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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-18 · Heft 43 (18.10.1847) · p. Seite 639

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 43 (18.10.1847)
Date
1847-10-18
Page
Seite 639 (sequence 7)
Language
German
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639 hiesigen israelitischen Gemeinde und Herrn Fromm, dem Privatlehrer des Verstorbenen. Hierauf folgten zwei hiesige evangelische Geistliche, die Geistlichen von Erbach, viele auswärtige israelitische Lehrer und die Lehrer der hiesigen Real- und Stadtschulen. Auch Se. Erlaucht, der regierende Graf zu Erbach-Fürstenau hatten die Gnade, Seine Achtung dem Verblichenen durch eine Deputation zu bezeugen, welcher sich nun der Landrath des Bezirks, der hiesige Beigeordnete und Gemeinderäthe anschlossen. Sodann folgten zahlreiche Beamte und Bürger, und eine unabsehbare Reihe israelitischer Glaubensgenossen beiderlei Geschlechts — die zum Rabbinatsbezirk gehörenden Orte nach alphabetischer Rangordnung eingetheilt — beschloß endlich den Zug. Erst vor der Stadt begann der Wechsel der Leichenträger, welcher sich nun oft wiederholen mußte, um es auch den übrigen zum Rabbinatsbezirke gehörigen Gemeinden möglich zu machen, ihren verehrten Rabbiner zur Ruhestätt bringen zu können. Alles dies ist aber in so großer Ordnung vor sich gegangen, daß der Zug fast nicht die mindeste Unterbrechung erlitt. Auf dem Friedhofe angekommen, hatten sich schon zahlreiche Zuhörer daselbst versammelt, und nachdem die üblichen Gebete und Gebräuche verrichtet waren, hielt Herr Dr. Auerbach die erste Rede; nach diesem trat der eine evangelische Geistliche, Herr Mitprediger Bauer, auf, an dessen Rede sich noch zwei andere reihten, gehalten von Herrn Fromm und Herrn Levi. Hierauf folgten nun die Schlußworte, gesprochen von Herrn Stadtpfarrer Hessig. Sämmtliche Redner hoben in höchst ansprechender Weise die Tugenden und Verdienste des Seligen hervor und zeigten, welche Stütze des Judenthums mit ihm gebrochen, welche Hoffnung mit ihm hinabsank, wie seine ganze Kraft seinem wichtigen und heiligen Berufe gewidmet war, und wie Wohlthun gegen Jedermann, ohne Unterschied des Glaubens, der Grundzug seines biedern Charakters gewesen, wodurch er sich ein bleibendes Gedächtniß bei Israeliten und Christen gestiftet hat; besonders ergreifend war die Rede des Herrn Mitprediger Bauer und die sehr gehaltvollen Schlußworte des Herrn Stadtpfarrer Hessig, welche gewiß in den Herzen aller Anwesenden den tiefsten Eindruck gemacht, und selbst die Orthodoxesten, welche einen so seltenen Fall, evangelische Geistliche am Sarge eines Israeliten reden zu hören, noch nicht erlebt hatten, verließen dankbar gerührt den Friedhof. Diese Leichenfeier, obgleich vom Wetter nicht begünstigt, war eine wahrhaft erhebende und gewährte ein erfreuliches Bild der Humanität und Toleranz. Gewiß kann es nur von guter Nachwirkung sein, daß die evangelische Geistlichkeit, mit gutem Beispiele vorangehend, den Biedermann ehret, wo sie ihn findet und die Scheidewand fallen läßt, die nur zu oft Christen und Juden trennet! Schließlich erlaubt sich Einsender dieses zu bemerken, daß zur Versorgung der nun armen und hilflosen Familie des Verstorbenen ein Komitö zur Errichtung eines Fonds sich hier gebildet hat, welches zur Erreichung eines solch heiligen Zweckes, durch einen demnächst ergehenden öffentlichen Aufruf, die kräftige Unterstützung aller edelen Menschenfreunde erbitten wird. L. Frankfurt, 3. Oktober. Wir erfreuen uns jetzt der Anwesenheit eines Sendlings der englischen Missionsgesellschaft für Judenbekehrung, welcher jedoch so schlecht mit den nöthigen Geldmitteln versehen ist, daß er durch Privatkollekten dieselben aufzubringen sucht. Wir hörten jedoch nicht, daß seine desfaüsr'gen Bemühungen großen Erfolg gehabt, wenn schon sie von der britischen Gesandtschaft unterstützt werden. Frankfurt a. M., 3. Oktober. Von hier aus läßt sich die Voss. Ztg. schreiben: Die lichtfreundliche Partei, d. h. das sogenannte Montagskränzchen, will Männer für die völlige Emanzipation der Juden und Gewerbefreiheit gewinnen, zwei überaus kitzliche Punkte in unserm kleinen Staate, der in Vielem nicht gern vom Althergebrachten abgeht. So sehr man übrigens im Prinzipe für die völlige Emanzipation der Juden ist, so ist sie in der Praxis hier unzulässig, da die Juden in unsrer Stadt die Geldmacht schon an sich gerissen haben und einen großen Theil der Bevölkerung ausmachen. Wer da weiß, daß es den jüdischen Logen hier nicht gelingt, von den christlichen anerkannt zu werden, daß das Kasino nur einen Rothschild ausgenommen hat und die Lesegesellschaft auch diesen als Juden nicht zulaffen kann; daß es hier viele Gesellschaften giebt, deren Statuten ausdrücklich die Juden ausschließen, der wird, trotz den Bestrebungen des Montagskränzchen, wenig Hoffnung haben, daß die christliche Bürgerschaft sich plötzlich für eine Gleich-

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