Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1847)
- Date
- 1847-09-13
- Page
- Seite 570 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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570 gemeinschaftlich haben, daß sie keine europäische Sprache verstehen. Glauben Sie aber nicht, daß ich den Mützenmännern geradezu und unbedingt Unrecht zu geben gesonnen bin; ich will mich vielmehr bemühen, Ihnen die Ansichten derselben mit der Objektivität eines deutschen Geschichtschreibers darzustellen. Urthcilen Sie dann selbst, und erwarten Sie indeß mein Nächstes mit neugieriger Spannung. Pesth, im. August. (Privatmitth.) Die ungarischen Blätter bringen fortlaufend jüdische Artikel. In der letzten Zeit brachte der Redakteur des Pesti Hirlap tüchtige Rügen gegen den mangelhaften Bildungsstand der ungarischen Rabbinen — und der Redakteur des Jelenkor einen bogenlangen Artikel, worin er die Juden Ungarns in drei Klaffen theilt, in Pilpulisten, welche die Emanzipation verwünschen, Emanzipationisten, welche blos die Emanzipation im Auge haben, und in Reformisten, denen es um Aenderung der jüdischen Erziehung und Gesittung zu thun sei. Die erste Art, sagt er, sei die weitüberwiegende Zahl,!l/io. (Unter 430 Rabbinen Ungarns, meint er, können 420 weder schreiben noch lesen.) Zu der zweiten Klasse rechnet er die reichen Juden Ungarns — eigentlicher Reformisten, sagte er, gäbe es in Ungarn höchstens — 30; und wünscht, daß sich die Reformisten und Emanzipationisten zu gleichen Zwecken vereinigen mögen. Der sonst tüchtige Herr Moritz Sekfy erwiderte hieraus ohne allen Takt. K—n. Wien, 15. August. (Privatmitth.) Ein günstiger Zufall hat mir den Besitz mehrerer Aktenstücke aus dem ungarisch-jüdischem Gemeindeleben, verschafft, welche sammtlich wichtig für den künftigen Historiker, wichtig für den ernsten Beobachter der Zeltengänge sind. Viele derselben, welche theils noch lebende Personen betreffen und daher zur Veröffentlichung noch nicht geeignet sind, werde ich noch in meinem Pulte ruhen lassen, und bin nur so frei, aus den zur Veröffentlichung geeigneten und zweckmäßigen, mit zweien Aktenstücken des seligen Rabbi Sophers meine Einsendung an Sie zu beginnen, mit der Bitte, dieselben in Ihrem geschätzten Blatte gefälligst aufnehmen zu wollen. Indem ich der Authentizität derselben völlig gewiß bin, kann ich Ihnen auch sagen, daß diese Immediateingaben nicht ohne bedeutenden Eindruck zu machen — es war im Jahre L8SS — ausgenommen wurden. Zur Verhütung der hievon befürchteten Folgen trug vor Allem bei der hiesige würdige Prediger Mannheimer, welcher, wie früher auch noch jetzt, trotz seinem schmollenden Benehmen gegen die heutigen rationellen Vertreter des Judenthums, die preßburger Richtung jederzeit gehörig erkannte, gegen dieselbe stets ankampfte und noch immer opponirt. — Dieser würdige Geistliche hat damals die Absichten des Bittstellers den hohen Behörden gehörig beleuchtet und — Anerkennung gefunden. Nebst diesem war es aber vorzüglich der damalige pesther Obervorsteher, Herr Gabriel Ullmann, welcher zur Vereitelung jener hierarchischen Ansprüche energische Schritte machte. Die Kränklichkeit dieses verdienstvollen Mannes hat den ungarischen Israeliten einen wackern Vertreter geraubt — und die pesther Gemeinde scheint leider mit der den Herrn Ullmann getroffenen körperlichen Lähmung in eine geistige verfallen zu wollen. Aktenstücke zur neuern Geschichte der Juden in Ungarn. I. Zwei Immediateingaben des preßburger Rabbiners Moses Sopher an Kaiser Franz I. 1. Ew. k. k. apostolische Majestät! Endesunterzeichneter fühlt sich verpflichtet vermög seinem aufhabenden Amte eines Rcligionslehrers in einer der ansehnlichsten Gemeinden Ungarns, in einem rein religiösen Gegenstände seine allerunterthanigste Bitte Ew. Majestät zu Füßen zu legen, welche durchaus keinen andern Zweck hat als das ewige und .zeitliche Wohl seiner Mitmenschen zu befördern, und sie in der Religion, Tugend und Moral zu stärken. Es haben sich in mehreren Gemeinden Ungarns Fälle ereignet, daß einige Israeliten die Religion öffentlich übertreten undVerbrechen begangen haben, welche in den fünf Büchern Moses ausdrücklich verboten, und mit den schwersten Strafen, manche sogar mit der Todesstrafe belegt sind. Denn in einem Orte eröffnen einige Israeliten am Sabbat und anderen Feiertagen ihre Gewölber und betreiben ihre Handelsgeschäfte; in einem zweiten eröffnen Einige am Sabbat ihre Komptoirs und verrichten ihre Schreibereien wie an Wochentagen; in einem dritten ver-