Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1847)
- Date
- 1847-09-06
- Page
- Seite 555 (sequence 3)
- Language
- German
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555 drei Worte nrn üvn ns störend und ausfallend entgegenstehcn? *) Doch wozu diese Fragen, wo zwei Stellen aus der heiligen Schrift die mit so vieler Bestimmtheit ausgerufenen Worte des Redners: „Nirgends spricht unsere heilige Tora also!" widerlegen und darthun, daß die Worte: „bis zu diesem Tage" auch da stehe n, wo von immerfort geltenden Gesetzen die Rede ist. Der gefällige Leser schlage auf 5 Mos. Kap. 10, V. 8. wo es also heißt: „In selbiger Zeit sonderte der Ewige den Stamm Levi ab, die Bundeslade des Ewigen zu tragen, vor dem Ewigen zu stehen, ihn zu bedienen und mit seinem Namen zu segnen bis auf diesen Tag." Die Erwählung des Stammes Levi und der Priester zu diesem Gottesdienste erfolgte durch den Befehl Gottes an Moses; und schon deshalb wird wol Niemand auf den verkehrten Einfall kommen, Moses läßt es mit den Worten: „bis zu diesem Tage" dahingestellt sein, ob dieser Stamm, der auf ewige Zeiten dazu erkoren wurde, ihn ferner verrichten werde. Die zweite Stelle lautet 1 Samuel Kap. 30, 58.25. also: „Und es geschah von selbigem Tage an und weiter, da machte er (David) es zur Satzung und zur Vorschrift bis auf diesen Tag." Es findet sonach kein Widerspruch zwischen dem Buchstaben der heiligen Tora und dem Talmud statt, wenn dieser erklärt, daß 1 Mos. 32, 33. ein göttliches Verbot enthalte, und wird es keinem Bedenken mehr unterliegen, daß dem Talmud, obgleich Onkelos und Targum jeruschalmi abzuweichen scheinen, vollkommen beizupflichten sei. Wen aber der Vorwurf des verehrten Redners, destruktiv zu sein, eher treffe; ob nämlich denjenigen, welcher fest und treu auf die mosaische Tradition halt, oder denjenigen, der als volksthümlichcn Brauch lehrt, was göttlich verboten ist? Dieses kann füglich einer ' unparteiischen Beurtheilung überlassen bleiben. Ebenso mag es von Unbefangenen beurtheilt werden, ob es sich mit der Pietät gegen die ehrwürdigen Synagogenlehrer verträgt, sie mit ungeeigneten Vorwürfen zu überschütten, daß sie in ihrer riefen Einsicht und in ihrer Machtvollkommenheit Anordnungen trafen, wozu *) Der Talmud (Soka 17.) weist nach, daß in drei Dingen die von dem Buchstaben der Tora abweiche, ohne deshalb den Schluß zu ziehen, baß Erstere nicht wahr und richtig sein könne. schon die Männer der großen Synode den Rath ertheilten, und die zur Erhaltung und Wahrung eines gottgefälligen Lebens beitragen sollten. Möchte man doch auf keiner Seite sich von einem allzugroßen Eifer Hinreißen lassen, und gern einer friedliebenden und gründlichen Diskussion über die heiligen Angelegenheiten unserer Religion ein williges Ohr leihen, auf daß die Wahrheit zu Tage gefördert werde, und Einigkeit und Friede in Israel einkehre und bleibe, is:™ 'iVam nurrn. Das gebe Gott, der Beschützer Israels. Bingen (Großh. Hessen), 20. August. (Privatmitth.) Wie sehr das Judenthum durch die Aufklärung, die in dasselbe täglich mehr eindringt und mit ihren Lichtstrahlen alle trüben Nebel verscheucht, immer festem Boden sowol nach innen als außen gewinnt, zeigte uns wieder auf's Klarste das am 25. Juli dahier stattgefundene große Fest, das die bingener Bürger ihrem freisinnigen Deputirten, v. Stcinherr, gaben. Ein solennes Mahl, an dem sich bei 250 Personen belheiligten, erhielt eine höhere politische Weihe durch die Anwesenheit der durchaus liberalen Vertreter Rhein- Hessens, der Herren Frhrn. v. Gagern, Wunher und Brunck; viele hiesige Israeliten waren zugegen. Es wurden die herrlichsten, freisinnigsten Reden gehalten, und von einem konfessionellen Unterschied war natürlich hier keine Spur. Ein hier sehr geachteter Kaufmann, Salomon Nathan, sprach in einer kurzen gehaltvollen Rede über den glücklichen Erfolg, den die Bemühungen der Deputirten in Betreff der Aufhebung des ebenso schändenden, wie nachtheiligen s. g. kaiserlichen Dekrets hatten, und bemerkte treffend, daß hier, wo ein langdauerndes Unrecht beseitigt wurde, nur eine gerechte Forderung befriedigt worden wäre. Ihm schloß sich hierauf ein hiesiger junger Mann, Sigismund Friedbörig, der der entschieden freisinnigsten Richtung im Judenthum angehört, mit folgenden Worten an, die mit einer Akklamation ausgenommen wurden, welche zeugte, wie sehr diese Worte in den Herzen der zahlreichen Zuhörer Sympathie fanden: „Der Beifall, den der vor Kurzem ausgebrachte Toast auf das freie Wort fand, ermuntert mich, dieses freie Wort sogleich zu beanspruchen, indem ich der ehrenwerthen Gesellschaft einen Toast vorzuschlagen mir die Freiheit nehme, der sich auf's Engste daran