Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1847)
- Date
- 1847-09-06
- Page
- Seite 558 (sequence 6)
- Language
- German
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558 nische geflossen ist? Bei den zahlreichen und immer fortdauernden Bekehrungen, die zu gewissen Epochen ganz massenhaft waren, ist das Verhältniß ganz bestimmt kein unbeträchtliches und die Racenscheu würde einen ihrer Lieblingsfparren sehr geschwächt erblicken. Preußen. Magdeburg, 24. August. (Privatmitth.) Auf unsere Eingabe an ein königl. Land- und Stadtgericht, die wir in vor. Nro. mitgetheilt, erfolgte folgender Bescheid. „Auf Ihr Gesuch vom 23. d. M. gereicht Ihnen zum Bescheide, daß das Gesetz vom 23. v. M. offenbar nur die allgemeinen staatsrechtlichen Verhältnisse der Juden zum Gegenstände hat. Die sie betreffenden rein formellen prozessualischen Bestimmungen haben durch dasselbe keine Aenderung erlitten, und muß, so lange dies nicht geschehen, es bei den bestehenden gesetzlichen Vorschriften der Allgemeinen Gerichtsordnung verbleiben." —. Es ist daher jetzt an der Zeit, den Weg der Petition an das hohe Justizministerium zu betreten, wozu uns eine große Anzahl von Gemeinden Vollmacht gegeben, und wird eine Solche in nächster Woche abgehen. Königsberg, 25. August. (Privatmitth.) Hebet den hier instituirten Sonntagsgottesdienst giebt das Vorwort der soeben erschienenen Eröffnungspredigt von Dr. Saal sch ü tz den besten Aufschluß. Der Titel der Predigt ist: „Predigt, bei Eröffnung der in der Synagoge zu Königsberg sonntäglich statlsindenden Andachtsstunden gehalten von Di-. I. L. Saalschutz, Prediger an der israelitischen Gemeinde." Aus dem Vorwort heben wir Folgendes hervor: „Schon vor zwei Jahren wurde von einem überwiegenden Theile der Gemeinde darauf gedrungen, daß (am Sonnabende) ein deutscher Gottesdienst stattsinden möchte. Dies wurde durch meine damaligen Bemühungen dahin modisizirt, daß deutsche Gebete mit den hebräischen abwechseln sollten, nach Maßgabe eines damals im Druck erschienenen liturgischen Entwurfs. Jndcß stieß Solches auf mancherlei Schwierigkeiten, indem von frommen Männern in der Gemeinde zwar die Einfügung deutscher Gebete genehmigt wurde, so aber, daß dieselben nur die Predigt umgeben sollten, anstatt daß die ursprüngliche Idee dahin ging, den ganzen Gottesdienst von dem deutschen Elemente mit durchdringen zu lassen. Von anderer Seite aber wurde jede dergleichen Umänderung nicht gern gesehen und statt deren, für deutsche Gebete, der Sonntag in Vorschlag gebracht. Dies wurde nun von Vielen lebhaft ergriffen, obschon mir eine solche wesentlich neue Einrichtung, der freilich keine rituellen Bestimmungen cntgegenstehen, nicht ganz unbedenklich erschien. Jndeß vielfache Bemerkungen mußten, nach zweijährigem Zögern, diese Bedenken besiegen. Dahin gehört namentlich, daß nicht allein eine große Anzahl unserer Gemeindemitglieder behauptet, am Sonnabende schlechterdings am Besuche des Gottesdienstes verhindert zu werden, was uns freilich in mehrfacher Beziehung nur schmerzlich sein kann, sondern auch der allerdings nicht zu ändernde Umstand, daß die gesammte Jugend, im weitesten Sinne des Wortes, fast nie, oder doch nur sehr ausnahmsweise dazu kommt, den Gottesdienst zu besuchen. Alle die vielen jungen Leute, die sich der Handlung, oder den akademischen Studien widmen, diejenigen, welche Schulen besuchen, Jünglinge, Knaben und Mädchen, alle diese sind, durch ihre Beschäftigungen und unabänderlichen Pflichten, am Sabbat nicht in dem Falle, zur Synagoge kommen zu können. So sind wir in Gefahr, die ganze aufblühende Generation unsrer Gemeinde, die Hoffnung unsrer Zukunft, der Synagoge, der Religion und dem Gemeindewesen sich entfremden zu sehen, da der Religionsunterricht, während einiger Jahre der Jugend, unmöglich die gottesdienstlichen Anregungen für das ganze Leben entbehrlich machen kann oder soll. Dieser Zustand, der möglicher Weise in anderen Gemeinden sich nicht mit solcher Entschiedenheit geltend macht, schien mir noch weit bedenklicher als alle früheren Bedenken, die jene Gemeinden vielleicht noch länger so glücklich sein werden, berücksichtigen zu können. So entschloß ich mich denn, dem Gemeindevorstande meine Bereitwilligkeit für eine auch außersabbatlich einzurichtende Andachtsstunde zu eröffnen. Ich halte es nicht für gerathcn, der in der Geschichte sich darbietenden Erfahrung Trotz zu bieten (die Israels Lehrer in dem letzten Jahrhundert nicht immer beachtet haben), daß, wer nicht zur rechten Zeit in einem geringen Theile nachzugcben sich entschließen kann, später kaum das Ganze wird retten kcmnen. Dem ehrenwerthen Eifer, mit