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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-11 · Heft 42 (11.10.1847) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 42 (11.10.1847)
Date
1847-10-11
Page
Seite 624 (sequence 4)
Language
German
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624 Italieners über die Volkssestlichkeiten, welche in den letzten Tagen in Livorno stattgefunden, sagt am Schluffe: „Noch muß ich Ihnen erzählen, daß unter den vielen Aussöhnungen auch die Verbrüderung der Christen mit den Juden stattgefunden hat. Folgende fast von allen christlichen Einwohnern unserer Stadt unterschriebene Bittschrift ist jüngster Tage der Regierung eingereicht worden: „Indem die Unterzeichneten wissen, daß die israelitische Behörde in Livorttv sich vornimmt, die großherzogliche Regierung um die bürgerliche und politische Emanzipation aller Israeliten in Toseana zu ersuchen, so erklären wir hiermit als unsere aufrichtige Meinung, daß die Einführung einer solchen Maßregel ein Akt der Menschlichkeit und Gerechtigkeit wäre und nur zum Nutzen und Vortheil des Staats gereichen könnte. Unsere Wünsche gehen daher ebenfalls dahin, daß ihr Gesuch so schnell als möglich möge bewilligt werden." Oesterreich. Pesth, 20. September. (Privatmitth.) Ein bedauernswertheres Geschöpf existirt gewiß weit und breit in Ungarn nicht, als — der Rabbinatskandidat. Der Rabbiner etwa, meinen Sie?... Weit gefehlt! Muß er doch, bevor er zu dieser hohen Würde gelangt, früher alle Qualen des Rabbinatskandidatenthums durchgemacht haben, und wer diese einmal überstanden, der ist gegen alles Leiden so sehr abgehärtet und gestählt, daß er selbst die fürchterlichsten Qualen und Plagen, sogar die eines ungarischen Rabbinats, kaum fühlt. Und das will sehr viel sagen. Die Quelle dieser Leiden ist früher wie später dieselbe : die Uneinigkeit und die verschiedenen übertriebenen Anforderungen der Gemeinden. Die ungarischen Gemeinden ßnd größtentheils sehr unwissend in -na ■jfi Siena; der Rabbiner soll alle Intelligenz repräsentiren. Nun ging das wol früher an, wo der ungarische Jude kein anderes Wissen als talmudisches kannte und daher auch in seinem Rabbiner nur einen talmudischen Heros suchte. Und der Rabbiner, der ebenfalls von anderm Wissen kaum eine Ahnung hatte und sein ganzes Leben ausschließlich talmudischen Studien widmete, konnte hierin zu Virtuosität gelangen. Um so leichter, da nur wenige große und ausgezeichnete Gemeinden jene absolute Größe verlangten; die kleineren aber Alle bescheiden und einsichtsvoll genug waren, ihre Forderungen ihren geringen Leistungen anzupassen und sich mit der relativen Größe ihres geistlichen Vorstandes zu begnügen. Nicht so in den heutigen Gemeinden. Sie fangen bereits an einzusehen, daß der Rabbiner nicht blos der nbnpn yo» bei Gott, sondern auch auf Erden sein, er hier aber mit dem Talmud allein nicht ausreicht, sondern auch Nebensachen studirt haben müsse. Nun haben die Leute in ihren alten Gemeindebüchern gelesen, daß jeder hier aufzunehmende Rabbiner so und soviel Hatora von diesen und jenen •'bns; in den in Deutschland ausgeschriebenen Konkursen der Zeitung des Judenthums: daß er zeitgemäße Bildung, philosophische und pädagogische Studien u. s. w. haben müsse. Und wie in Ungarn überhaupt Alles auf Nachahmung oder gar Nachäffung beruhet, andererseits der Usus Gesetzeskraft hat, so wollen auch hier die Gemeinden kein Iota weder von den Anforderungen, die ihre Vorfahren an einen Rabbiner gestellt, noch von denen, die ihre deutschen Glaubensgenossen jetzt stellen, ausgeben. Und wahrlich unerhört und unglaublich sind die Pratensioncn, die auch die unbedeutendste Gemeinde an ihren Seelenhirten zu richten sich erkühnt. Ein Gemeindcheq, das kaum einen rechten Lamdan, noch weniger einen wahrhaft gebildeten Mann in ihrer Mitte zählt, und die ihrem Rabbiner ein Gehalt giebt, wie ihn so niedrig anderswo vielleicht kaum der unterste Schuldiencr bezieht, verlangt von diesem nichts weniger als die größten und bedeutendsten Gemeinden des Landes nur je fordern könnten; und zwar oft solche Dinge, die unter den gegebenen Umständen geradezu unvereinbar sind. Tina 12b nifibNSi 'n vrr rnnN 12b bs>a!i 28i rief der begeisterte Eliahu schon vor mehreren tausend Jahren dem hin- und herschwankenden Israel zu. Und unsere Gemeinden wollen noch heute diesen Zuruf nicht beachten. Wollt ihr einen Talmudvirtuosen, einen ''pai Spin nach dem Muster eurer Vorfahren, nun wohl, es wird euch Niemand euer Vergnügen stören; wählt euch den Ersten Besten, aber begnügt euch auch wie eure Väter mit seinem talmudischen Wissen und seid froh wenn er mit der Zeit so weit fortgeschritten, deutsche Draschot bei außerordentlichen Gelegenheiten halten zu können; verlangt ihr aber einen geistlichen Leiter der Gemeinde nach dem modernen Begriffe dieses Wortes, einen Rabbiner, der euch lehrt die Zeit und ihre Anforderungen begreifen, der fähig sei, das Schulwesen zu

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