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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-04 · Heft 41 (4.10.1847) · p. Seite 613

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 41 (4.10.1847)
Date
1847-10-04
Page
Seite 613 (sequence 9)
Language
German
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613 einen Festhymnus gesungen hatte, folgte der einfach und würdig vorgetragene abgekürzte Abendgottesdienst, wobei nur sehr zu bedauern war, daß er, vielleicht aus Scheu vor den anwesenden Christen, ohne alle laute Theilnahme von Seiten der Gemeinde geblieben war, und selbst der so gut eingeübte Chor nicht die Responsorien übernommen hatte. Bei dem am Sabbatmorgen wiederum mit Musikbegleitung und Chorgesang abgehaltenen feierlichen Gottesdienste hielt der Geistliche der paderborner Gemeinde, der bejahrte Herr Bretzfeld, eine allgemein ansprechende, nur etwas floskelreiche Rede über die Worte des Wochenabschnittes: Altem nizawim hajom. Ein Festball am Abend von fast 200 Personen beschloß die trefflich angeordnete und auf das Würdigste ausgeführte Feier, deren Beschreibung ich nicht schließen kann, ohne den herzlichsten Dank gegen die Anordner derselben, und für die echte, große Gastlichkeit der jüdischen Gemeindeglieder auf das Lebhafteste auszusprechen. Nicht mindern Dank verdient die überaus wohlthuende Theilnahme der christlichen Einwohner, die sich unverholen in allen Klaffen zu erkennen gab, nachdem sich schon früher Manche derselben durch Beiträge bei dem Baue betheiligt hatten. Und so möge denn das neue, schöne Gotteshaus recht oft die Gemeinde zur innigen Andacht vereinigen, auch die, die dem alten lange entfremdet waren, damit der religiöse Jndifferentismus gänzlich weiche, der sich seit längerer Zeit dort einzunisten drohte! Berlin, 13. September. Wie es auch mildem englischen Missionswesen in Deutschland zu Ende gehet, bezeugt folgender Artikel in der Schles. Zeit. DaS englische Missionspersonal, welches vor Kurzem, kraft der österreichischen Gesetze, gezwungen war, in Krakau das Feld ganz zu räumen, beginnt nun auch in Berlin, allerdings freiwillig, sich zurückzuziehen. Die obersten Missionsbehörden in London nennen Berlin „ein äußerst unfruchtbares Gebiet" für ihre Missionsthätigkeit, weswegen sie auch an ihren judenbekehrenden Prediger Right die Ordre ergehen ließen, daß er sich von Berlin nach Karlsruhe begeben sollte, um sich daselbst ein Terrän zu erwerben. Es befindet sich jetzt nur noch der Missionär Bellson hier. Den über Deutschland verbreiteten englischen Missionären ist seit einiger Zeit, neben ihrer Bekehrungsthätigkeit, die nicht mehr recht vorwärts schreiten will, auch noch die Aufgabe geworden, den Blick der deutschen Auswanderungslustigen von Amerika ab, nach Palästina hinzuwenden. Der so konvertirten Emigration werden, sind wir anders recht unterrichtet, ansehnliche Summen zu Gebote gestellt. Breslau, 11. September. Ein Plan eigenthümlicher Art zur Versittlichung der ärmeren jüdischen Kinder durch Erziehung derselben zu Landbebauern und Professionisten in einer sogenannten „Colonie agricole" liegt dem Obervorsteherkollegium zu Breslau vor. Einer unserer Mitbürger nämlich hat im vorigen Jahre eine Reise nach Frankreich unternommen. Dort hat er zu Mettray bei Tours a. d. Loire die berühmte Colonie agricole besucht, welche die Herren de Metz und de la Bretigniere im Jahre 1839 unter den größten Opfern daselbst begründet haben; ein Institut, welches bereits nicht nur von ganz Frankreich, sondern auch von dem gebildeten Publikum aller Länder als Eins der trefflichsten ist anerkannt worden, und dessen Erziehungssystem in seinen Resultaten an das Wunderbare grenzt. Er hat nun die Idee gefaßt, diese Erziehungsmethode auf die Kinder armer Israeliten anzuwenden, um ihnen von frühester Jugend an Geschmack einzuflößen an dem Landbau, an Handwerken, überhaupt an einem harten Leben, welches die größte Anstrengung aller physischen Kräfte erfordert, indem er der Ansicht ist, daß nur auf diesem Wege, indem eine möglichst große Anzahl von Juden sich dem Ackerbau und denjenigen Handwerken widmen, welche Anstrengung erfordern, das wahre, weil inneres Heil für die mosaischen Glaubensgenossen erreichbar sei. (Bresl. Ztg.) Breslau, 20. September. (Schl. Ztg.) Als eine Folge des neuen Gesetzes wird auch das Schwinden eines andern, aus ähnlichem Mißtrauen sich herschreibenden Brauches bezeichnet. Bis jetzt nämlich wurde polizeilich darüber gewacht, daß das Zeugniß eines jüdischen Arztes in Bezug auf die Beerdigung jüdischer Leichen zuvörderst vom Stadtphysikus bestätigt werden mußte, bevor die Erlaubniß zur Beerdigung ertheilt ward. In neuester Zeit haben sich jüdische Aerzte, gestützt auf das Stillschweigen im Gesetze, geweigert, ihre Bescheingung noch durch den Stadtphysikus bestätigen zu lassen, und das königl. 41*

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