Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-09-27 · Heft 40 (27.9.1847) · p. Seite 595

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 40 (27.9.1847)
Date
1847-09-27
Page
Seite 595 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225538--08874-3239712
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

595 aus der Staatskasse? bezahlte sie nicht mit musterhafter Regelmäßigkeit Steuern und Abgaben? störte sie nicht am Wenigsten den Staat durch Verbrechen? Und man dürste denselben Staat in Gefahr glauben, wenn man diesen Bürgern, gleich den übrigen, in den nützlichen und ehrbaren Mitbewerbungen politischer Freiheit ihr Glück zu versuchen erlaubte?" So das Organ Lord Palmerston^s, welches in seiner Meinung fast in allen Zeitungen, ausgenommen in dem blind fanatischen „Standard", ein Echo findet! Der „Globe" äußert sich in seiner Antwort an diejenigen, welche die Folgen der Emanzipation fürchten, in nachstehenden, schönen Worten: „Die äußersten Folgen einer Maßregel werden uns nie davon abhalten, das zu thun, was wir für recht und redlich erachten!" Und wahrend die öffentliche Meinung Englands sich in der Presse, durch seine Staatsmänner, in seinen Wahlkollegien so unverhohlen kund giebt, und während Pius IX., mit hehrem Beispiele voranleuchtend, die Verbrüderung der gesitteten Nationen nur von versöhnender Liebe, nicht aber vom Drucke und von der Verfolgung erwartet; während endlich auf dem preußischen Landtage die Koryphäen der öffentlichen Meinung das ganze Gewicht ihrer Ueberzeugung für die Emanzipation der bedrückten Juden in die Wagschale legten — sind in Sachsen und in Altenburg die Israeliten noch wie im Mittelalter den härtesten Beschränkungen unterworfen; denn während daselbst sogar Russen, Mohamedaner rc. ungehinderten Handel treiben, ist z. B. in dem aufgeklärten Leipzig, dem modernen Athen, den aus Preußen kommenden Juden untersagt, ihre Waaren anders feilzubieten, als in Gewölben, und die Krämer dieser Konfession sind sogar auf einen Platz außerhalb des Stadtthores verwiesen. Auch dürfen sie nur während einer Meßwoche ihre Waaren verkaufen, wodurch die zwei anderen für sie völlig verloren gehen. Hoffen wir, daß eine, diesmal lobenswerthe, Nachahmung des Auslandes diese Spuren finsterer Zeiten auf deutschem Boden verwischen werde! Hoffen wir mit dem „Journal des Debüts": „daß Deutschland, Rom und England sich verständigen werden, um das schöne Kapitel der menschlichen Geschichte, welches in dem Gesetze der Konstituante vom 27. September 1791 seinen Anfang nimmt, zu vollenden!" So weit das kölnische Blatt über das Ausland. Wenden wir uns zu Preußen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Nordamerika. New-Bork, 31. August. (Privatmitth.) Es tritt jetzt in dem Leben der Juden in Amerika eine Veränderung ein, die nur vom größten Vortheile für dieselben sein kann. Bisher ließen sich die Einwanderer, gleich nach ihrer Ankunft, in den großen Städten, -'und vorzüglich in New-Uork nieder, so daß diese Stadt an 15,000 Juden zählt. Da die Meisten ohne Mittel ankommcn, und daher außer Stande sind, ein regelmäßiges Geschäft zu etabliren — die Handwerker ausgenommen — so griffen die Meisten zu dem Bündel, mit dem sie auf dem Lande, wie der geborne Uankee es auch thut, hausiren gingen. 'Der Nachtheil hievon war, daß die Leute ganze halbe Jahre von ihren Famlien abwesend waren, die Hälfte des Gewinnes auf den nutzlosen Reisen immer darauf ging, die andere Hälfte in den wenigen Wochen der Feiertage in Saus und Braus immer aufgezehrt wurde, und man nach denselben immer wieder von vorn anzufangen hatte. Die Leute thaten es zwar meistens aus dem Grunde, daß sie an den Feiertagen Synagogen besuchen, zu einer jüdischen Gemeinde gehören wollten — allein die Frage liegt ja auf der Hand: warum ziehen nicht Mehrere zusammen-auf's Land, und gründen daselbst Gemeinden, die mit der Zeit zu sehr blühenden heranwachsen könnten. Die Folge davon, daß Letzteres nicht geschah, war, daß sich Massen von armen, unbemittelten Familien in den Städten anhäuften, die auf die jungen Gemeinden und Wohlthätigkeitsvereine sehr drückten, und die Blüte derselben sehr verzögerten. Gott sei Dank, die Sache ändert sich jetzt, und Massen von Familien ziehen aus den Städten hinweg auf das Land, und überall, allüberall entstehen nun kleine Gemeinden. Pettersen, Herdfort, Detroit, Buffalo haben sich organisirt; Rochester, Chicago und andere sind in ihrer Organisation begriffen; in Claiborne und Montgomery in Alabama wird an diesem Tn znm ersten Male in ■p:a gebetet — und da der Strom sich nun die rechte Bahn gebrochen hat, so dürfen wir hievon viel Segenroiches erwarten. Und nicht nur dem Handel widmen sich die Wegziehenden; die Meisten bleiben bei ihren Handwerken, die sie als Kaufleute betreiben, und sehen ihrer Hände Werk gesegnet; und in hiesiger

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.