Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1847)
- Date
- 1847-09-06
- Page
- Seite 556 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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556 anschließt; es gilt nämlich einen Toast auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit, einen Toast den Verfechtern der heiligsten Menschenrechte. Unsere rheinhcssischen Deputaten haben auf dem letzten Landtage vieles Gute erstrebt und auch manches Gute erwirkt; darunter gehört das Änbahnen der Gleichstellung der so lange gedrückten, verkannten nicht staatlichen Religionsgemeinden, wie eS uns einige neue, kürzlich publizirce Gesetze bezeugen. Meine Herren! Man muß selbst zu einer solchen Religionsgemeinde gehören, um die ganze Wucht des niederbeugenden Gefühls zu empfinden, das in den exzeptionellen Gesetzen liegt, die für dieselbe noch existiren; man muß selbst den Druck von Geburt an empfunden haben, der oft so unscheinbar, aber doch so bitter gegen die Unberechtigten (?) ausgeübt wird, — um dann das innige Dankgesühl ermessen zu können, das uns für die erfüllt, die mit Wärme die Sache der Zurückgestoßenen verfechten und trotz aller ererbten Vorurtheile finsterer Zeiten im Menschen nur den Menschen erkennen. Unser nun beendeter Landtag zeigte unS wieder durch erleuchtete freisinnige Männer, von deren Hervorragendsten wir das Vergnügen haben Einige in unsrer Mitte zu sehen, — wie der Strom des Lichtes sich mehr und mehr Bahn bricht, und hell leuchtend mit der Fackel der Vernunft über trüben Fanatismus triumphirt. Würdig reihen sich an sie die Männer des preußischen Reichstages, die freimüthig und unverzagt für die Unterdrückten in die Schranken traten; immer lauter und immer Heller wird die Stimme der Wahrheit gegen die dumpfen Töne der Lüge und der Verleumdung erschallen, bis sie diese gänzlich übertäubt, und den Rechten aller Menschen endlich voller Sieg durch alle Gauen unseres schönen Vaterlandes wird. Darum allen den Männern, die die heiligsten Menschenrechte und die erhabenste Freiheit, die Glaubens- und Gewissensfreiheit für alle ihre Brüder zu erkämpfen streben, ein dreifaches Hoch!" München, 9. August. Vor einigen Tagen erhielten sechs hiesige israelitische Gemeindeglieder, welche bei dem königl. Ministerium um ihre Ansässigmachung zum Theil seil Jahren vergeblich baten, ihre Gesuche gleichzeitig bewilligt; ein Beweis, wie sich auch auf die Israeliten, die unter der vorigen Verwaltung sich ganz besonders gedrückt fühlten, das System der Milde oder vielmehr des Rechts sich erstreckt. Kassel, 12. August. Das Fr. I. enthält folgende Berichtigung des in vor. Nro. mitgetheilten Artikels: „Der wahre Sachverhalt ist folgender: In dem vom Regimentskommando des 1. (Leib-) Infanterieregiments, welchem der Verstorbene angchörte, an den Vorstand der israelitischen Gemeinde gemachten schriftlichen Anzeige vom erfolgten Ableben des Musketiers Appel aus Naumburg, israelitischer Religion, wurde demselben zugleich eröffnet, daß in Folge höchster Ordre die Beerdigung der Soldaten israelitischer Konfession der betreffenden israelitischen Gemeinde obliege und nicht durch das Regiment zu geschehen habe u. s. w. Hiernach mußte die Beerdigung auf dem israelitischen Friedhofe von den Glaubensgenossen des Verstorbenen übernommen werden. Dem Sarge folgte aber nichtsdestoweniger der Hauptmann, der Feldwebel, mehre Unteroffiziere und ein großer Theil der Kameraden des Verstorbenen, um demselben die letzte Ehre zu erweisen. Dieses ist die einfache und zuverlässige Darstellung jenes Vorganges." Hamburg, im August. (Privatmitth.) Um das neue preußische Judengesetz als einen großen Fortschritt, als eine Annäherung zu der urjüdischen Rechtsgleichheit aller Menschen anzuerkennen, dazu muß man wirklich hier in Hamburg leben, muß man ihn kennen, diesen zähen kleinstädtischen Geist von Misthaufen- Exklusivität, der sich hier bald als Furcht vor Konkurrenz, bald als Religionshaß, bald als Racen- Antipathie, bald als Ekel vor gewissen Physiognomieen, Sprechweisen und Akzenten maskirt, da er wirklich weiter Nichts ist als die Lust, niedrig wie man sich selber fühlt, doch noch Einen zu haben, auf dessen Schulter man trampeln, als dessen Höherer man sich vor Hausleuten und Nachbaren geriren, ja den man am Ende selbst an seinen Minderwerth glauben machen kann. Wie wird einem zu Muthe, wenn diese leibhafte Erbärmlichkeit ganz ernsthaft diskutirt, ob die Juden auch würdig — hört, hört! auch würdig seien, mit ihr auf gleicher Stufe im Staate zu stehen! Nur der blöosinnige Wahnwitz vieler Juden, die sich selber