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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-04 · Heft 41 (4.10.1847) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 41 (4.10.1847)
Date
1847-10-04
Page
Seite 610 (sequence 6)
Language
German
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610 Gegenwart den Unterricht über das Zeremonialgesetz zu behandeln, um die Polemik nicht in die Schule zu verpflanzen; und wie hat er sich besonders gegenüber der verschiedenen religiösen Lebensweise in den Familienhäusern zu benehmen? 2) Wie soll in der jüdischen Religionsschule die Entstehung der aus dem Judenthume hervorgegangenen christlichen und mohamedanischen Religionen behandelt werden, und soll hierbei schon auf die Unterscheidungslehren des Judenthums — gegenüber jenen Töchterreligionen — eingegangen, oder Solches bis zum Konsirmandenunterricht verschoben werden? 3) Sollen die israelitischen Schulmädchen blos die Uebersetzungsübungcn der Synagogengebete, oder auch die des Pentateuchs und etwaiger anderer biblischer Bücher in der Religionsschule mitmachen; und sollen diese bei ihnen nur mechanisch, oder mit den nöthigsten Sprachkenntnissen betrieben werden? II. Vom Jahre 1846: 1) Muß die Messraslehre im Judenthume durchaus persönlich aufgefaßt, oder kann sie auch allgemein auf das Messiasreich gedeutet werden; und inwiefern lassen sich beide Ansichten vereinigen? 2) Worin zeichneten sich zur Zeit des Mittelalters die jüdischen Gelehrten aus der spanisch-maurischen Schule von jenen aus der französisch-deutschen Schule aus, und welche verschiedene Wirksamkeit hatten Beide aus die Bildung des abendländischen Judcnthums? 3) In welcher sprachlichen und sachlichen Verwandtschaft stehen jene unregelmäßigen Zeitwörter zu einander, deren zwei kernhaste Stämme sich gleichen, und läßt sich diese ursprüngliche Zweistämmigkeit nicht auch bei vielen regelmäßigen Wörtern Nachweisen? HI. Vom laufenden Jahre: Leichtfaßliche Abhandlungen zu bearbeiten für den Gebrauch beim Konsirmandenunterrichte, über die Satzungen: 1) der Sabbatfeier, 2) des Peßachfestes, 3) der Mildthätigkeit, 4) der Tephillin und Zizit, 5) der Elternliebe, 6) der Sittlichkeit, 7) des Sukkotsestes, 8) der Speisegesetze, 9) der Gerechtigkeit. Ferner Biographien mit moralischen Nutzanwendungen über folgende berühmte Personen: 1) Abraham, 2) Joseph, 3) Moses, 4) David, 5) Elias, 6) Simon der Gerechte, 7) Juda Makkabi, 8) Juda der Heilige, 9) Maimonides und 10) Mendelssohn. Mit dieser kurzen Skizze wollen wir für jetzt schließen. Sollte jedoch eine verehrliche Redaktion zur Veröffentlichung in Ihrem weit verbreiteten Blatte eine genauere Darstellung unseres Synagogen- und Schulwesens wünschen, da dieselben bei uns in stetem Fortschreiten sind, so ist hierzu gern bereit Im Namen der israelitischen Religionslehrer des Rabbinatsbezirks Langenschwalbach Mehl er in Lahnstein. Preußen. Jastrotv (Pommern), Anfangs September. (Privatmitth.) Auch in hiesiger Gegend wurde den Resultaten des vereinigten Landtags mit der größten Spannung entgegengesehen, auch hier wurde das neue Gesetz über unsere Verhältnisse mit Freude und dankerfülltem Herzen begrüßt; mit Freude — daß abermals die Gerechtigkeit und die Humanität über Unrecht und Vorurtheil und falschen Wahn gesiegt, und mit innigem Danke gegen all die wahrhaft erleuchteten Männer, die für das Recht ihrer israelitischen Mitbürger freimüthig in die Schranken getreten. — Und wenn es auch wahr ist, daß es Einen schmerzlich berühren mußte, wenn man so manche gehässige, von Vorurtheil und Intoleranz zeugende Urtheile und Acußerungen über Juden und Judcnthum vernahm, wenn es auch wahr ist, daß das neue Gesetz noch viel zu wünschen übrig gelassen und daß so Mancher, bei Durchlesung desselben in seinen Erwartungen getäuscht, es wehmüthig aus der Hand legte: so ist doch ein großer Schritt zur vollständigen Emanzipation geschehen und können wir zuversichtlich hoffen, daß endlich die Wahrheit und Gerechtigkeit siegen und auch die noch bestehenden Schranken stürzen werden! — Jedenfalls bringt das neue Gesetz wesentliche Vortheile. So ist's besonders die Organisation der Synagogengemeinden, die von segenreichem Erfolge sein dürfte. — Denn wer kennt nicht die Mißverhältnisse und unseligen Zerwürfnisse, welche die zeither bestehende Anarchie und maßlose Willkür in vielen Gemeinden hcrbeigeführt? — Wer kennt nicht den Streit und Hader und die Prozesse mit den Kultusbeamten? — Wer kennt nicht die Unordnung, die noch hie und da in den Synagogen und bei heiligen Handlungen herrscht?*) — Wer kennt nicht die vielen Mißbräuche, *) So fanden sogar am verflossenen Ndw!n «8^ in einer Gemeinde in hiesiger Gegend — ich mag sie nicht

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