Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1847)
- Date
- 1847-09-13
- Page
- Seite 576 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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576 mögen folgende Khatsachen am Sprechendsten darthun. In Jchenhausen, der zweitgrößten Judengemrinde Baierns — sie zählt, trotz einer Auswanderung von mehr als 10V Seelen nach Amerika, noch über 1200 Seelen — sitzen 4 Israeliten bei der Gemeindeverwaltung, darunter die beiden Kultusvorsteher Herr Daniel Einslein und Herr H. Wimpfheimer, Erstgenannter wurde sogar zum Rechnungsrevisor bestellt. Erst vor ganz kurzer Zeit wurde diese Wahl vorgenommen, und wenn gleich die christlichen Bewohner weit zahlreicher sind, so haben doch fast Alle für die Zuziehung der Israeliten gestimmt. Ein würdiges Seitenstück zu diesem hat sich jüngst in der 3 Stunden von Jchenhausen entfernten Gemeinde Hurben ereignet. Die dortigen christlichen Einwohner wollten auch ein Erntefest feiern, um dem Geber alles Guten für den reichen Segen zu danken, den er nach so harter Zeit der Prüfung verliehen. Der Pfarrer wollte aber davon Nichts wissen und meinte, da man den Einwohnern dort keine Noth angesehen, so wäre der Dank auch nicht gerade nöthig und weigerte sich deshalb die Kirche zu diesem Zwecke herzugeben. Da wurde nun der dortige Rabbiner Herr Schwarz ersucht, die Synagoge zu einem Erntedankfest herzugeben und eine dem Zwecke angemessene Predigt zu halten. Der Herr Rabbiner erklärte sich um so mehr hiezu bereit, als auch die Israeliten dort ein solches Fest begehen wollten. Es wurde nun der erste Fruchtwagen passend verziert und mit Musik begleitet in den Synagogenhof geführt. Die sammtlichen Einwohner des Ortes begaben sich in das israelitischen Gotteshaus und der Rabbiner hielt eine Predigt, die alle Herzen ansprach, alle Gemüther tief ergriff und die ihm die Liebe aller Hörer erwarb. Abends wurde ein Mahl gegeben, zu welchem auch die Landgerichtsassessoren geladen waren, und viele und herzliche Toaste wurden dem israelitischen Geistlichen gebracht. In München haben 6 israelitische Gemeindemitglieder, welche um ihre Ansassigmachung zum Theil seit Jahren vergeblich baten, ihre Gesuche gleichzeitig bewilligt erhalten. Nach mehreren baierischen Blattern soll auch bei dem nächsten ordentlichen Landtage der Antrag um Zulassung der Juden zur Advokatur von Seiten der Regierung gestellt werden. Wer in Baiern bekannt ist muß es zugeben, daß die dortigen Israeliten sich seit Jahren bestreben, ordentliche Gewerbe zu treiben, daß sie kein Geldopfer scheuen ihre Kinder zeitgemäß bilden zu lassen, daß sie überall, bei strenger Religösität, den besseren Einrichtungen im Kultus zugethan sind. Als Beleg hiefür möge von so Vielem, das sich anführen ließe, hier nur noch erwähnt werden, daß in Jchenhausen etliche und 40 junge Männer den Rabbinatskandidaten Hochheimer, Sohn des dortigen Rabbiners, aus eigenen Mitteln besolden, um alle 14 Tage eine Predigt zu hören. Dieser junge Mann erfreuet sich des Beifalls der ganzen Gemeinde und haben ihm die ledigen Leute dort als Beweis ihrer Achtung eine sehr werthvolle goldene Repetiruhr überreicht. Auch eine Kleinkinderbewahranstalt wurde dort von den Israeliten gegründet und steht unter Leitung des Lehrers Ullmann, der neben wackeren Kenntnissen in der hebräischen Literatur viel pädagogisches Geschick hat. —. Die sämmtlichen israelitischen Schulmeister Württembergs, auch die an Konfessionsschulen angestellten, haben gleich den christlichen eine Theuerungszulage mit 25 Fl. aus der Staatskasse erhalten. — Das neue Schulgesetz, das bei dem nächsten Landtage vorgelegt wird, wird auch für die israelitischen Schulen und ihre Lehrer wesentliche Verbesserungen bringen. L. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 20. August. Vollständige Verhandlungen des ersten vereinigten preußischen Landtages über die Emanzipationsfrage der Juden. Berlin, 1847. Dieser Abdruck hat das Verdienst der Vollständigkeit, und wird somit einen bleibenden Werth haben. Ec enthalt den Entwurf, die Ministcrialdenkschrift (ohne aber die weitläufigen Beilagen s2 Voluminas, was Schade ist), das Gutachten beider Kurien, die Verhandlungen, übersichtliche Tabellen der namentlichen Abstimmung, das Edikt vom 11. März 1812, und einen Anhang, der verschiedene Berichtigungen bringt.*) — Das Gesetz über *) Wer der Herausgeber sei, ist nicht benannt, aber