Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 40 (27.9.1847)
- Date
- 1847-09-27
- Page
- Seite 598 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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598 gezeichnet werden sollen. — Wie wir aus guter Quelle erfahren, soll unseren Vorsängern ihre Amtsführung dadurch um ein Bedeutendes erleichtert werden, daß von der königl. Oberkirchenbehörde eine Postille herausgegcben wird, aus welcher die Vorsänger in Abwesenheit des Rabbinen der Gemeinde eine religiöse Betrachtung vorzulesen haben. Wir können dem sonst geistreichen Verfasser der „Aufzeichnungen eines reisenden Schullehrers" nicht beipflichten, wenn er diese Einrichtung nicht billigt. Wie er selbst eingestcht, sind unsere Lehrer und Vorsänger mit Arbeiten überladen. Welches Geschäft soll man ihnen bei der einmal bestehenden Einrichtung, die mit der ganzen Organisarion in engster Verbindung steht, abnehmen? Das Kirchcnvorsteheramt und die Gemeindeschreiberei? diese verursachen dem rutinirtcn Lehrer keine allzugroßc Arbeit und sind sie, da besonders in kleineren Gemeinden der Lehrer sehr häufig der Gebildetste des Orts ist, gerade deshalb sehr ersprießlich für die religiöse und finanzielle Verwaltung der Gemeinde. Wie könnte sich auch eine Gemeinde von 15 Familien einen besondern Gemeindeschreiber halten? Soll man ihnen das Predigeramt abnehmcn? das könnte ohne die Landstände gar nicht geschehen, da das mit den Ständen verabschiedete Gesetz vom 25. April 1828 im Art. 54 ausdrücklich vorschreibt, daß in Abwesenheit des Rabbinen der Vorsänger einen Vortrag zu halten hat. Man kann also den Vorsängern nur dadurch eine Erleichterung verschaffen, daß man ihnen die Ausarbeitung einer Predigt, die ihnen allerdings sauer werden muß, wenn sie die Woche über Schule gehalten, durch eine veranstaltete Predigtsammlung erspart. „Eine abgelescne Predigt ist nur eine halbe." Wir können das nicht zugebcn. Wir kennen unter Juden und Christen ausgezeichnete Prediger, die trotz des „Ablesens" immer ein zahlreiches und aufmerksames Auditorium haben. Möge sich endlich auch das „jüdische Publikum" daran gewöhnen, mehr auf den Inhalt der Predigt, als aus die Art und Weise, wie sie vorgetragen wird, zu achten. „Man schafft sich die Predigtsammlung selbst an." Dem kann schon die königl. Oberkirchenbehörde dadurch begegnen, daß sie nur den im Amte stehenden Vorsängern Exemplare verabreicht. Würde das nicht geschehen und schafft sich eine Privatperson auch die Sammlung an., so hat das weiter auch Nichts auf sich; denn das ,>n'a»"-Sein wird man in württrmbergischen Synagogen schon unterlassen. Uebrigens ist es unsers Wissens noch Keinem eingefallen, die von der königl. Oberkirchenbehörde veranstalltete Sammlung von „Gebeten vor und nach der Predigt" sich anzuschaffen, um den Redner darnach ir>5» zu sein. Unsere Israeliten in Württemberg haben sich schon an Vieles gewöhnt und werden sich auch weiter an die von unsrer Behörde mit Umsicht getroffenen Anordnungen gewöhnen. Den Vorsängern wird es übrigens immer unbenommen bleiben, eigene Vorträge zu halten. Da jich heute mein ganzer Bericht um Schule und Lehrer bewegt, möchte ich zum Schluffe noch beifügen, daß von unserm Lehrer Lammfromm in Bälde ein „Lesebuch für israelitische Schulen" erscheinen wird. Alexander Elsässer in Oberdorf beabsichtigt eine Sammlung „Sagen und Legenden" aus der jüdischen Geschichte, unter dem Titel: „Jüdische Geschichte vom Beginne der h. G. bis auf unsre Zeit, dargestellt in Sagen und Legenden", herauszugeben. Nächstens wird er einige Legenden in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums aus dieser Sammlung veröffentlichen *). G. Fürth, 10. September. Seit einer Reihe von Jahren ist die hiesige Judengemeinde, die Bedeutendste in Baien:, in zwei Parteien gespaltet. Oft schon wurde eine Ausgleichung versucht, jeder Versuch aber scheiterte an der Hartnäckigkeit derjenigen, welche, an veraltete Formen sich fest klammernd, die Appellation an die Vernunft und an höhere Weltanschauung verwerfen. Der hiesige Rabbiner, welcher für gewisse Reformen inklinirt, obwvl er noch fern ist von dem anzustrcbenden Ziele, war von jeher dem Argwohne dieser Partei, die unter dem Namen die schwarze bekannt ist, ausgesctzt. Um ihn von seiner Stellung zu verdrängen zu Gunsten eines Rechtgläubigen, nahm man unter dem geringfügigsten Grunde Zuflucht zu Verdächtigungen bei den obersten Behörden. Die eingeleiteten Untersuchungen ergaben zwar keine genügenden Resultate, doch konnte man deutlich merken, daß das Abel'sche Prinzip auch auf diese Verhältnisse viele Influenz äußere. Gab doch die Denunziation eines alten Weibes, den Rabbiner an einem Sonnabende eine Rose abbrechen gesehen zu haben, einen Anhaltspunkt zur Klage von Seiten seiner Feinde, die will- *) Wir werden sie gern entgegennehmm. Red.