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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-04 · Heft 41 (4.10.1847) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 41 (4.10.1847)
Date
1847-10-04
Page
Seite 607 (sequence 3)
Language
German
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607 Allgemeinen als Eifer für den Glauben, als Liebe zur Freiheit und Selbstständigkeit erscheinen, ohne daß er im Stande war, speziell die Art und Weise zu verstehen, auf welche der Römer plump und zerreißend in das innerste sittliche und religiöse Leben der Juden hineingriff, und so die unterste Schicht des Volkes gegen sich aufwühlte. Ueberhaupt mußte es ihm dadurch entgehen, eine tiefer eingehende Darstellung von den inneren Zuständen der damaligen Juden zu geben, und er darauf beschränkt bleiben, die politischen Ereignisse zu verfolgen und sie aus allgemeinen Motiven herzuleiten. Es ist dies demnächst ein Mangel des vorliegenden Werkes, welcher eine spätere Bearbeitung dieses Gegenstandes noch nothwendig machen wird. Hierzu kommt noch, daß Salvador überhaupt seiner Geistesanlage und Richtung gemäß wenig geeignet ist, das Spezielle einer religiösen Erscheinung zu verstehen; ihn drängt es hier überall, die inwohnende Idee, aller speziellen Form und Ausarbeitung entkleidet, in ihrem Mittelpunkt, in ihrer gänzlichen Allgemeinheit zu fassen und ihrem Gegensätze nackt gegenüberzustellen. Dieser Standpunkt hat seine Vorzüge und Erfolge, aber er bleibt für die geschichtliche Wirklichkeit doch nur einseitig; er vermag uns die allgemeine Strömung fast greifbar zu machen, aber kann uns die Thatsachen im Besonderen nicht erklären, und muß sich hier am nackten Aeußerlichen festhalten. Dies hat Salvador schon in seinen mosaischen Institutionen bewiesen; den Hauptgedanken wußte er hier sehr klar zu machen, aber alle Einzelnheiten der mosaischen Institutionen sind ihm verschlossen, und er kann sie nicht über ein ganz gewöhnliches modernjuridisches Bewußtsein hinwegbringen. Nun ist es aber gerade die Masse am Wenigsten, welche von dem allgemeinen Gedanken beherrscht und geleitet wird; und da wir es in dem Römerkrjege der Juden eben mit einer Massenbewegung, der die Häupter der Nation sich entzogen, zu thun haben, so bleibt uns im Werke des Salvador das Haupträthsel ungelöst. Ich habe diese Bemerkungen nicht um zu tadeln vorausgeschickt, sondern um uns das vorliegende Schriftwerk verständlich, und nunmehr seine Leistungen desto erkennbarer zu machen. Denn was nun auch an dieser Schöpfung Salvadors vorzüglich ist, das ist, daß er erstens aus dem ganzen geschichtlichen Stoffe die allgemeine Idee scharf herauszufördern versteht, und uns dadurch auf eine Höhe hebt, von der aus wir die ganze Weltgeschichte überschauen, und gleichsam die Idee der Vorsehung, die hier ausgeprägt ist, belauschen; und zweitens, daß er mit ausgezeichnetem psychologischem Scharfblick die inneren Triebfedern der Parteien und ihrer Führer zu erkennen, zu scheiden und in ihrem Werthe zu würdigen weiß. Beide Eigenschaften Salvadors waren aber für die Periode, die er behandelt, von größtem Belang. Die Erstere hebt uns über die btos singulären Nationalmotive hinweg, und zeigt uns die That des jüdischen Volkes im großartigsten Zusammenhänge mit den Strömungen der Geschichte; die zweite aber vermochte Licht zu schaffen in die Wirren und Umtriebe der Parteien. Die Quellen nämlich, die vom Erscheinen der Römer auf palästinensischem Boden bis zur letzten Entscheidung vorhanden sind, sind vollständig und fast erschöpfend — aber sammtlich einseitig, indem sie lediglich vom Standpunkt der Römer ausgehen. Und die Hauptquelle, Ftavius Josephus, ist, ob Jude, gerade die trübste, da er vermöge seiner Stellung, noch parteiischer für die Römer agiren mußte, als ein Römer selbst. Ja noch mehr, Josephus hattte im Kriege selbst eine antijüdische Rolle gespielt, war ein Verräthe'r an der nationalen Sache, da er nicht etwa allein der Friedenspartei angehörte, sondern sich zu einem der vier Anführer der nationalen Partei wählen ließ, und als Solcher gegen diese selbst agitirte. Gerade ec hatte also ein persönliches Interesse, die Ereignisse allein im Interesse der Römer darzustellen und die Nationalen von vorn herein zu verurtheilen. Hatten auch einige alte Autoren die Falschheit des Josephus gezeichnet, und die Nationalen vertheidigt, wie Justus, so sind diese doch sämmtlich verloren gegangen. Je vollständiger daher die Quellen für diese große Epoche sind, desto verworrener, parteiischer, unzuverlässiger sind sie auch. Hier ist es nun, wo die Leistung Salvadors glänzend hervortcitt. Von Anfang an hat er die Rolle des Josephus begriffen; mit Ausdauer und Konsequenz entwickelt er nun psychologisch durch das ganze Werk hindurch die Kritik der Josephianischen Berichte, benutzt scharfsinnig die Widersprüche, die Josephus in seinen, verschiedenen Lebenszeiten ungehörigen Schriften aus momentanen Motiven sich zu Schulden kommen läßt, um der unparteiischen Wahrheit näher zu kommen, zerstreut so die Nebel, welche der Partekzweck über diese Periode gebreitet hat, und rechtfertigt die Nationalen mit glänzendem und sicherm Erfolge. Dies ist das wesentlichste Verdienst der Arbeit Salvadors, die so, schon an sich

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