Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1847)
- Date
- 1847-09-20
- Page
- Seite 588 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Mann mitnehmen, der asiatische Sprachen verstand. Auch vertraute er diesem Juden mancherlei Missionen an. So erzählt das Tagebuch, daß er, als er in Cuba angelangt, diesen Juden und einen Spanier an's Land sihte, um den König des Landes auszusuchen. Vier Tage brachten die Beiden im Innern des Landes zu, und knüpften freundliche Verhaltnrsse mit den Einwoh-! nern an, so daß ein Häuptling sie zu den Schiffen begleitete. Red. Belletristisches. Das jüdische Herz. (Fortsetzung aus No. 37.) 2. Ich habe Dir, mein Leser, eine Nachtszene gezeigt in unsrer Hütte. Aber wir wollen uns ja nicht wie Diebe in der Nacht einschleichen in den Kreis der darbenden Familie, der wir vielleicht Hilfe zu bringen bestimmt sind. Darum verzeihe mir, wenn ich Dich auch auf einen Morgcngang einlade, und folge meinem Rufe.... Siehst Du, die frühwache Mutter hat schon langst die Stube rein gefegt, und den Staub abgewischt, und Tisch und Stühle zurecht gerückt. Mit Hilfe des Jakob war das kranke Mädchen aus dem Bette gehoben, das Lager gelüftet und bereitet, und wieder eingenommen, und mit einer weißen Decke überkleidet worden. Denn Du stehst, Ordnung und Reinlichkeit herrschen hier überall, und die Mobilien stammen noch aus guter Zeit, und wenn sie auch ohne großen Werth — denn sonst waren sie schwerlich verblieben — sahen sie doch noch gut aus, und mit etwas Nachhilfe macht es sich. Die Kinder haben ihr Morgengebet andächtig gesprochen — denn darauf hält die Kranke gar sehr, und deren Wort ist der Wille Aller — haben ihr frugales Frühstück bekommen, und nun begannen die Geschäfte des Tages. Worin bestehen diese? Sie sind jeden Tages zweierlei: die Erquickungen für die Kranke und die Nahrungsmittel für die Gesunden herbeizuschaffen — vorher aber das nöthige Geld hierzu zu erlangen. Jakob war früh fortgeschickt worden mit den fertig genäheten Säcken, und hatte die Paar Groschen dafür gebracht. Aber das Antlitz des zurückkehrenden Knaben war nicht heiter. Der Kaufmann hatte ihm angezeigt, daß für die nächsten Tage keine zu nähen wären, und daß er überhaupt für den Sack fortan einen Sechser weniger zahlen würde, da eine Nachbarin es für so viel weniger übernehmen wollte. Seufzend nahm die Mutter das wenige Geld in Empfang, überrechnete, wozu es ausreichen würde — Holz, Fleisch zur Bouillon für die Kranke, Eingemachtes, das so theuer, und weiter genoß sie Nichts, Brod und Oel — dann bekam Jakob einen Theil zurück, um nach dem Markte und der Fleischscharren zu wandern. Der arme Knabe, es war so grimmig kalt, und seine Bekleidung mangelhaft. Wol hüllte er sich in einen grauen Mantel, der ihm zugeschnitten war aus einem alten größern. Darunter aber war das Beinkleid von gelbem Nanking, denn der Winter hatte wol Frost, auch Baumwolle vom Himmel—den Schnee — aber kein Tuch gebracht — und oft schon hatten lose Spötter hinter ihm gesagt: der trägt den Frühling drunten, aber den Winter droben. So schritt er frierend hin, aber doch wohlgemut!); und wenn ich nicht irre, summte er sogar ein Liedchen vor sich hin ... es waren Verse aus seinem „Traum".... Bald hatte er seine kleinen Einkäufe auf dem Markte vollbracht, und in das Körbchen am Arme gethan; und nun ging es zum Scharren. Hiep aber sollte es ihm schlimmer werden; das koschere Fleisch war knapp, die Frauen und Mägde drängten sich, die Fleischer fertigten zuerst die ab, welche große Quantitäten entnahmen, und so mußte der schüchterne Knabe lang im Winkel stehen, und Füße und Hände verklemmen ihm. Endlich gewahrte ihn eine Magd, die, aus einem großen — d. h. reichen — Hause großes Ansehen über die Gesellen ausübte» Diese frug ihn, wie viel er wolle? trennte mit scharfen Ellenbogen die Menge, und rief: „Der Junge kriegt nun absolut zuerst, sonst nehm' ich kein Loch, und gehe zu einem Andern; der hat eine kranke Schwester zu Hause, und kann nicht langer warten; hier hackt ihm 1V2 Pfund von der Brust weg, die Brust nehm' ich, und darum kann ich ihm ein gutes Stück davon geben; ich verantworte es." ... Solch' mächtiger Einfluß verschaffte unserm Jakob bald sein Stücklein Fleisch, das er sorgsam in das Körbchen packte; mit Mühe brachten seine verfrorenen Finger die Paar Groschen heraus und die Pfennige Abgabe (Pardon) an die Gemeinde. Dann drängte er sich zum Ausgang, und betrat die Straße. Aber der eisige Wind erfaßte ihn da, und trieb ihm den Mantel auseinander; und da er ihn wieder zufammenfassen wollte, siel ihm das Körbchen aus der verkommenen