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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-10-04 · Heft 41 (4.10.1847) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 41 (4.10.1847)
Date
1847-10-04
Page
Seite 606 (sequence 2)
Language
German
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606 Reste desselben zum Vorschein, die ihm, abgesehen vom wissenschaftlichen Interesse, noch eine besondere Wichtigkeit verleihen; neuere Zustande sind noch aus dem früher Gegoltenen zu erklären. Die werthvolle Arbeit Frankels über den Beweis nach mosaisch-talmudischem Rechte, die angefangene Schrift Bodenheimers über das Testament, haben begonnen, das jüdische Recht zum Gegenstände wissenschaftlicher Darstellung zu machen. Frankels Werk über den Judeneid hatte noch vorherrschende Unbille, aus dem jüdischen Recht heraus zu bekämpfen; so wie es einst Zunz' „Namen der Juden" aus alter jüdischer Sitte heraus that. Ein weiterer spezieller Zweig mußte die Literärgeschichte sein. Eine Zeit lang schien dieses Gebiet neben jener Kritik der Liturgie eine vorherrschende Richtung werden zu wollen, die tüchtig gefördert wurde. Man zog eine nicht unbedeutende Zahl alter unedirter Manuskripte und Anekdota, von verschiedenem Werthe, an's Licht; viele biographische und monographische Arbeiten traten hervor; Zunz, Rappoport, Dukes u. A. waren sehr fleißig. Als das jüngste hervorragendste Werk ist Sachs' religiöse Poesie der Juden in Spanien zu betrachten. Endlich schloß sich hieran auch eine neu erwachte Thätigkeit für die biblische Exegese und Kritik, so wie für die hebräische und aramäische Sprache, endlich auch für die Mi sch na. Um das hierin Geleistete deutlich zu machen, bedarf es einer speziellen Auseinandersetzung. Meine und meines Bruders, Herxheimers, Reggio's, Krachmals, Herzfelds, Löwensteins, Löwenthals (Hiob), Wolfsons, Arnheims, Salomons, Zunz' u. A. Arbeiten bieten schon eine tüchtige Reihe von schriftstellerischen Bemühungen. Nicht minder hat Geigen und Dukes um die Mischnasprache, Fürst um die aramäische sich Verdienste erworben; für die Erlernung der hebräischen Sprache ist eine ziemliche Anzahl grammatischer Hand- und Lehrbücher, Uebungsstücke rc. erschienen. Ich weiß, ich habe Dir hiermit nur einen schwachen Umriß von der neuesten Literatur der Juden gegeben. Allein, da ich eben nur ein Bild der letzten Jahre Dir vorführen wollte, wirst Du doch leicht die bedeutsame Regsamkeit auf diesem Felde erkannt, und auf eine überraschende Weise die vielumfassende Thätigkeit, die bei so geringen äußeren Mitteln, bei dem Mangel an Anregung von außen, bei dem Fehlen aller Belohnungen und Anerkennungen/ die auf nicht-jüdischem Gebiete so reichlich vertheilt werden, so Vieles leistet, bewundert haben. Ueberall, wohin wir blicken, hat der Jude in neuerer Zeit sich — aus der Verachtung, ja sogar aus der Selbstverachtung, herauszuarbeiten. Und dies ist kein kleines Resultat, das wir schon zu gewinnen angefangen haben. Ueberall, wo der Jude thätig ist, hat er sich von vorn herein mitResig natiom zu waffnen. Und daß diese den thätigen Arbeitern in der jüdischen Literatur ebenso wenig wie ihren Vorfahren fehlt, nun — das haben wir Alle bewiesen. II. Die jüdische Geschichtschreibung hat dreifache Schwierigkeiten zu überwinden; theils fließen die Quellen reichlich, aber die Leidenschaft der Parteiung hat sie getrübt und verwirrt, theils fehlen die Nachrichten fast ganz, und der Zeitraum ist wie neu zu schaffen, theils kommt es am Meisten darauf an, die Strömung des Geistes zu erkunden und zu verfolgen. Die drei geschichtlichen Werke von Salvador, Herzfeld und Jost, über die ich in diesem Briefe sprechen will, behandeln Stoffe, die je eine dieser Schwierigkeiten enthalten. Bleiben wir zuerst bei I. Salvadors „Geschichte der Römerherrschaft in Judaa und der Zerstörung Jerusalems" in zwei Bänden stehen. Du kennest Salvador aus seinen früheren beiden Werken über „die mosaischen Institutionen" und „Jesus und feine Lehre"; wir werden die Licht- und Schattenseiten dieses Autors in diesem seinen neuesten Produkte wieder finden. Salvador ist der hebräischen Urkunden gänzlich unkundig *). Ob er der griechischen Sprache mächtig ist, ist fraglich, da er die Schriften dieser Sprache sämmtlich nach den lateinischen Uebersetzungen zitirt, worin er jedoch vielleicht nur der französischen Sitte folgt. Das vorliegende Werk ist daher lediglich aus den griechischen und lateinischen Autoren gearbeitet, und hat die jüdischen Quellen ganz unbenutzt gelassen. Wenn nun hieraus weniger Verlust für die Darstellung der politischen Ereignisse erfolgte, so ging doch hieraus hervor, daß er den Geist, der die Juden dieser Zeit beherrschte, viel weniger begreifen konnte. Dieser mußte ihm überall nur im *) Z. B. Bd. H. S. 174 (deutsche Übersetzung) sagt er: „Jaffo, Joppe oder Jaffa hat seinen Namen von einem hebräischen Worte, welches Krieg bedeutet." Bekanntlich heißt ^Schönheit, die Stadt also „Schönstadt, Ruhmesstadt".

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