Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1847)
- Date
- 1847-09-20
- Page
- Seite 591 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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591 ein heiseres Lachen heraus, und sprach: „Siehst Du, es geht schon immer besser, und wenn erst der Frühling kommt, gehen wir zusammen spazieren, wenn Du Dich des alten Kerls nicht schämst." Und darauf holte er Etwas aus seiner Tasche heraus, sorgfältig in ein Dutzend Papiere gewickelt. „Ich Hab' was draußen beim Hofgärtner zu thun gehabt, und da Hab' ich ihm keine Ruhe gelassen, bis er mir eine Weintraube gegeben für Dich, meine Tochter. Ich Hab' ihm wahrhaftig gedroht, ich geh' zur Fürstin, wenn er. sie mir nicht giebt. „„Ich halt' Dich's für fähig, alter Hirsch"", hat er gesagt, und die Traube mir aus dem Keller geholt... ." „Mutter, eine Traube im Winter, im Dezember!" rief die Kranke, „was seid Ihr Alle gut mit mir!..." „Nun, was ist's!" sprach der Alte, nahm sich einen Stuhl an das Fenster, holte einen großen Quartanten vom Bücherbrett der Jungen, schlug ihn bedächtig auf, und las einen hebräischen Psalm leise summend vor sich hin. Als er vollendet, klappte er das Buch wieder zu, legte es hin, und trat zum Bette. „Habt Dank für's Gebet," flüsterte die Kranke. „Schon gut, und ich wünsche Dir Refua Schelema." „Schon wieder fort?" „Ich habe noch manchen Besuch zu machen, denn es giebt jetzt viel Gebreste in der Gemeinde." Und damit war er wieder hinausgetreten auf die beschneite Straße. Als nach einiger Weile Moritz aus der Schule, Jakob vom Pfandhause, Abraham aus den Unterrichtsstunden nach Hause kamen: da war schon der Tisch gedeckt und die dampfende Schüssel stand darauf, und die Mutter hatte die Freude, wacker zulangen zu sehen.... Und nun, mein Leser, nehmen wir den Faden unsrer Erzählung ernstlich auf.... (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen lV^gr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuch. Die zum Oktober e. offene Lehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle soll in gleicher Weise von der israelitischen Gemeinde zu Gr. Oschersleben durch einen diesen Fächern vollständig genügenden Mann besetzt werden. Die Gemeinde zahlt circa 280 Thlr. jährlich Gehalt für Ausfüllung dieser drei Aemter, ist auch andernfalls erbötig, Lehrer- und Vorsängeramt mit einem Gehalt von 150 Thaler allein zu belassen, und beansprucht einen Mann, der bei guten Zeugnissen, mit dem Zeitgeist fortgeschritten. Hierauf Reflektirende wollen aber recht bald ihre portofreie Anmeldung machen. Gr. Oschersleben, im September 1847. Der Vorstand. Pensionsanstalt. Mit dem 1. April kommenden Jahres beabsichtige ich eine Pensionsanstalt für israelitische Knaben zu eröffnen. Es wird mir eine heilige Pflicht sein, der mir anvertrauten Jugend liebevolle Pflege, sorgfältige Aufsicht, freundliche Leitung zu widmen, deren geistige Interessen wahrzunehmen, um ihre wissenschaftliche und religiös-sittliche Bildung zu ihrem Wohle zu fördern; außerdem erbiete ich mich, den Zöglingen eine methodische Unterstützung und Forthilse in den Schulaufgaben, und auf besonder» Wunsch Privatunterricht in den neueren Sprachen, in den Handlungswissenschaften, in den hebräischen Lehrgegenständen, in Musik rc. theils selbst zu geben, theils von anerkannt tüchtigen Lehrern ertheilen zu lassen. Bei den hiesigen für die Vorbildung jeglichen Berufs vortrefflichen Lehranstalten, wozu namentlich für die klassischen Studien: das Gymnasium, für die Handlung und Industrie: die höhere Bürger- und die Gewerbeschule, für das Lehrfach: das Schullehrerseminar, für die hebräischen Wissenschaften und das Talmudstudium: die israelitische Schule und die Wehrend Lehmansche Stiftung gehören, dürste meine Anstalt um so beachtenswerther sein. Eine langjährige Wirksamkeit als Privatlehrer, Erzieher, öffentlicher Schul- und Religionslehrer steht mir wohlrathend zur Seite, und gestützt auf die überzeugendsten Testimonien hochgestellter Männer empfehle ich mein Unternehmen der Beachtung des Publikums, und ersuche diejenigen resp. Eltern und Vormünder, welche mir die Erziehung ihrer Kinder und Pflegebefohlenen anvertrauen wollen, mir ihre Zuschriften gefälligst baldigst franko zukommen zu lassen. Halbersiadt, September 1847. Samuel I. Baer, öffentlicher Schullehrer und Syndikatssekretar der hiesigen jüdischen Gemeinde. Lehrlingsgesuch. Gesucht wird ein Lehrling israelitischen Glaubens zur Erlernung der Schlachterei. Reflektirende werden ersucht, sich in portofreien Briefen an M. S. Silbermann in Neu haus an der Elbe zu wenden.