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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-09-27 · Heft 40 (27.9.1847) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 40 (27.9.1847)
Date
1847-09-27
Page
Seite 600 (sequence 8)
Language
German
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600 haben, — das müssen offenbar diejenigen am Besten wissen, die sich in Studien und Gesinnungen mit jenen Rabbinen der altern und jüngern Zeit so zu sagen idcntisizirt haben. Sind sie nun bei ihrer stupenden Gelehrsamkeit und ihrer ofsiziellen Frömmigkeit zu dem Resultate gelangt, daß jedes deutsche Buch zu meiden sei wie die Pest; wer mag ihnen widersprechen? Also würde ich urtheilcn, wenn ich in talmudischen Dingen Laie wäre. Nun bin ich aber dies nicht, ganz und gar nicht, und so kann ich, gestützt auf das sorgfältigste Quellenstudium, die Ansichten unsers sel. Rabbiners über die Gefährlichkeit und Unzulässigkeit weltlicher Bildung von orthodox-rabbinischem Standpunkte vollkommen bestätigen. Der Selige hat beim Leben und nach dem Lode von unseren Aufklärern viel Unbill zu erleiden gehabt; namentlich konnten sie es ihm nicht verzeihen, daß er die Leser deutscher Bücher so unbarmherzig verfolgte. Nun Gottlob! ist die Zeit nicht mehr ferne, wo der entschiedene Sofer gerade von seinen entschiedensten Gegnern wird zu Ehren gebracht werden, und wo es die Unbefangenen einmüthig gestehen werden, daß Mittag und Mitternacht sich eher berühren können, als weltliche Bildung und rabbinische Orthodoxie. Die Berufung auf die Rabbinen der spanisch-arabischen Schule ist weniger geeignet diese Behauptung zu widerlegen, als vielmehr zu bestätigen; denn die Heroen jener Schule waren ja bekanntlich in keinem geringen Maße von antirabbinischen Lendenzen angesteckt. Die von externen Einflüssen unberührt gebliebenen Träger des Rabbinism in Frankreich, Deutschland und Polen sind in der That würdige Vorbilder unserer heutigen Geonim; denn Niemand wird es in Abrede stellen, daß R. Jakob Lam in allen weltlichen Dingen eben so unwissend war, wie unser verstorbener Sofer, und R. Ascher den Jechiel besaß schwerlich mehr Bildung, als unser gegenwärtiger Seelenhirte. Schon von dieser Seite haben also unsere Rabbinen Recht, indem -re eine gewissermaßen nationcll gewordene Unwiffen- )eit vertheidigen. Von einer andern Seite ist ihre Rechtfertigung noch vollkommener zu führen; doch darüber mit Nächstem. (Fortsetzung folgt.) Preußen. Meseritz im Großherzogthum Posen, 24. August. (Privatmitth.) Bei uns fand heute ein erhebendes Fest statt. — Die israelitische Gemeinde, durch Beihilfe einer Unterstützung, die ihr in einem Betrage von mehr als 1250 Thlr. der Oberlehrer HerrHolzschuher an der königl. Realschule, durch seine warme Fürbitte von auswärtigen israelitischen Gemeinden, erwirkt hat, in den Stand gesetzt, ein Schulhaus zu erbauen, weihte dieses Haus zu seiner Bestimmung ein. Der Stadtmagistrat, der jüdische Geistliche, die jüdischen Gemeindebeamten und alle angesehenen Juden, die drei Lehrer und die Schulkinder versammelten sich festlich gekleivet in der Synagoge, begaben sich von dort im geordneten Zuge in das Schulhaus und traten in den geräumigen Schulsaal, wo sich der Regierungs- und Schulrath Herr vi. Wendl, die evangelische und katholische Geistlichkeit, viele Lehrer der katholischen Realschule und der Stadtschulen, und eine ansehnliche Versammlung von Einwohnern der drei Religionen, bereits eingesunden hatten. Ein vom Schulinspektor Herrn Oberlehrer Holzschuher gedichteter Choral eröffnete die Feier. Ihm folgte eine Rede desselben, die auf Verbesserung der Erziehung abzweckend, die ganze Versammlung auf's Tiefste erschütterte; — darauf eine Rede des ersten Lehrers Herrn Tucholsky, der aus Auftrag der Gemeinde dem Schulinspektor für seine uneigennützige und liebevolle Aufopferung Dank sagte. Feierlich war der Augenblick, als er am Schluffe dem Manne, welchem die Gemeinde so vielen Dank schuldete, ein dreifaches Hoch brachte, in das die Versammlung jubelnd einstimmte, während gleichzeitig das auf Kosten der Gemeinde von der Hand des bekannten Künstlers Herrn Knorr gemalte, wohlgetroffene Bild des Gefeierten sich vor den Augen der Versammlung entschleierte, das die Gemeinde in dankbarer Erinnerung als ewiges Andenken bewahren wird. Gesang unter der Leitung des Lehrers Herrn Cohn I. und Deklamationen, unter welchen ein vom Lehrer Herrn Cohn II. verfaßtes Gedicht war, beendeten die Feier. Wenn Christen wie unser Herr Schulinspektvr so warm der Bildung der Juden sich annehmen, so wird die Zeit, in der auch das Großherzogthum Posen aller Wohlthaten sich erfreuen wird, welche die Juden der hohen Gnade unsers theuern Königs verdanken, gewiß nicht in weiter Ferne liegen. Die aus vier Klaffen bestehende Schule ist durch des Herrn Oberlehrer Holzschuher unermüdete Sorgfalt, der ihr sehr brave Lehrer verschaffend sie treu überwacht hat, ein Kleinod der Gemeinde geworden.

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