Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1847)
- Date
- 1847-09-13
- Page
- Seite 578 (sequence 14)
- Language
- German
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578 eben damit, daß es nicht blos ein unchristliches ist — (das ist an sich noch kein Schimpf) sonder» auch ein antichristisches Wir hätten dem Mann eine Stimme beim ersten preußischen Landtag gewünscht und der „Gläubige" hätte mit den Liberalen gestimmt! Wir haben gewiß Nichts dagegen, alle hierarchischen Elemente aus dem Staatsleben entfernt zu sehen. Wir hätten daher auch Nichts einzuwenden, wenn das Gesetz die Zivilehe bei allen seinen Untecthanen einführte. So hat sie aber die neuere Gesetzgebung nur den christlichen Dissidenten und den Juden gestattet, dadurch also der Ehe dieser Religionsgenossen de» kirchlichen Charakter entzogen oder vielmehr denselben hier als gleichgiltig betrachtet. Nach unserm Ermessen schlägt man dadurch auch den Landeskirchen Wunden, denn es kann ja nicht fehlen, daß diese Hintenansetzung kirchlicher Weihe sich auf das eigne kirchliche Leben reflektirt. Für die praktischen Folgen bei uns selbst sind wir gar nicht bange. Hoffentlich wird bei den Dissidenten und Juden die Ehe auch künftighin heilig gehalten werden und es wird gute Ehen geben in demselben Maße, als es mit denpriesterlich eingesegneten schlechte gab und geben wird. Es ist nicht genug: Was du nicht willst, daß dir die Leute thun, thue ihnen auch nicht, sondern: WaS du willst, daß dir die Leute thun, thue ihnen auch. In Köln rxistirt seit mehreren Jahren ein „rheinischwestphälischer Verein für Israel", der zur Bekehrung der Juden in jenen Gegenden jährlich namhafte Summen kollektirt und verbraucht. Fast ist es spaßhaft, die Jahresberichte dieser Proselytenmachern zu lesen. So beginnt ein vor uns liegender mit einem Loblied über den Text: der Herr hat Großes an uns gethan, mit „Dank und Freud« zu dem Gott Israels, der freundlich war dem Verein und das Werk seiner Hände weit über Bitten und Verstehen förderte unter diesem Volke der ewigen Wahl." Sollte man nach diesem Lob- und Freudenliede nicht denken, daß ganze rheinische Gemeinden von dem Volke der ewigen Wahl (ja der Qual!) der Stimme der herumreisenden Agenten gefolgt wären und die Taufe angenommen. Das hätte doch die Geber der „reichen Liebesgaben" sehr befriedigt. Aber denen will man nur Sand in die Augen streuen. Denn man denke! „Gott hat es dem Verein besonders gelingen lassen bei de« Israeliten — eine offene Thüre zu finden", d. h. der Agent ist auf den 4 Missionsreisen, die er durch 50 Gemeinden gegen 500 Stunden theils per Post, theils zu Fuß zurücklegte, nirgends aus einem jüdischen Hause herausgeworfen worden (nach einem andern „Jahresberichte" geschah dies freilich zuweilen), sondern die rheinischen Jude» waren so artig, die „Salbung" mit anzuhören. D. h., wie der Bericht sagt, „in ihren Wohnungen. Unser Agent hat es nämlich mehrmals versucht, namentlich in Mühlheim an der Ruhr und in Neuwied, auch in den Synagogen aufzutreten und an die dort versammelten Israeliten das Wort zu richten. Aber wie freundlich und herzlich er in den Häusern der Juden ausgenommen war, so wurde er doch jedesmal, wenn er in Synagogen das Wort nehmen wollte, so zurückgewiesen, ja mit Spott und Hohn übergossen, daß die Direktion es wenigstens einstweilen, um noch größere Aufregung zu verhüten, für angemessen hielt, daß der Agent vorläufig seine Wirksamkeit auf die stillen Hausbesuche beschränkte", denn „wir können uns also sür's Erste schon damit zufrieden geben, daß unserm lieben Bruder ein freudiges Aufthun seines Mundes vor den verlorenen Schafen vom Hause Israels in Gnaden von dem Herrn verliehen rc." Nun wir wollen auch zufrieden sein mit dem Aufthun des Mundes des Herrn Agenten und die rheinisch-westphalischen Juden wissen nun, zu welcher Thiergattung sie der kölner Verein zählt. Um aber unparteiisch zu sein, müssen wir doch erwähnen, daß der Bericht zuletzt anführt, daß der Verein zwei Proselyten gewonnen. Von der Geschichte dieser zwei verlorenen Schafe schweigt aber die Geschichte. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen lV«Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuche. Ein unverheiratheter geprüfter Lehrer, der zugleich gute Kenntnisse in hebr. Sprache und Talmud besitzt, und eine Reihe von Jahren schon in diesem Fache in mehreren Gemeinden zur größten Zufriedenheit fungirte, auch die besten Zeugnisse darüber aufzuweisen hat, wünscht eine Stelle als Gemeindelehrer. Darauf Reflektirende