Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1847)
- Date
- 1847-10-04
- Page
- Seite 609 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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609 Aus dem Rabbinatsbezirke Langenfchwalbach im Herzogtum Nassau, im September. „Schweigen hat seine Zeit, Reden hat seine Zeit." Diesem Wahlspruche gemäß müssen auch wir vor das Licht der Oeffentlichkeit treten, um zu zeigen, daß auch bei uns sowol Synagogenals Schulwesen in stetem Fortschreiten begriffen ist. Zu diesem Behufe möge für jetzt die trockene Beschreibung unserer jährlichen Konferenzen, von welchen vor Kurzem die dritte stattfand, genügen. Auf Veranlassung unsers würdigen, für das Schulwesen ganz besonders fruchtbar wirkenden Rabbiners, Herrn vr. Höchstädter, wurde unsere erste Konferenz abgehalten im Oktober 1845, in welcher bestimmt wurde, daß dieselben sich jährlich wiederholen sollen, und demgemäß war am 15. Oktober 1846 die zweite und am 1. September d. I. die dritte Konferenz. Bei diesen Konferenzen, deren Präsident jedesmal Herr vr. Höchstädter ist, finden Besprechungen über alles die Schule und Synagoge Betreffende statt; es werden vom Präsidenten Themata zu schriftlichen Arbeiten gegeben, welche, nach deren Ausarbeitung, unter den Religionslehrern zirkuliren und bei der nächsten Konferenz nochmals besprochen werden; ferner wird schon abgeschlossenen Gegenstand zurückkamen (S. 237), hat uns die Theilnahme gründlich verleidet, da wir immerfort nur ein Herumirren zwischen Einzelnheiten gewahren, wo man wenigstens nach langen theoretischen Diskussionen eine prinzipielle Lösung erwarten sollte. Man wird hierbei nur fragen, warum ich, als die dritte Rabbinerversammlung so heftig angegriffen ward, diese dennoch verthcidigen half? Die Antwort ist einfach, weil diese Angriffe ungerechter Weise auf ein Gebiet gespielt wurden, wo die Rabbinerversammlung ohne Schuld ist, weil man sie hierarchischer Anmaßung bezüchtigte, weil man Bann und Acht gegen sie losließ auf unwürdige Weise. Meine Meinung offen und frei aussprechend, mußte ich meinen Theils jenen Angriffen begegnen. Jzt aber, kein Heil und keine wesentlichen, über den Augenblick hinausgreifenden Resultate, und ebenso wenig praktische Schöpfungen — man denke an das Gebetbuch für häusliche Andacht, für welches auch nicht ein einziges Mitglied der Rabbinervcrsammlung einen einzigen Beitrag eingesandc hat — gewahrend, und für meinen Theil von der ersten Versammlung an ohne irgend einen Einfluß auf den Entwickelungsgang geblieben, ist es an der Zeit, sich geräuschlos zurückzuziehen. — Es versteht sich von selbst, daß, falls die Rabbincroersammlung 1848 zu Stande kommt, der A. Z. d. I. die Berichte über den Verlauf nicht fehlen werden. Red. der bei uns schon länger bestehende Lesezirkel, Behufs der jedesmal neu anzuschaffenden Schriften, geordnet. Unter den gefaßten Beschlüssen gehören: I. Vom Jahre 1845: 1) Die Einführung eines zweistimmigen Synagogenchors. (Ein solcher Chor ist auch jetzt in allen Synagogen des Rabbinatsbezirkes zur Verherrlichung des Gottesdienstes allgemein thätig.) 2) Wurden die bei den Lehrgegenständen in der Religionsschule zu beobachtenden Kursen bestimmt, wobei auch die spätere jüdische Geschichte ihre volle Berücksichtigung fand. 3) Wurden die Unterrichtsgegenstände für die gesetzlich eingeführte sabbatliche Andachtsstunde bestimmt. II. Vom Jahre 1846: 1) Die Zunz'sche Bibel allgemein eingeführt, besonders zum Gebrauche für die Sabbatschüler. 2) Vom Präsidenten wurde eine planmäßige Einrichtung getroffen, wonach im Laufe der Schuljahre im Verein mit der sabbatlichen Andachtsstunde die ganze Bibel theils übersetzt, theils gelesen und erklärt wird. 3) Wurde von demselben ein von ihm verfaßtes Lehrbuch für den Konsirmandenunterricht den Religionslehrern übergeben, und die hierzu nöthige Unterrichtsweise angegeben. III. Vom laufenden Jahre: 1) Die bei den Lehrgegenständen zu beobachtenden Kursen wurden bestimmt. 2) Die Einführung der vom Präsidenten vor einigen Jahren herausgegebenen, sehr zweckmäßig eingerichteten Lesesibel. 3) Die vom Präsidenten bearbeiteten Tabellen der hebräischen Grammatik — insbesondere die Nomina und Verba betreffend — Behufs der Einführung in den Religionsschulen, durch den Druck zu veröffentlichen. 4) Die Einführung der braunschweigerSynagogengesänge. Von den aufgegebenen Thematen, welche sich 1845 mehr auf das Wie? des Religionsunterrichts, 1846 mehr auf den innern Gehalt desselben, und dieses Jahr mehr auf den Konfirmanden- und Sabbatunterricht bezogen, wollen wir vorläufig nur folgende hervorhebcn, und zwar: I. vom Jahre 1845: 1) Wie hat der israelitische Religionslehrer der