Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1847)
- Date
- 1847-10-11
- Page
- Seite 625 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225540--08910-3239750- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
625 leiten und die bei uns so sehr daniederliegende Erziehung zu heben/ der euch deutsche und ungarische Predigten halte und in diesen wahre Bildung und echte Religiosität verbreite, der euch nicht nur bei dem All- Herrscher im Himmel, sondern auch bei eueren irdischen Herrschern zu vertreten wisse, — nun so verlanget doch nicht von ihm, daß er zu 2V—25 Jahren schon irpöisi d'tdi ■’pa und mit Hatorot versehen sei vom bonjhader, ungwarer und anderen solchen Rabbinen, denen schon Jeder, der ein deutsches Buch liest, als verdammens- und bestrafenswerth gilt.... Zu dieser Einsicht sind aber noch immer unsere Gemeinden noch nicht gelangt, und daher die unzähligen Notationen, Erniedrigungen und Beleidigungen, denen fast jeder Kandidat, besonders bei der Bewerbung in kleineren Gemeinden stets ausgesetzt ist. Heute muß er predigen, morgen eine deutsche Drascha halten, Bormittags Charifot, Nachmittag Magidat sagen; und wenn er alle diese Feuerproben glücklich überstanden und bereits ausgenommen wird, so meint morgen A.: Der Kandidat sei zu wenig charif, L. wieder: Seine ungarische Aussprache sei nicht die eines Stockunger; 0. erinnert sich: Der Rabbiner habe vor 10—12 Jahren, als er noch ein junger Schüler auf der Jeschiwa war, einmal in der Aue ein Glas Wasser unbedeckten Haupts getrunken; v. hat einmal mit dem Kandidaten gebadet und dieser war gottlos genug einen Augenblick vor der Dusche das Käppchen abzulegen, und dergleichen kleinliche Anklagen mehr; und der Kandidat, der sich schon seiner Stelle gewiß glaubte, erhält mit einem Male einen Absagebrief oder — wie es auch oft geschieht — man läßt ihn nach der frühern Berabredung mit Weib und Kind Herkommen und vor dem Stadtthore sagt man ihm: man bedürfe seiner nicht mehr und er könne 'ibiöVi wieder hingehen von wo er gekommen.... Und da soll dann der Nabbine Lust und Liebe für seinen Stand hegen, wenn ihm schon der Eintritt in denselben so sehr erschwert wird?... 1. Elm. Äsen, 13. September. (Privatmitth.) Die gediegenen Predigten, die der rühmlichst bekannte Rabbinatskandidat Herr I. Einhorn seit einigen Monaten abwechselnd in der hiesigen Synagoge wie im Kultusverein hält, erfreuen sich täglich eines großem Beifalls und gerechterer Anerkennung und Würdigung. Als kleinen Beweis dieser verdienten Würdigung wollen Sie, geehrtester Herr Redakteur! folgender Adresse, die dieser Tage der Kultusverein an Herrn Einhorn richtete, in Ihrem geschätzten Blatte die Aufnahme vergönnen. Sie lautet: „Sr. Wohlgeb. Herrn I. Einhorn, Rabbinatskandidaten in Pesth! Es gehört wol mehr als gewöhnlicher Muth, ja es gehört aufopfernde Hingebung dazu, im schroffen Gegeneinanderstehen der Parteien in Israel von so verschiedenartiger Färbung und Tendenz, dem lähmenden Jndifferentismus und der starren Orthodoxie zugleich die Stirne zu bieten und Beide in Wort und That zu bekämpfen. Unter den erleuchteten Männern des Fortschrittes, die diesen Kampf des Lichtes mit der Finsterniß zu ihrer Lebensaufgabe machend, sich im Vollgefühl einer wohlkonstatirten Bildung und einer richtigen Taktik um die Fahne wahrer Aufklärung und echter Religiosität schaaren, nehmen Sie in unserm theuern Vaterlande einen vorzüglichen Platz ein. Mit dankbaren Empfindungen erkennt es der Unterzeichnete Verein, wie Sie als unermüdlicher Kämpe für echte Religiosität und geläuterte Aufklärung einen Theil Ihrer vielbeanspruchten Wirksamkeit der auf religiöse Erhebung basirenden Tendenz des Unterzeichneten Vereins zugewendet und zur Erhebung des von demselben organisirten Kultusgottesdienstes durch Ihre gediegenen, Geist und Herz zugleich belebenden Kanzelreden beigetragen. Der Unterzeichnete Verein, um Ihnen seine dankvollste Anerkennung und innige Hochachtung einigermaßen darlegeu zu können, macht sich hiermit das Vergnügen, Sie zu seinem Ehrenmitgliede zu ernennen. Und indem er Sie bittet, Sie von nun an als ein Solches ansehen zu dürfen, hat er die Ehre sich zu zeichnen 8ign. Ofen am 10. September 1847. hochachtungsvoll der Kultusverein der ofener israelitischen Jugend. (Gez.) Philipp-Schüler, Präses. Simon Blau, 2. Präses. Ad. Löwy, als Kommissar. S. Neumann, Sekretär. Preußen. Gleitvitz, 21. September. (Privatmitth.) Ich glaube mich um so mehr verpflichtet, ein wichtiges