtsein nie etwas zu Leide gethan, hat unser Inneres nie geplagt und gepeinigt, wir sind daher auch nicht in dem Fall, die erlittene geistige Mißhandlung wie freigelassene Rangen durch entgegengesetzte Exzesse zu rächen. Während laut Jewish Chronicle Sir Moses Montesiöre wieder genöthigt ist, sich bei der französischen Regierung über neue Versuche ihrer Gesandtschaft in Damaskus, die alten Blutbeschuldigungen wieder aufzuwärmen, zu beklagen, beschuldigt Herr Daum er in seinem Buche „die Geheimnisse des christlichen Alterthums" (Hoffmann und Campe 1847, 2 Bände) gar das ganze Christenthum der fortwährenden Menschenbesonders Kinderopfcr und schildert das Christenthum als den fortgesetzten Molochsdienst, den die Juden in Palästina und die heidnischen Römer nicht allein mit Recht schaudernd von sich gestoßen, sondern die die jetzige Menschheit auch um