Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1847)
- Date
- 1847-10-04
- Page
- Seite 615 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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615 Literarische Nachrichten. Leipzig, 27. September. So eben ist die 37ste Lieferung des II. Bandes des P hilip p so nschen Bibelweckes fertig geworden. Sie enthalt den Schluß von Micha, den ganzen Nach um, den Chabakkuk, und de» großem Theil von Zephanja. Noch zwei Lieferungen werden den zweiten Band schließen, und somit für den Rest des Werkes noch die trsws übrig bleiben. Miszellen. Als Col umbus mit Ruhm bedeckt von seiner ersten Entdeckungsreise zurückgekehrt war, dachten Ferdinand und Jsabella daran, bald möglichst eine Flotille auszurüsten, um Columbus zu einer zweiten Fahrt abzusenden. Die Biographie desselben sagt aus: „Da die königlichen Kassen durch den Krieg gegen die Mauren erschöpft waren, mußte zu außerordentlichen Hilfsmitteln Zuflucht genommen werden. Durch ein schmachvolles Edikt waren im vergangenen Jahre, nach der Besiegung der Ungläubigen, die Juden, nachdem man ihnen ihr Hab und Gut abgenommen hatte, aus Spanien vertrieben worden. Viele von ihnen hatten den Tod auf dem Scheiterhaufen gefunden. Unter dem Vorwände, daß der Hauptzweck der Ausrüstung einer Flotte nach Indien die Bekehrung der armen heidnischen Völker zum Ehristenthume sei, befahlen die Majestäten jenes, den unglücklichen Juden abgepreßte Blutgeld, so wie Alles, was sie an Juwelen, Gold und fahrender Habe zurückgelassen, öffentlich zu versteigern, und das dafür gelöste Geld dem Schatzmeister des indischen Amtes zu überweisen." Mit diesem jüdischen Gelde also wurde die zweite Fahrt ausgerüstet. Wenn also die Juden ihren bestimmten Antheil an der Entdeckung der neuen Wett gehabt; wenn ein Jude die erste Fahrt mitgemacht, und bei derselben Dienste geleistet hat — gleichsam auch für seine Glaubens- und Stammesgenossen die neue Welt in Besitz nehmend — wenn durch jüdisches Geld die zweite Fahrt ermöglicht ward: so sorgten auch die Spanier dafür, daß sie die Erinnerung an die Juden, daß sie die Teufelskünste, die sie an den Juden üben gelernt, sofort mit in die neue Welt nahmen. Zwölf Mönche, „die bei der Verfolgung der Juden sich ausgezeichnet hatten," wurden auf dieser zweiten Fahrt mitgenommen, um an die Bekehrung der früher so glücklichen Indianer sofort Hand anzulegen. Niemals hat die Geschichte wieder Aehnliches gesehen, und niemals hatte sie gesehen, was die Spanier itti Namen des Christenthums, und zwar nach dieser zweiten Fahrt schon verübten. Man hing, viectheilte, verbrannte, goß siedendes Blei in den Hals der Schlachtopfer, ließ sie von Hetzhunden zerreißen. Redakt. Korrespondenz. New-Aork, 14. Mai 1847. Russisch-jüdische Skizzen. (Fortsetzung.) Schon unter Katharina II. fühlte der Jude sich unheimlich, obwol die Kaiserin, die mit ihren Kriegen zu viel beschäftigt war, sich um die Juden und ihre Verhältnisse wenig kümmerte, und Alles beim Alten ließ; obwol sie einen Antrag ihrer Minister, die Juden der Militärpflicht zu unterwerfen, verächtlich unter den Tisch warf, und anordnete, ihr nie mehr einen solchen Antrag vorzulegen. Paul war der Antipode Katharinens in allen seinen Regierungsprinzipien, und daher auch den Juden nicht ungewogen; allein seine Regierung war zu kurz und dem russischen Adel zu verhaßt, um irgend einen wichtigen oder permanenten Einfluß zu üben. Erst mit Alexander trat die wichtige Periode der Veränderung der jüdischen Verhältnisse ein. Im Jahre 1804 forderte er die Juden aus, Schulen zu gründen, in welchen ihre Kinder auch den weltlichen Elementarunterricht genießen könnten. Wir wissen, was Alexander für den Unterricht des russischen Volkes im Allgemeinen that; er war der Erste unter allen europäischen Mächten, der ein Ministerium des Unterrichts und durch dasselbe den Votkselementarunterricht in Rußland begründete; bezeichnend ist sein berühmtes Wort: „Und wenn ich aus allen meinen Juden nur einen Mendelssohn erziehe, so ist mein Streben hinlänglich belohnt," und viele jüdische Herzen jauchzten dem Kaiser Beifall über den Ukas der jüdischen Elementarschulen zu. Allein die Juden ordneten Fasttage an; beteten Tag und Nacht in ihren Synagogen unzählige Psalmen, bis der Kaiser, davon unterrichtet, seinen Ukas zurücknahm, weil der Siegesdonner