Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1847)
- Date
- 1847-09-13
- Page
- Seite 577 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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577 die Verhältnisse der Juden im preußischen Staate vom 23. Juli 1847. Zum Gebrauch mit den nöthl'gen Anmerkungen und Erläuterungen versehen von vr. H. Jolowicz. Köslin, 1847. Die Anmerkungen ziehen Vergleiche mit dem Gesetze von 1812, dem Allg. Landrecht, der Gewerbeordnung. Großer, deutlicher Druck. Magdeburg, 21. August. Kalender und Jahrbuch für Israeliten auf das Schaltjahr (1848) 5608. Mit Beiträgen von Kreizenach, Frankl, Goldenthal, Kohn, Kompert, Luzzatto, Philippson, Sachs, Salomo», Sanders, Szanto, Tauber, Wertheimer, Zunz u. A. Herausgegeben von Isidor Busch. Sechster Jahrgang n""in Wien, 1847. Die Solidität, welche dieses Jahrbuch sich in seinem nun sechsjährigen Bestände erworben hat, bekundet sich auch in dem vorliegenden Bande. Allerdings hat es keine bestimmt ausgesprochene Tendenz, ist weder der sozialen noch der religiösen Reform gewidmet, ja erwähnt dieser nicht einmal, neigt sich bald der wissenschaftlichen Sphäre zu, bald sucht es die Biumenstur der Dichtung und des Volkslebens auf; überall aber wirkt es auf das Bewußtsein der Juden als Solcher, weckt und fördert es, und führt hierauf aus allen seinen Beziehungen wieder zurück. Dies ist der eigenthümliche Charakter dieser Sammlungen, dies das Gemeinsame, worin sich die einzelnen Arbeiten, groß und klein, wieder vereinigen. — Wenn den vorliegenden Band ein begründeter Tadel trifft, so ist es der, daß er zu viele solcher Aufsatze enthalt, welche mehr gelehrten Inhalts sind, und dabei diesen auf unschmackhafte, ungenießbare Weise behandeln. Es ist wol Pflicht, den Herausgeber hierauf aufmerksam zu machen. Denn es kann wol am Ende jeder, auch der sprödeste Stoff dem Genüsse für die größere Zahl der Leser, denen dieses Jahrbuch zugedacht ist, zugeführt werden. Aber nicht, wenn der Gegenstand ohne wesenhasten Gedanken und angemeffnen Rahmen zuletzt in einander gereiheten Notizen sich auflöst, die anderswo, aber nicht hier ihren Platz verdienen. Wir rechnen hierher: Sterbetage von Zunz, die Nachrichten über die Familie Luzzatto, die neugriechische Volkspoesie und die Juden von Sanders. Aber auch die größere der Schalk muß ihm im Nacken sitzen, da er das Motto auf das Titelblatt setzte: Hier zeigt sich wie man heut noch drischt Das Stroh, das schon gedroschen war Schon viele, viele hundert Jahr. Eine selbstvernichtende Kritik — für die Herausgabe selbst. Arbeit, von der «ns der erste Theil hier übergeben wird, „Bilder aus Alexandriens Vorzeit. Von S. Szanto" — ist, so tüchtige Kunde sie aus jener Zeit erweist, doch sehr formlos gehalten, daß wenige Leser sie genießen werden. Sollte dieselbe eine historische Schilderung sein, so hatte sie systematischer, sollte sie Dichtung auf historischem Grunde sein, so hätte sie abgerundeter, ohne die vielen einleitenden Betrachtungen sein müssen; als Mittelding ist sie unförmlich geworden. — „Mein Ururgroßvater Leb" von Tauber, verräth ein tüchtiges Talent; aber die ungezügelte Phantasie, die darin herrscht, die unwahrscheinlichen Vorgänge und das Unbefriedigende der ganzen Haltung thun der Erzählung großen Abbruch. Auf volksthümlichem Boden bewegt sich der Aufsatz von Salomon „Muth und Unerschrockenheit, die Lebenspulse im Judenthume," der, so bekannte Gegenstände er auch behandelt, doch durch glänzende Sprache und warme Gesinnung erfreut. „Die Briefe aus Galizien" fahren fort auf ansprechende Art die dortigen Zustande zu besprechen, so wie„die wohlthätigen Unterrichts- und Erziehungsanstalten der Israeliten zu Livorno" uns ein schönes Bild reicher und einsichtsvoller Wohlthatigkeit aufrollen. Poesieen von verschiedenem In- und Gehalt, und der sorgfältig gearbeitete „Rückblick auf das Jahr 1846" bringen die gewohnte, gern gesehene Beigabe des Jahrbuches. Miszellen und Reminiszenzen , von vr. P. Philippson. Interessant ist es, die „gläubigen Christen" über das Verhältniß des Staates zur Religion sprechen zu hören. So heißt es in einem Traktätchen (Ein Wort über das Verhältniß der Gläubigen zur Staatskirche und der Staatsreligion rc.): „Gleichwie aber der Staat und die Politik in keiner Verbindung steht mit dem Reiche Jesu Christi (das nicht von dieser Welt ist), aus deren unglücklicher Vereinigung die jämmerlichen Mißgeburten eines eingebildeten christlichen Staates und eines staatsmäßigen Christenthums hervorgegangen sind, ebensowenig hat auch unsre Gemeinschaft nur im Entferntesten einen politischen Charakter rc.", und S. 23: „Eine Priesterschafr, eine Obrigkeit oder ein Volk, das seine Mitbürger blos um des Glaubens und Gewissens willen, und nicht wegen böser Thaten verfolget, beweiset