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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-04 · Heft 41 (4.10.1847) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 41 (4.10.1847)
Date
1847-10-04
Page
Seite 614 (sequence 10)
Language
German
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614 Polizeipräsidium zu Breslau ist von seiner frühern Forderung zurückgegangcn. Magdeburg, 27. September. (Privatmitth.) Die Petition an das hohe Justizministerium wegen Abschaffung des Eides more judaico tfl abgegangen. Wir wünschen ihr gedeihlichen Erfolg. Wir werden sie später mittheilen. Sie hat, alles Ueberflüssige vermeidend, sich der Konzinnetät und der schlagenden Gruppirung befleißigt. Tunis. Paris, 14. September. Unser deutscher Landsmann, der gelehrte Orientalist Dr. Cohn, hat auch in diesem Jahre eine Reise nach dem französischen Nordafrika und bis Tunis im Interesse seiner dort wohnenden israelitischen Glaubensgenossen unternommen, und gestern sind Briefe von ihm aus Tunis vom 3. September über Bona hier eingetroffen, welche schon einige interessante Notizen über die Resultate seiner Reise geben, deren Gesammtheit er nach seiner Rückkehr in einem besondern Bericht zu veröffentlichen gedenkt. Nachdem er von Tlemcen aus das ganze französische Nordafrika durchreist hatte, war er am 30. August in Tunis angelangt. Am 2. September wurde er dann vom französischen Generalkonsul und Geschäftsträger Baron Lagau, der von seinem ganzen Personal, darunter die Herren Delaporte, Rousseau und Oberst Walsin d'Esterhazy, begleitet war, dem Bey feierlich vorgestellt. Dieser war trotz des Ramadhan eigens deshalb mit seinem ganzen Hofstaat nach der Stadt gekommen. Da Herr v. Lagau dem Bey gesagt hatte, daß Dr. Cohn arabisch spreche, so war auch kein Dolmetscher zugezogen worden, vr. Cohn sprach in einer kurzen Anrede an den Bey im Wesentlichen Folgendes: Seit seiner Reise nach Europa habe sich der Fürst die öffentliche Meinung dort gewonnen; man kenne recht wohl seine Herzensgüte, und namentlich wüßten die Israeliten, daß ihre Glaubensgenossen in der Regentschaft Tunis besser daran seien als anderwärts, daß er sogar mehrere Juden in seinen Diensten habe (so ist der an der Spitze des gesammten Rechnungswesen stehende Kaid Juffuf, Großofsizier seines Ordens, vr. Lonnbrosi, erster Arzt, gleichfalls Großofsizier, Castelnuovo und Massimo Wensi, jener Offizier, dieser Ritter desselben Ordens, und Alle sind Juden); wie er aber bei seiner Anwesenheit in Frankreich bemerkt haben werde, daß man da keinen Unterschied mache wegen der Religion, wie endlich für die moralische Emporhebung der Massen vor Allem gute Schulen nöthig seien, um Geist und Herz derselben zu veredeln. Der Bey schien lebhaft gerührt und antwortete: „So Gott will, wirst Du aus den Juden meines Landes machen, was sie in Europa sind; Dein Wille ist mein Wille.^ Wahrscheinlich wird der Bey nun ein Haus für die zu begründende Schule einräumen, die reicheren Einwohner haben 1500 Fr. jährliche Beiträge unterzeichnet, und so wird denn das seit zwei Jahren schon in Algerien begonnene Zivilisationswerk unter den dortigen Juden auch auf die von Tunis und der ganzen Regentschaft allmälig ausgedehnt werden, Dank der hingehenden Aufopferung unsers Landmanns und der freigebigen Unterstützung der Sache durch Baron v. Rothschild. In der Stadt Tunis wohnen nach den genauen Erhebungen des vr. Cohn nicht weniger als 23,000 Juden, davon 2300 etwa von italienischem oder spanischem Ursprung, welche entweder europäische oder arabische Kleidung mit einer weißen Mütze tragen. Die von arabischem Ursprung tragen eine schwarze Mütze auf dem Haupt. Siesa hat 300 Juden, Monastir 300, Sfax 2000, Djerbah 3000, Mediah 50, Bigertah 300, Portafarina 200, Ras-al-Djebel 500, La Goulette 300. Unter den Metonalid befinden sich etwa 500, die übrigens ganz wie sie leben. Einige unter ihnen treiben einen Handel mit Gadames, der in Goldsand, Straußenfedern und Elephantenzähnen besteht. In der Djiridja leben bei 4000 Juden zerstreut. Alle diese stehen unter dem Bey von Tunis. Durch die zwei letzten Feldzüge des Marschalls Bugeaud und des Generals Bedeau, welche die Unterwerfung von Kabylien zur Folge hatten, ward es unserm Landsmann möglich auch dahin zu gehen. Er fand dort viele nur von Juden bewohnte kabylische Dörfer. Längs des Sahel von Kabylien kann man die Juden von den Kabylen gar nicht unterscheiden. Zwischen Bougin und Setif fand General Bedeau vollständig jüdische Dörfer, deren Bewohner ihm entgegenkamen und Frieden mit ihm schlossen. Sie beschäftigen sich besonders mit Gartenbau. Der ausführliche Bericht des vr. Cohn wird ohne Zweifel ein vielseitiges Interesse bieten und einen neuen Beitrag zur genauem Kenntniß von Nordafrika bilden.

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