Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 40 (27.9.1847)
- Date
- 1847-09-27
- Page
- Seite 596 (sequence 4)
- Language
- German
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596 Stadt sind sogar mehrere bemittelte Männer zusammengetreten, die im Staate Illinois sich als Bauern niederlassen wollen, und reiche Ländereien angekaust haben. Lasset dem Juden, ihr Gesetzgeber in Europa, nur die Freiheit, sich seinen Stand wählen zu dürfen, und Ihr werdet ihm weder Trägheit, noch Wucher und Trödel vorzuwerfen haben. Es ist höchst interessant, mit aufmerksam beobachtendem Auge zuzusehen, wie diese kleinen Gemeinden sich bilden. Es leben zuweilen Juden Jahre lang in einem kleinen Städtchen auf dem Lande, ohne daß sich in ihnen das Bedürsniß regt, zu einer Gemeinde zusammenzutreten. Sie fühlen entweder gar kein Interesse für einen solchen Schritt, oder sie gehören zu einer größern, weil entfernten Gemeinde, zahlen dorthin ihre Steuern, und glauben, somit ihre Schuldigkeit gcthan zu haben. Plötzlich stirbt Jemand unter ihnen, und nun entsteht die Frage, wohin die Leiche begraben? Zu bnva' “np bringen ist ein mächtiges Zauberwort, und nun wird in aller Eile ein rra angekauft, und sobald dies geschehen, geht man an die Organisation der Gemeinde. Eine Person, die als uniiL, irn und Lehrer funktionircn kann, wird mit einem geringen Gehalre angcstellt; ein Zimmer wird zum Gottesdienste gemiethet, und das weitere Gedeihen überlaßt man dem lieben Gott. Nun fangen die Reibereien um den jüdischen 1122 an; Jeder will oder Mitglied des Vorstandes sein; und da keine Behörde die Oberaufsicht hat, die die Streitigkeiten schlichtet, so führen diese zu Trennungen, so daß oft in einem Orte, in dem 20 Familien wohnen, zwei Gemeinden gegründet werden. Das schwächt zwar die jungen Kräfte, läßt sich aber, bis die ersten Gährungen vorüber sind, nicht ändern. Auch die Freiheit hat ihre Schattenseite, die aber für die Zukunft nicht schadet, da die einmal in's Leben gerufenen Gemeinden schnell anwachsen, und so Beide dann bestehen können. In solchen Umständen ist Abrahams Wort ■'b?» r» T-iBrt immer das Beste. — Die jungen Gemeinden haben dann tausend Schwierigkeiten zu überkommen, und das von mir gegründete yn ma ist mit Fragen aus allen diesen jungen Gemeinden in den vereinigten Staaten wegen mpn rc. bestürmt. So erhielten wir jüngst eine Anfrage aus Montgomery in Alabama, ob die Juden nächsten ti"“i nicht in einer Unitarierkirche, die die christliche Gemeinde zu diesem Zwecke während des Morgens der Festtage! «blaffen will, beten darf, und wo sie den ompn yn« | hinstellen solle. Solche Fragen der wunderlichsten Art, die gewiß nirgends gefunden werden, kommen wöchentlich vor, und bieten dem Geschichtsschreiber i reichen Stoff. | Eine andere merkwürdige Erscheinung ist die, daß j viele Juden, die in Deutschland sich tauften, hier zu j ihrem jüdischen Glauben zurückkehren und freudigst die schwersten Bußen übernehmen. Hier könnten die; Missionäre sich überzeugen, welch ein nutzloses Gei werbe sie treiben, und wie sie die ineisten Täuflinge mit der silbernen Angel ihres Seelengeldes fischen.! Wir haben in diesem Augenblicke vier solche, von den j bittersten Gewissensvorwürfen geplagte Juden in see- | lcnärztlicher Behandlung. Allein die gezahlten Misj sionäre müssen ja ihren Gesellschaften von ihren pro- : selytirenden Erfolgen zu berichten haben; was kümmert sie Gewissenhaftigkeit, was aufrichtiges oder erlogenes und erkauftes Bekenntniß; „ein Jude ist gekapperl", j wenn sie das Wort nur in den Zeitungen lesen, dann sind sie zufrieden. Ich möchte wissen, was die Herren einem Manne aus Kanada antworten würden, der jüngstens vor dem yn rra erschien und seine Absicht erklärte, Jude werden zu wollen, und zum Beweise seiner Aufrichtigkeit angab, daß er sich schon pränumerando beschnitten habe. Die Reden dieses Mannes hätten ihnen mehr Wahrheiten gesagt, als alle jüdischen Rabbinen zusammen vermögen. Auf morgen Abend hat der Vorstand des deutschisraelitischen Wohlthatigkeitsvereins ein Meeting der sämmtlichen hiesigen zehn Geonim-Borstände berufen, um die Gründung eines jüdischen Hospitals zu berathen. Die Menge kranker Einwanderer hat das langst gefühlte Bedürsniß noch fühlbarer gemacht: vielleicht wird dasselbe durch das einträchtige Zusammenwirken aller Gemeinden dahier zu Stande gebracht. — Ein Komit« ist auch von fünf zusammengetretenen Gemeinden erwählt worden, um einen Begräbnißplatz anzukaufen, auf dem eingewanderte Juden, die noch zu keiner Gemeinde gehören, aus Kosten der Gemeinden bestattet werden sollen. Es ist nur ein reines Wunder, wie die jungen, kaum ein Jahrzehend bestehenden Gemeinden alle diese Lasten erschwingen können. Ich möchte wissen, ob die deutschen Regierungen solche Juden emanzipirten. In Cincinati und Philadelphia werden aus zwei neue deutsche Synagogen eingeweiht, in denen