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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-04 · Heft 41 (4.10.1847) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 41 (4.10.1847)
Date
1847-10-04
Page
Seite 616 (sequence 12)
Language
German
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616 der französischen Republik seine Aufmerksamkeit nach dem Westen zog. -- Ein gleiches Schicksal hatte ein zweiter Ukas, vermittelst dessen der Kaiser den Juden Ländereien auf den Kronsdomänen in der Nähe von Petersburg und Moskau anweisen wollte, wenn sie dem Landbau sich widmen wollten. Allein die Juden schlugen auch dies aus dem Grunde aus, weil sie behaupteten, die Regierung wolle sie durch den Ackerbau der Bildung entfremden, die sie durch den jüdischen Unterricht erhielten, und dadurch eher in den Schooß der russischen Kirche bringen — ein Schritt, der von vielen Juden dennoch heute auf's Tiefste bedauert wird. In den Kriegen, die Europa sodann gegen Napoleon zu bestehen hatte, war Rußland zu viel betheiligt, als daß es auf seine inneren Angelegenheiten ein besonders aufmerksames Auge hatte richten können. Die Juden zeichneten sich vielmehr, bei der Invasion Napoleons in Rußland, durch das Auffangen eines französischen Kouriers, der den ganzen Kriegsptan der französischen Armee bei sich hatte, dergestalt aus, daß Alexander in einem Manifeste öffentlich erklärte: die Juden hätten der russischen Krone die Augen geöffnet und dieselbe fühle sich ihnen zum wärmsten Danke verpflichtet. So blieben die Verhältnisse ini8tatu quo, bis Alexander von Paris und seinen Kongressen zurückkehrte, und dann im Reichsrathe erklärte, daß man, nachdem Europa beruhigt sei, jetzt den Blick mit allem Ernste auf die Ordnung der inneren Angelegenheiten Rußlands richten müsse. Und man ist allgemein der Ansicht, daß die Plane, die Nikolai gegen die Juden jetzt zur Ausführung bringt, schon von Alexander angedeutet worden seien; nur mit dem Unterschiede, daß Alexander, der zu den ersten Diplomaten jener Zeit gehörte und sanftmüthigern Temperaments war, gelindere Wege eingeschlagen hätte. — Bald nach seiner Rückkehr von Europa ordnete Alexander an, daß er, um den Juden den versprochenen Dank für ihre dem Vaterlande geleisteten Dienste zu beweisen, ihnen gestatten wolle, drei Deputirte nach Petersburg zu schicken, die beständig dort residiren und die jüdischen Angelegenheiten vertreten dürften. Aber die Juden ließen eine Gelegenheit vorübergehen, deren Vernachlässigung in ihren ganzen furchtbaren Folgen sich jetzt offenbart. Hatten sie Männer gehabt, die diesen Augenblick vollkommen zu würdigen gewußt; hatten sie eine Erziehung gehabt, die diesen Akt zu benutzen verstanden; hatten sie Leute unter sich gefunden, die der russischen Sprache mächtig gewesen waren, und Ansehen, Anstand, Charakter und Weltkenntniß genug besessen hätten, um der russischen Regierung ihr eigenes Intern esse in Betreff ihrer jüdischen Unterthanen im reinsten Lichte der Wahrheit zu zeigen,' wer weiß, wie die Verhältnisse der russischen Juden sich gestaltet hätten; obwol man immerhin zugeben muß, daß bei der Energie und Festigkeit, mit der die moskowitische Regierung ihre proselytirenden Pläne verfolgt, jeder Erfolg ein sehr problematischer ist. Genug, die Juden versammelten ihre Rabbiner und Parnassim nach dem Erscheinen jenes Manifestes in Wilna, und nach langwierigen Diskussionen wurden drei Männer nach Petersburg geschickt, die polizeilicher Vergehen halber mit Schand und Spott aus der Kaiserstadt weggesandt wurden, und die jüdische Nation, die sie repräsentiren sollten, nur brandmarkten. „Wenn dies die Besten sind, bemerkte der Kaiser, was soll ich von den Uebrigen denken?" und somit war das Unglück besiegelt und das traurige Loos entschieden. Die Männer waren aber nicht die besten; man hatte sie gewählt, weit sie russisch sprachen, wahrend des französischen Krieges in der russischen Armee als Lieferanten gestanden und so die Bekanntschaft vieler Grafen gemacht hatten. — Die tüchtigeren, charaktervollen Männer unter den Juden konnten weder die russische Sprache, noch waren sie mit irgend welchen Ideen bekannt, die außerhalb ihres jüdischen Kreises lagen, und so fühlten sie sich nicht befähigt, eine so hehre und hochwichtige Mission zu übernehmen. Leider, ist die Strafe für diese wohlverschuldete Ignoranz hart!! — Unter dem Minister des Unterrichts, dem Fürsten Golitzin, wurde von Popow ein Plan ausgearbeitet, wie man die Juden zur Taufe bringen könne, und um denselben den Juden annehmlich zu machen, sollten die Bekehrten „Israelitische Christen" genannt werden. Es zeigt von der gänzlichen Unkenntniß des jüdischen Charakters, daß man glauben konnte, damit die Juden zu fangen; und es war daher nichts natürlicher, als daß diese Idee fehlschlug, und der Plan auf diesem Wege aufgegeben werden mußte. Nach einigen Jahren griff die Regierung dann zu härteren Maßregeln; es wurde angeordnet, daß die Juden die Branntweinhäuser, die sie vereinzelt auf dem Lande inne hatten, aufgeben und in die Städte versetzt werden sollten. Es erschien zwar einige Tage darauf eine Kabinetsordre Alexanders, daß die Ausführung dieses Ukases bis auf weitern Befehl verschoben werden sollte; allein Chovanski, der General-Gouverneur von Witebsk und Mohilew, und Einer der erbittersten Judenfeinde, hatte die Vertreibung in seinen Provinzen schon vollzogen. Ich

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