Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1847)
- Date
- 1847-09-20
- Page
- Seite 587 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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587 wie er in der Ankündigung dieses Werks ausdrücklich sagt» nicht sowol die Männer, welche in aller Leute Mäulern sind, als die Freunde der Volksfreiheit, wozu er — mit Erlaubniß des Herrn „Israeliten" — auch die Glaubensfreiheit rechnet. Das führt ein trefflicher und geistreicher Mann, Dr. Heinreich Schwarzschild, dem allzuängftlich um den guten Leumund seiner Glaubensgenossen besorgten Pfeilkorrespondenten in No. 32 des Israeliten zu Gemüthe. Die Redaktion aber (---?) antwortet darauf, abgesehen von einigen nichtssagenden, gegen alle journalistische Schicklichkeit in den Text selbst eingeklammerten, Gegenbemerkungen, hauptsächlich — durch mehrere Fragezeichen! Gegen Fragezeichen läßt sich nun freilich keine Frage aufwersen, und so wäre diese Sache in Ordnung. Nur noch ein Fragezeichen, jedoch sammt der dazu gehörigen Frage an den Herrn Rabbiner, welcher, wie es in dem Blatte heißt, dasselbe nicht nur herausgiebt, sondern auch „redigirt": Hätten Sie, hochwürdiger Herr, nicht wohl gethan ihren pfeilentsendentcn Freund, statt ihn mit einem Heer Fragezeichen zu decken, lieber in der tugendhaften Indignation zu mäßigen, die ihn bewog, es Rieffern geradezu als einen „Flecken" anzurechnen, daß er Religionswechsel ohne entsprechende Ueberzeugung in weit milderen Worten, als es z. B. Freiherr v. Cotta (1828) in der württembergischen Kammer und andere Ehrenmänner thaten, nicht so ganz lobenswerth finden wollte? Wahrhaftig, der gute Pseilkorrespondent entrüstet sich ganz ohne Noth um dieser harmlosen Ansicht willen, die keinen Leser des Israeliten abhalten wird, auch ohne „entsprechende Ueberzeugung" zum Christenthum überzugehen, wenn er sonst dazu geneigt ist und ein Freund es ihm etwa aus Gründen anrathen sollte, wonach, wie unser „Israelit" sich ausbrückt, „Niemand zu fragen das Recht hat." Es mag eine Thorheit sein, seine Handlungen seiner Ueberzeugung unterzuordnen, oder das von Anderen zu verlangen; aber ein Flecken! Edler Freund der Glaubensfreiheit und der Fragezeichen — das ist zu viel gesagt! Un vieux de Ja vieille (?) Stuttgart, im September. (Privatmitth.) Je weniger bis jetzt sich Juden in der Bildhauerkunst ausgezeichnet haben, desto erfreulicher ist es, gegenwärtig einen Solchen in dem Herrn Albert Güldenstem, dem Bruder des Rabbiner G. in Buchau, nennen zu können. So eben hat er wieder einen ehrenvollen Auftrag von Sr. Maj. dem Könige erhalten, eine kolaffale Thiergruppe auszuführen. Miszellen. Beim Durchlesen einer Biographie Columbus', des Entdeckers der neuen Welt, fallt mir Folgendes auf. Unter den gelehrten Geographen und Physikern, die der König Juan H. von Portugal in seinen Diensten hatte, befand sich auch ein Jude, Jose Judio. Diesem und dem Meister Rodrigo und dem Deutschen Martin B eh aim trug der König auf, eine Methode zu erfinden, nach der Sonnenhöhe zu schiffen. Die gemeinschaftlichen Untersuchungn dieser Männer hatten den wichtigen Erfolg, daß man das Astrolabium verbefferte und in Verbindung mit dem Kompaß anwendete, um aus dem Stande der Sonne die jedesmalige Entfernung eines Ortes vom Aequator bestimmen zu können. Nun konnte der Schiffer muthig in das unbekannte Meer hinaussegeln; er durfte nicht besorgen, den Rückweg nicht wieder zu finden. In dem Tagebuche, welches Columbus auf seiner ersten Reise schrieb, in der an den König und die Königin gerichteten Einleitung sagt er: „Also haben Ew. Hoheiten, nachdem Sie alle Juden aus allen Ihren Königreichen und Herrschaften vertrieben hatten, mir in demselben Monat Januar den Auftrag ertheilt, mich mit einer hinreichenden Armada nach Indien zu begeben." Columbus leitete, wie sein Tagebuch unzählige Male zeigt, bei seiner Entdeckung Zwiefaches: die Sucht nach Gold und die Bekehrung der Heiden zum Christenthume. Deshalb stellte er die Vertreibung der Juden aus Spanien und die Entdeckungsreise auf eine Stufe — die der rechtgläubigen Frömmigkeit. Demungeachtet hatte Columbus unter seinen Gefährten auf der ersten Entdeckungsreise einen Juden, der, wie sein Tagebuch sagt, „hebräisch, chaldaisch und sogar arabisch verstand," Luis de Torres. Da nämlich Columbus nicht eine neue Welt, sondern nur einen neuen Weg nach Indien zu finden, und daher nach den alten Landern Asiens zu kommen glaubte, so mochte ec einen