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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-09-06 · Heft 37 (6.9.1847) · p. Seite 561

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 37 (6.9.1847)
Date
1847-09-06
Page
Seite 561 (sequence 9)
Language
German
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561 wiesen wird, weil die einzige Ehre die Ehrlichkeit und das einzige Recht die Rechtlichkeit ist.... Nicht in allen Hütten ... ich weiß es so gut wie Du; ich kenne sie, wo Rohheit und Entartung, Frechheit und Hader den letzten Stuhl zerbrechen und den letzten Tisch umstoßen.... Da ich Dich aber führen will in eine Hütte der Liebe, mein Leser, wüst Du Dich abwenden, weil Armuth und Siechthum darin Hausens... Nein, wir überschreiten die Schwelle. Es ist Mitternacht; eine eisige, stürmische Dezembernacht, die nicht enden zu wollen scheint. Der Wind stößt an die vier Ecken des Hauses, rasselt in den schlecht schließenden Fenstern, klapvert in den Thüren und Laden; im Ofen knistert eine schwache Flamme, in die soeben das letzte Scheit Holz mit zitternden Händen gelegt worden; auf dem Tische brennt die Lampe, die ein vom Luftzug bewegtes sparsames Licht verbreitet. Wir müssen unser Auge erst an das Halbdunkel gewöhnen. Schlafet ihr noch nicht, Bewohner des Hauses, und suchet auf dem Lager Erholung für die Lasten des Tages, und diese Erholung wird euch umsonst gereicht...? An Vereinen Wand stehet ein Bett, auf dem eine geknickte Liliengestalr ausgestreckt liegt, ein Mädchen in jener schönen Zeit des ersten Aufblühens, in den sechszehn Jahren, wo die frische Knospe ihre Blätter entfaltet und eine reizende Blüte verheißt.... Diese Knospe aber war früh von einem Wurme gestochen und gewelkt. Sieh, das edle Haupt, die reinen Züge, die hohe, weiße Stirn von braunem Haar umkleidet, die langen, gesenkten Lider, die feine Nase; aber wie sind die Wangen eingefallen, mit Blässe überzogen, die Lippen so falb; sie schläft, aber ihr Kopf ist matt auf die eine Schulter gesunken, ihr Athem langsam, schwer; es ist ein Schlummer, der nicht erquickt, weil er keine Kraft findet, die er beleben könnte. Am Haupte des Bettes stehet ein Tischchen, auf dem ein Arzneifläschchen, ein grober Wasserkrug, eine Schale mit Eingemachtem, und siehe ... eine blühende Hyazinthe nebeneinander stehen ... welch' liebende Hand hat Dir, Schlummernde, die Freude, den kleinen Ersatz für die ganze blühende Welt, die Du entbehren mußt, hierher gepflanzt?... Neben dem Bett ist eine Kammerthüre angelehnt. Wir wollen sie nicht öffnen, damit die Schlummernde nicht geweckt werde, denn die Thüre knarret sicherlich, weil man das Oel nöthiger braucht; aber horch nur, ein gesundes Schnarchen rauscht Dir in gleichmäßigen Zügen entgegen — dort schläft kräftige Jugend. Nun, wacht Niemand auf der Schlummerstätte? Fürwahr, am Tische in der Mitte der Stube, wo die Lampe zitternd leuchtet, sitzt die Mutter und wacht. Das Haupt der schwachen Frau ist tief auf die Brust gesenkt, denn auf dem Schooße liegt ihr die Arbeit, an der sie rastlos fördert. Wolle nicht, daß sie sie höher heraufhebe, denn das Zeug ist schwer; sie nähet ... Säcke ... und wie gern sie sie nahet, denn dies Nähen geht schnell, und strengt nur die blutig gestochenen Finger, nicht aber die gerötheten Augen an, und verspricht den Lohn schon auf den nächsten Morgen; sie nähet emsig, und nur bisweilen richtet sie ihren Blick aus das Lager der kranken Tochter, und horcht ihrem Alhemzuge, oder flüchtig nach den Fenstern, wenn ein stärkerer Windstoß sie aufzuschlagen drohet.... Doch ist sie nicht ganz allein. Zu ihren Füßen sitzt auf einem Schemel ein zwölfjähriger Knabe. Schau die schwarzen Locken, die den runden Kopf umgeben, die großen Augen, die er oft zur Mutter emporhebt, die rothen Wangen, Zeugen, daß auch die Noth eine kräftige Naturanlage nicht zu brechen vermag. Was schafft der Knabe in der Mitternacht? Auch er nähet ... Säcke, kleinere, etwas feinere Säcke; er versteht es, und die flinken Finger rühren sich, daß es eine Lust. „Willst Du denn nicht schlafen gehen, Jakob?" flüsterte die Mutter ihm zu. „Es ist schon spat und kalt, und Du weißt, Du mußt sehr früh auf, um die Morgenstunden bei Deiner Schwester zu wachen/" „Diesmal laß mich nur, Mutter!"" erwiderte der Knabe. „Siehst Du, meine Augen fallen mir nicht ein Wenig zu"" — und er blickte sie groß mit den schwarzen, feurigen Augen an — dann sprang er auf, und küßte die Mutter — aber schnell war er wieder nieder und die Arbeit in seiner Hand zurück — „und id) will das halbe Dutzend partout fertig haben, und bin erst beim fünften. Dann bekomme ich ja auch von Dir den Sechser, wofür ich ... halt, bald hätt' ich mich verrathen, und Du sollst Dich doch auch wundern, was ich für unser Lehnchen, unser armes, krankes Lehnchen für eine Freude in petto habe... „Guter Junge, aber sag' es mir doch lieber, damit es unserm Lehnchen nicht etwa schaden könnte...."" „Nein, Mütterchen, nicht schaden, sondern freuen...."" „Nun, sag's mir lieber an, Jakob... ..Wenn Du's wissen willst...."" Ec lenkte den Kopf 37*

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