Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1847)
- Date
- 1847-09-20
- Page
- Seite 586 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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586 nicht verbietet), eben im vernünftig konservativen Sinne zu bemächtigen, um ihm eine heilsame Richtung zu geben, ist auch aus dem religiösen Gebiete die Aufgabe eines Jeden, der es treu mit seinem Berufe meint. — Vielleicht darf ich auch die verehrlichen Redaktionen auswärtiger Blätter, im Interesse der Wahrheit, um gütige Aufnahme dieser Erklärung bitten. Königsberg, am 1. September 1847. Dr. Saalschütz, Prediger an der israelitischen Gemeinde. Deutschland. Frankfurt a. M., im August. (Eingesandt. Rieß er und ein Pfeilkorrespondent.) Im Jahre 1832 war Riesser schon hochverdient, aber noch wenig bekannt. Damals wurde bei einem Festessen in Frankfurt a. M. der Vorschlag gemacht, dem Ehrenmanne, in gerechter Anerkennung seiner Verdienste einen Ehrenpokal und eine geeignete Adresse zu überreichen. Man fand das des Mannes würdig und förderlich für die gute Sache, als deren Kämpfer er aufgetreten. Ein sonst scharfsinniger Mann befand sich jedoch in der Versammlung, dem das durchaus nicht einleuchten wollte. Es war der jetzige Pfeilkorrespondent des Israeliten, der voraus sah und sagte, wie eine solche Manifestation den Juden überhaupt, am Meisten aber Riestern selbst schaden würde. Seine Meinung fand indeß keinen Anklang. Das schrieb er, des Widerspruchs ungewohnt, einer „pädagogischen Verschwörung" zu, weil nämlich drei Lehrer: die Doktoren Heß, Weil und der seitdem verstorbene Di-. M. Creizenach den Antrag mit Wärme verfochten und mit leichter Mühe durchgesetzt hatten. Glücklicherweise blieb der Erfolg dieser Verschwörung ohne besonders unglückliche Folgen für die Menschheit, für die Juden, oder auch für Riesser. Das Beispiel fand Nachahmung. Messers Wort wurde vielleicht auch hierdurch seinen Glaubensgenossen wie vielen würdigen Männern christlichen Glaubens schneller bekannt, er hallte wieder in der Literatur, in Ständekammern (wie in Baden, Hessen, in der gesetzgebenden Versammlung in Frankfurt am Main u. a.) und 1847 fand der Herausgeber der trefflichen Sammlung, welche bestimmt ist die Männer des Volks dem Volke bekannter zu machen, sich veranlaßt, einen Freund Riessers dringend zu bitten, die Biograpbie des würdigen Mannes für dieses Werk zu bearbeiten. Gewiß bezeichnet das einen schönen Fortschritt in der öffentlichen Meinung und wen sollte er nicht freuen? Die Judenfreunde, meint Ihr, und — seid im Jrrthum. Wißt Ihr nicht, was das tägliche Gebet einer klugen Frau war? Herr, bewahre mich vor meinen Freunden! Ein solcher bekannter Freund seiner Glaubensgenossen überhaupt, Riessers und seines Biographen zumal, ist eben jener Pfeilkorrespondent, der, als ein sehr kluger Mann, seit 1832 zwar Manches gelernt, z. B. einem jüdischen Blatte Thcilnahme zuzuwenden, aber — Nichts vergessen hat. In No. 29 des Israeliten von 1847 verschießt er ganz dieselben Pfeile, die er schon 1832 in seinem Köcher führte. Dieselbe rührende Sorgfalt für die Ehre seiner Glaubensgenossen und Riessers Ruhm, die ihn damals bewog gegen den Ehrenbecher zu sprechen, treibt ihn jetzt zu edlem Unmuth gegen das Ehrendenkmal. Riesser zu den Männern des Volks rechnen, er möchte cs ihm wol gönnen, aber es ist nicht wahr — daß Riesser nämlich dazu gehöre. Er muß das „aus Freundschaft je eher desto besser rügen, denn wie „viel und oft hat man nicht schon von jüdischer „Anmaßung besonders auf journalistischem Gebiete, „zu welchem die Sammlung doch nur zu zählen (!), „hörenmüssen, und er könnte wol bei dieserBer- „anlassung an diese wieder erinnert werden." An jüdische Anmaßung? Wessen? Dullers, des Herausausgebers, und Meidingers, des Verlegers der Männer des Volks, welche, wie dem Pfcilkorrespondenten wol bekannt ist, den Biographen Messers dringend aufgcfordert, das Bild dieses trefflichen Mannes ihrer Sammlung anzureihen? Schwerlich; diesen christlichen Freunden des Volks würde der Herr Pfeilkorrespondent solche schätzbare Beweise seiner Freundschaft gewiß erspart haben. Also von der jüdischen Anmaßung des Biographen ist die Rede, welcher auf den Antrag einging, statt zurückzuschreiben: Bitte, meine Herren, lassen Sie doch den Juden aus ihrer Sammlung, den „von 60,000 Frankfurtern vielleicht 60, gewiß nicht 100 kennen"! Was fällt Ihnen ein, den für einen Mann des Volks zu halten? O „Israelit", das also wäre — „des 19. Jahrhunderts?" Dazu kommt noch, daß Duller, der doch sonst eben kein Neuling in der Literatur ist, einen ganz andern Begriff als der Korrespondent mit dem Worte „Männer des Volks" verbindet. Er versteht darunter,