Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1847)
- Date
- 1847-10-11
- Page
- Seite 627 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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627 tition an die höchste Stelle zu berathen, welche eine derartige Abänderung der Universitätsstatuten bezweckt, daß auch die Angehörigen anderer Konfessionen, als der protestantischen, besonders Katholiken und Juden, zu akademischen Lehrern befähigt sein sollen. Die Sache wurde nur deshalb nicht sofort beschlossen, weil einige Mitglieder fehlten und man es auf den Protest keines Einzigen, er sei bei dem Beschlüsse nicht anwesend gewesen, ankommen lassen wollte. Bekanntlich ist bis jetzt die einzige Universität, die durch das neue Judengesetz den Juden zu Gute kommt, Berlin. Berlin, 1. Oktober. (Privatmitth.) In je höhere Staatsgebiete die Judensrage in Preußen jetzt hineinragt, desto weniger darf man die Erscheinungen in denselben außer Acht stellen. Man erinnere sich, welche bedeutende Majorität auf dem Landtage den jüdischen Rittergutsbesitzern die ständischen Rechte, unter denen die Patrimonialgerichtsbarkeit eines der bedeutsamsten ist, verweigert hat. Man wollte dem Juden den rechten Geist absprechen, der mit dem Besitz der ständischen Rechte verbunden sein müsse. Bielleicht haben sie in dieser Behauptung Recht gehabt. Denn jetzt, wo der Staat im allgemeinen Interesse mit den ständischen Rechten in Konflikt gerathen ist, wo es gilt, dem öffentlichen Gerichtsverfahren ein Opfer an der veralteten Patrimonialgerichtsbarkeit in Kriminalsachen zu bringen — jetzt zeigt cs sich, daß der Geist der Herren ist, dieses Opfer zu verweigern, wodurch das öffentliche Gerichtsverfahren in vielen Landcstheilen unmöglich wird. Vielleicht daß die jüdischen Rittergutsbesitzer dieses Opfer ja gebracht hätten — da das jüdische Recht nur das öffentliche Verfahren hatte — aber dieser Geist hätte dem Geiste der Anderen widersprochen! Belletristisches. Das zü-ische Herz. (Fortsetzung aus No. 37. 39.) 3. Ich wollt' es, lieber Leser, ich wollt' es ... aber zwischen Wille und That, Himmel ... mein Leser, ich kenne Dich schlecht, wenn Du den Unterschied nicht selbst kenntest ... ich wollte den Faden der Erzählung jetzt gleich aufnehmen, aber zu der Nacht- und Morgenszene muß nothwendig noch das Bild eines Abends kommen, damit Du in diesem Hause wie zu Hause seiest.... Der Abend war ja der eigentliche Hintergrund, auf welchem alle Zeiten des Tages — zu vier und zwanzig Stunden gerechnet—für die Familie als einzelne Gruppen spielten. Mein Gott, Leser, der Du schon so oft vor dem Abendroth bewundernd standest, vor all den tiefen und Hellen Tinten, die sich rings um den Himmel legen, vor all den blaugrauen Wolken mit goldnem Saume, vor all den rosenrothen und violetten Wolken bis hinauf zu den schneeweißen Wolkenstocken in der Höhe des Abendhimmels ... ja, in Staunen und Bewunderung und stilles Entzücken und leise Wehmuth versunken ... wie könntest Du mir entweichen, da ich Dich in den Abendhimmel unsrer Familie hineinsehen taffen will, ohne Fernglas und Brille, mit den klaren Menschenaugen, die noch eine Thräne vergießen können um das Geschick Anderer.... Stille, lautlose Stille herrschte im Zimmer. Es war verdunkelt; denn der blecherne Schirm der Frankschen Lampe war niedergeschlagen, daß das Licht nur auf einen kleinen Kreis des Tisches siet; droben, daß ich Nichts vergesse, am Balken zeichnete sich wol auch ein kleiner Lichtkreis ab ... ein Bild der Familie, die sich mitten in der Dunkelheit ihres Schicksals ihre kleinen Lichtkreise droben und drunten dennoch zu erhalten wußte. Am Tische saß Jakob; er las ... in den hebräischen Psalmen, und man sah in seinem begeisterten Auge, seinen belebten Zügen an, daß, ob er den Inhalt verstehe oder nicht, er doch Gedanken der Andacht, ringende Gefühle der Gotteshingebung in seinem jungen Geiste hege ... fürwahr, ec betete.... O, ein betendes Knabenherz, so rein, so unschuldig, so silberklar, und dennoch so voll von dem Druck des Lebens, den es auf Alle, welche es liebet, gebreitet sieht, so sich drängend zum Vater, von dem es fühlt: Ec muß, er muß helfen, er kann es nicht anders, denn Er ist ja Gott, und das Leben Seiner Kinder müßte ja so schön und glücklich sein, da Seine Hand sie hineinversetzt hat ... sei ruhig, dieser Gott erhört Dich auch, und hilft, nur nicht so schnell, wie Dein klopfendes Herz verlangt, nur in der Ferne, bis dahin Du noch oft zu beten hast, bis dahin Du noch oft die Unebenheiten des Lebens zu empfinden hast, bis wohin Er dennoch Dich Leitet, Du hast den Pfad schon jetzt betreten....