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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-09-20 · Heft 39 (20.9.1847) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 39 (20.9.1847)
Date
1847-09-20
Page
Seite 590 (sequence 10)
Language
German
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590 wehe, das wühlt im Herzen des Hilfsbedürftigen — „nur der hätte dies nicht thun sollen!" also kvar es im Herzen der armen Wittwe, die Nichts wollte, als eine Erquickung für ihr krankes Kind, und das Nothdürstigste für ihre gesunden, die sich und die Ihrigen nur über dem Wasser erhalten wollte, bis der Tag käme, wo die herangewachsenen auf ehrenvolle Weise den Strom des Lebens befahren könnten. Aber sie wischte schnell ihre Thranen ab, und verbiß eilends ihren Kummer und ihre Kränkung, als sie dem Knaben die traurige Antwort vor der Thüre abgenommen — denn die Kranke sollte von allem dem Nichts erfahren. „Ich habe gar Nichts verloren von dem, was er mir gab, Mutter!" sagte ingrimmig der Kleine, „aber wart' nur, der wird schon seine Bezahlung bekommen, mit sammt seinem Hunde!" „Geh in die Schule, Moritz!" erwiderte die Mutter. Dann schlich sie in die Kammer, zog eine Schublade heraus, und nahm ihr letztes Sabbatkleid ... sie schlug es noch einmal auseinander ... und eine Thrane der Erinnerung wollte sich aus dem Auge drängen — — es war einst ihr Brautkleid gewesen vor achtzehn Jahren, wenn auch spater gefärbt-doch schnell wickelte sie es zusammen, und schlug eine Serviette darum ... „was thut's," sprach sie zu sich selbst, „wir müssen Feuerung haben, und Gott wird's wieder geben...." Sie rief Jakob hinein, der mit einem Buche an der Schwester Bett gesessen, und ihr Einiges vorgelesen. „Guter Junge, Du mußt dies nach dem Pfandhause bringen...." Weiter sprach sie Nichts, denn sie wußte, was dies für den Knaben zu bedeuten hatte. „Dahin?..." seufzte er. Knabe, es war eine harte Prüfungsstunde für Dich! Ueberall hin, Alles thun konnte er, nur nicht einen Menschen ansprechen, oder zum Pfandhause gehen.... Wer ist es, der in die Seele des Kindes den Stolz verpflanzet? daß es sich nicht blos vor Unrechtem schämet, sondern auch vor dem Beweise der Armuth, der Dürftigkeit? Ha, die Welt ist es, die Welt der Menschen, die nicht blos den Bösewicht, sondern auch den Armen mit Verachtung bedeckt, ja, die oft den Sünder ehret, wenn er mit Golde klimpert, aber jedenfalls den Dürftigen schändet, und trüge er seine Bürde noch so unverdient.... Das mochte es sein, was dem Knaben den Gang zum Pfandhause stets — es war heut' nicht das erste Mal — zu einer Folterstunde machte. Da schlich er sich heimlich, durch enge Gaßchen, weite Umwege, zu dem Hause, wo nur die Armuth einkehrt, und eine, mit Thranen benetzte Hilfe sich holt; da sah er sich zwanzig Mal um, ob nicht ein Bekannter in der Nahe, und harrete lang, wenn er einen Solchen erblickte, bis er vorübergegangen; da sprang er pfeilschnell die Stufen hinan, und ging eilends hinein, daß ihn nicht zu guter Letzt wer noch sehe; aber drinnen auf dem Gange klopfte ihm das Herz noch gewaltig, denn der Sohn des Hauses, sein Mitschüler, konnte gerade herauskommen und ihn fragen, was er hier wolle? War er dann glücklich hindurch, so galt es eine neue Angst, ob nicht schon Leute drinnen waren? denn die Armen schämen sich noch untereinander ihrer Armuth; und war er drinnen, sogalt es die Sorge, ob auch das Pfand angenommen, und wie viel er dafür erhalten würde ... o, aus der barschen Stimme des Buchhalters „was bringst Du?" machte er sich gar Nichts, nur an seinen Mienen hing er, wenn ec das Pfand mit verächtlichen Blicken von allen Seiten musterte, bis der verhängnisvolle Spruch ertönte: „Ein Thaler acht Groschen ..." oder wie viel es war. ... „Geh nur, mein guter Sohn!" hob die Mutter an, deren Scharfblick der Schmerz ihres Kindes nicht entging, „geh nur, Gott wird's Dir lohnen, was Du an Deiner Mutter thuest! und siehst Du, in einer bessern Stunde, wenn Du einst in Wohlstand und Segen lebst, wirst Du dessen gedenken, und Dich freuen, daß Du es nicht weigertest, wenn ich lange im Grabe ruhe...." „O Mutter, Mutter! nur das nicht!" rief der Knabe schluchzend an ihrem Halse, „ich will ja gerne gehen!" und er nahm das Päckchen, steckte es sorgfältig unter den grauen Mantel, und ging.... Aber unser Morgen hat auch einige Lichtseiten ... wie diese: Nach kurzer Zeit öffnete sich die Thür, und ein bejahrter Mann trat herein. Er war sehr unscheinbar, schlecht gekleidet, sein Antlitz tief durchfurcht und fast häßlich; auch war das eine Auge ihm, wie man leicht bemerkte, überzogen, so daß er nur mit dem andern sah, welches sich daher schnell bewegte, wahrend das andere Auge unbeweglich vor sich hinstarrte. Aber aus diesem einen Auge, welch ein Lichtstrahl der Herzensgüte quoll Dir entgegen, welche Verklarung der eigennutzlosesten Treue, welche Lust des Wohtthuns, welche Sehnsucht, erquicken zu können! Darum wol dieser freundliche Empfang des unscheinbaren Mannes; darum hob selbst die Kranke sich ein Wenig vom Lager, als der Greis an ihr Bett trat, und „nun, Lehnchen, wie geht's heut?" sprach. Die Antwort schien ihn zu befriedigen, denn ec verzog den nicht kleinen Mund zu einem ganzen Lächeln, und stieß

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